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Grabenstraße 21

Biography of Wilhelm Kopf

Wilhelm Kopf wurde am 29.05.1888 in Guntersblum geboren. Getauft wurde er am 10.06.1888 in der evangelischen Kirche Guntersblum. Er war Sohn der Eheleute Philipp Kopf I, Bahnwärter, geb. 17.10.1849 in Guntersblum, Grabenstraße 23, gest. 16.02.1930 in Guntersblum, Grabenstraße 19, und Katharina Kopf, geb. Illig, geb. 08.06.1849 in Dienheim, gest. 26.04.1895 in Guntersblum, welche am 23.04.1871 in Bischofsheim, Provinz Starkenburg/ Hessen, geheiratet hatten.

Wilhelm war das jüngste von sieben lebend geborenen Kindern der Familie Philipp Kopf I und war geistig behindert. Die Familie lebte, bedingt durch den Beruf des Vaters, in unterschiedlichen Bahnwärterhäusern an der Strecke Guntersblum- Oppenheim sowie in der Grabenstraße 19. Über eine Einschulung, Konfirmation oder eine eventuelle Ausbildung von Wilhelm Kopf ist leider nichts bekannt.

Nach dem Tod seines Vaters Philipp Kopf I im Februar 1930 wurde Wilhelm später in der Familie seines ältesten Bruders Jakob, Landwirt in Gimbsheim, aufgenommen. Nachdem er dort im September 1931 durch die Ermittlungsbehörden vernachlässigt, durch Misshandlungen schwer verletzt und körperlich überaus heruntergekommen angetroffen wurde, verfügte man amtlich seine Einweisung nach Heidesheim und danach in die Psychiatrie Alzey.

Von November 1931 bis zum Mai 1932 lebte er in der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Alzey und danach in den Heimen der Inneren Mission in Nieder-Ramstadt bei Darmstadt.

Als 1938 die Nationalsozialisten die privat geführten Einrichtungen zwangen, ihre Patienten an staatliche Einrichtungen abzugeben, kam Wilhelm Kopf nach Alzey zurück.

Im Mai 1940 überfiel Nazi-Deutschland die westlichen Nachbarländer und die linksrheinische Anstalt Alzey wurde als Reservelazarett benötigt. Deshalb wurden mehrere hundert Alzeyer Patienten in rechtsrheinischen Anstalten verteilt. Wilhelm Kopf kam am 11. Mai 1940 in die Landesheilanstalten Heppenheim, danach Gießen und am 18. September wieder nach Alzey zurück, aber nicht lange.

Ärztliche Gutachter in der Berliner Tiergartenstraße 4 (T4-Aktion) stuften Wilhelm Kopf als unheilbaren Fall ein, als „nicht lebenswert“ und entschieden, dass ihm der „Gnadentod zu gewähren“ sei.

Mit 56 Alzeyer Patienten wurde er am 4. April 1941 im Sammeltransport zunächst in die Landesheilanstalt Weilmünster verlegt. Dort wurde er als Übergangspatient nicht mehr medizinisch und pflegerisch versorgt und am 15. Mai 1941 erneut mit einem Sammeltransport in die Landesheilanstalt Hadamar-Mönchberg verschleppt, die mit Gaskammer und Verbrennungsöfen zur Tötungsanstalt umgebaut worden war. Seine Ermordung erfolgte unmittelbar nach seiner Ankunft.

Die Angehörigen erhielten vom Sonderstandesamt Hadamar-Mönchberg eine Sterbeurkunde, in der als gefälschter Todestag der 03. Juni 1941 eingetragen war. Tatsächlich starb Wilhelm Kopf bereits 19 Tage zuvor, am Tag der Ankunft, am 15. Mai 1941. Die jeweiligen weiteren Tage wurden sogar den Kostenträgern in Rechnung gestellt. Auch die beurkundete Sterbeursache war gefälscht. Wilhelm Kopf war einer von 10.072 kranken Menschen, die zwischen Januar und August 1941 in der Gaskammer von Hadamar ihr Leben lassen mussten. Ermordet wurden im Rahmen der T4-Aktion „reichsweit“ insgesamt 70.273 Menschen.

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