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Julianenstraße 2

Biography of Albert and Marie Vogel

Albert Leopold Vogel, geb. 04.06.1882 in Kempten im Allgäu. Er war der Sohn des Bankiers und Weinhändlers Salomon Vogel, geb. 30.12.1845, gest. 19.08.1912 und dessen Ehefrau Clara, geb. Hertz, geb. 12.04.1858, gest. 1938, welche am 22.04.1869 von Guntersblum nach Kempten verzogen waren. Später, wieder in Guntersblum wohnhaft, wurden seine Schwestern Helene Friederike geb. 08.11.1890 und Clementine geb. 22.11.1895 geboren.

Nach der Grundschule besuchte Albert das Gymnasium in Oppenheim und absolvierte nach dem Abitur eine Banklehre. Nachdem sein Vater früh verstorben war, übernahm er dessen Geschäft und war als Weinhändler, Weinkommissionär und Winzer tätig.
Von 1915 bis 1918 war er Sanitätssoldat im 1.Weltkrieg und Träger des Eisernen Kreuzes.

Am 24.12.1920 heiratete er Marie Eisenmann aus Nördlingen. Das Ehepaar lebte fortan in einer großzügigen Wohnung in der Diether-von- Isenburgstraße 11 in Mainz. In der Julianenstraße 2, in Guntersblum, besaß Albert Vogel ein Kelterhaus mit einer darüber liegenden Wohnung, Büro und einem Weinkeller.

Marie Vogel, geb. Eisenmann, geb. 26. 01.1895 in Nördlingen. Sie war das siebte Kind des Eisenhändlers David Eisenmann, geb. 1850, gest. 1900 und Frieda, geb. Hess, geb. 1855, gest. 1923. Sie wuchs in Nördlingen auf und besuchte dort eine Klosterschule. Während des 1.Weltkriegs, als ihre Brüder an der Front waren, unterstützte sie die Mutter in deren Großhandel für Eisenwaren.

Nach ihrer Heirat mit Albert Leopold Vogel am 24.12.1920 lebte sie in Mainz. Das Ehepaar hatte 3 Töchter welche in Mainz geboren wurden: Marga, geb. 13.01.1922 und die Zwillinge Lotte und Susanne, geb. 02.09.1924.

Im Zusammenhang mit den Novemberpogromen 1938 blieb die Mainzer Wohnung unversehrt. Die Kinder hatte man präventiv bei einer Nachbarin versteckt und das Ehepaar Vogel hatte sich in die Mansarde geflüchtet.

Die Wohn- und Geschäftsräume von Albert Vogel in Guntersblum wurden durch einheimische Nazis am 10.11.1938 sehr stark verwüstet. Albert Vogel musste infolgedessen und aufgrund der politischen Entwicklung sein Geschäft aufgeben.

Danach entschied das Ehepaar, ihre Kinder nach England in Sicherheit zu bringen. Im März 1939 floh Marga mit einem US-Visum nach England. Sie wurde von Verwandten betreut und absolvierte eine Ausbildung zur Kinderschwester. Die Zwillinge Lotte und Susanne folgten ihr am 20.07.1939 mit einem Kindertransport. Durch einen regen Schriftverkehr blieben Albert und seine Frau Marie nachweislich bis zum 07.11.1940 mit ihren Kindern in England in Kontakt. Ebenfalls Ende des Jahres 1940 mussten sie zwangsweise auch ihre Mainzer Wohnung in der Diether-von-Isenburg-Straße 11 räumen. Ihnen wurde in einem „Judenhaus“ in der Frauenlobstraße 4 eine Wohnung zugewiesen.

Ab 1940 war das Ehepaar bei der jüdischen Gemeinde angestellt und arbeitete im Jüdischen Krankenhaus in Mainz. Am 30.09.1942 wurde Albert Vogel ab Mainz über Darmstadt zusammen mit seiner Ehefrau Marie und weiteren 881 Personen laut Gedenkbuch wahrscheinlich in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.

Am 11.09.2010 wurden für Albert Leopold Vogel und seine Frau Marie, geb. Eisenmann in der Diether-von-Isenburg-Straße 11 in Mainz, im Beisein von Tochter Yael Avner (Lotte Vogel), deren Söhne Michael und Daniel, sowie ihres Neffen Stephen Alexander und ihres Großneffen Jonathan Guez, Stolpersteine verlegt.

Bei der Stolpersteinverlegung in der Julianenstraße 2 in Guntersblum am 2. April 2011 waren Tochter Yael Avner, deren Sohn Daniel und ihre Nichte Yael Hacohen, Tochter ihrer Zwillingsschwester Susanne zugegen. Nach der Verlegung der Stolpersteine sagte Frau Avner: „Heute haben wir das Paradies meiner Kindheit beerdigt“.

Das Schicksal der Töchter Marga, Lotte und Susanne Vogel sowie der Geschwister von Albert und Marie Vogel ist in den Guntersblumer Blättern „ Stolpersteine in Guntersblum, Auflage 3 und 4 nachzulesen.

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