Biography of Betty Liebmann
Betty Liebmann, geborene Kahn, geb. 19.05.1883 in Rohrbach, einem heutigen Stadtteil von Heidelberg. Sie war die Tochter und das zweitälteste von 8 Kindern des Handelsmannes Samuel Kahn und seiner Ehefrau Amalia Kahn, geb. Liebhold.
Betty Liebmann war die zweite Ehefrau des Händlers Simon Liebmann, geb. 08.12.1871 in Guntersblum. Sie heirateten am 23.02.1928 in Heidelberg und Betty zog am 12.04.1928 von Rohrbach nach Guntersblum in die Hauptstraße 60 um.
Nach dem Tod seiner erster Ehefrau Katharina, geb. Bruchfeld, (geb. 1876, Heirat 1902) am 03.06.1925 in Guntersblum, verkaufte Simon Liebmann sein Haus in der Neustraße 9 und lebte gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Siegfried, geb. 01.08.1904 und Ludwig, geb. 31.08.1905, in dem neu erworbenen Haus in der Hauptstraße 60.
Nach kurzer schwerer Erkrankung verstarb Simon Liebmann dort, knapp ein Jahr nach seiner Verehelichung mit Betty, am 02. Februar 1929 im Alter von 57 Jahren.
Bei den „Aufräumaktivitäten“ am 10.11.1938 im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom in Guntersblum wurde Betty Liebmann mit zwei Freundinnen aus Alsheim im Stall eingesperrt. Im Obergeschoß ihres Wohnhauses, das Erdgeschoss war vermietet an einen Apotheker und seine Ehefrau, wurde zusätzlich zu den Verwüstungen, welche die randalierenden Nazis anrichteten, ein Koffer mit Wäsche und Wertsachen „sichergestellt“, zum Parteilokal sowie „nach Sichtung des Inhaltes“ zur Bürgermeisterei verbracht. Der Koffer konnte Tage danach dort wieder abgeholt werden. Ein kostbarer Ring, sowie eine wertvolle Uhr fanden sich nie wieder. Außerdem wurden wertlose Wertpapiere aus der Inflationszeit von örtlichen NS-Funktionären dazu benutzt um im Nachgang gegen die Familie Liebmann zu agitieren.
Am 06.01.1939 verkaufte Bettys Stiefsohn Ludwig Liebmann, ein unmittelbares Opfer des Guntersblumer „Schandmarsches“ vom 10. November 1938, als direkter noch in Deutschland lebender Erbe seines Vaters Simon, das Anwesen Hauptstraße 60 an Carl-Wilhelm Rösch, damals Ortsgruppenleiter der NSDAP und Bürgermeister von Guntersblum.
Nach dem Verkauf des Hauses zog Betty Liebmann am 20.02.1939, gemeinsam mit Stiefsohn Ludwig, in die Bunsenstraße 19a nach Heidelberg um. Unter der Vermittlung von David Rüb wurde dort auch die Erbaufteilung aus dem Immobilienverkauf geregelt.
Ludwig gelang von Heidelberg am 31.01.1940 über die Schweiz und Italien mit dem italienischen Passagierschiff „Rex“ die Flucht in die USA und fand erste Aufnahme bei seinem Bruder Dr. Siegfried Liebmann, welcher mit seiner Ehefrau Anna, geb. Seligmann aus Oppenheim, bereits seit Januar 1938 in New York lebte. Von Ludwig stammt ein Zeitzeugenbericht zum „Schandmarsch“ durch Guntersblum am 10.11.1938 den er, als notariell beglaubigte Anzeige, am 10.09.1946 in die Gendarmerie Guntersblum schickte.
Betty Liebmanns US-Visum konnte sie aufgrund der noch erforderlichen Wartezeit bis zur Zuteilung nicht mehr nutzen. Sie wurde am 22.10.1940 von Heidelberg zusammen mit weiteren 6503 Personen aus der Pfalz und Baden in das Internierungslager nach Gurs, am Westrand der Pyrenäen gelegen, deportiert. Von dort wurde sie am 07.09.1942 gemeinsam mit weiteren 1000 Häftlingen in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Das Schicksal der Stiefsöhne von Betty Liebmann und ihrer Geschwister ist in den Guntersblumer Blättern „ Stolpersteine in Guntersblum, Auflage 3 und 4 nachzulesen.
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