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Bleichstraße 8

Biography of Johanna and Adolf Grünewald

Johanna Grünewald, geborene Schack, wurde am 13.01.1870 in Guntersblum als Tochter von Emanuel und Katharina (Käthchen) Schack, geb. Guthmann, geboren. Am 02.11.1897 heiratete sie in Guntersblum den Kaufmann Isidor Grünewald, geb. 26.09.1871, aus Okarben, Hessen. Isidor Grünewald war der Sohn von Herz Grünewald und Regina geb. Hammel.

Das Ehepaar Isidor und Johanna Grünewald lebte in der Bleichstraße 8 in Guntersblum. Am 28.12.1898 wurde ihr Sohn Hermann geboren. Isidor verstarb am 04.07.1905 im Alter von 34 Jahren in Guntersblum. Am 08.11.1905 wurde ihre Tochter Katharina geboren, welche am 02.04.1906 verstarb und auf dem jüdischen Friedhof in Guntersblum im Grab ihres Vaters Isidor beigesetzt wurde.

Am 10.11.1938 wurde die Wohnung von Johanna Grünewald und ihrem Schwager Adolf von sechs örtlichen Nazis betreten, welche dort „aufräumten“ und dabei erhebliche Schäden verursachten.

Kurz vor ihrer Deportation musste sie mit ihrem Schwager in eine Wohnung in der ehem. Judenschule in der Viehgasse 1 umziehen. Laut Melderegister ist sie am 24.05.1942 nach „unbekannt verzogen“. Am 28.09.1942 wurde sie gemeinsam mit ihrem Schwager Adolf Grünewald und weiteren 1287 Personen mit dem Transport XVII/1, Nr. 842, von Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie im Alter von 72 Jahren am 08.11.1942 ermordet.

Das Schicksal ihres Sohnes Hermann ist in den Guntersblumer Blättern „ Stolpersteine in Guntersblum“, Auflage 3 und 4 nachzulesen.

Sohn Hermann Grünewald, geb. 28.12.1898, betrieb nach seiner Ausbildung eine Eisenwarenhandlung in der Bleichstraße 8 und später in der Hauptstraße 27 in Guntersblum. Sein Geschäft wurde am 15.05.1936 „arisiert“ und vom Süddeutschen Eisenhandel übernommen. Hermann meldete sich am 27.01.1937 mit seiner Frau Bertel, geb. Windecker (geb. 31.03.1904) sowie den Töchtern Anne (geb. 1927, verh. Hellmann) und Doris (geb. 23.08.1931, gest. 1977) nach Karlsruhe ab. Er konnte mit seiner Familie in die USA fliehen und verstarb am 11.10.1988 in Nassau/NY.

Adolf Grünewald, geb. 20.04.1878 in Okarben, Großgasse 1. Er war das sechste Kind der Eheleute Herz und Regine Grünewald, geb. Hammel aus Okarben/Hessen. Adolf war unverheiratet und arbeitete im Land- bzw. Futtermittelhandel seiner Brüder. Nach dem Tod seiner Brüder Isidor (geb. 1871, gest. 1905), Sally (geb. 1875, gest. 1930) und Jakob (geb. 1865, gest. 1931) zog er am 19.01.1932 zu seiner Schwägerin Johanna Grünewald, geb. Schack, in die Bleichstraße 8 nach Guntersblum. Adolf war in Guntersblum als das "Onkelchen" bekannt.

Am Morgen des 10.11.1938 wurde er, wie weitere 5 männliche Glaubensbrüder, verhaftet und ins Rathaus gebracht. Dort wurde er mit einem viel zu großen Gebetsschal "bekleidet" und bei dem mehrstündigen "Schandmarsch" durch die Straßen und Gassen Guntersblums besonders schwer misshandelt. Nach Verbrennung der religiösen Kultgegenstände auf dem Rathausplatz wurde er, wie auch die anderen fünf Opfer des "Schandmarsches", in "Schutzhaft" genommen und für eine Nacht im Oppenheimer Amtsgerichtsgefängnis inhaftiert.

Adolf lebte zuletzt gemeinsam mit Schwägerin Johanna in der ehemaligen Judenschule in der Viehgasse 1. Am 24.05.1942 ist er laut Melderegister "nach unbekannt verzogen".

Nach einem Augenzeugenbericht wurden er, seine Schwägerin Johanna und David Monat aus der Viehgasse 1 "abgeholt" und in einem geschlossenen Lieferwagen in ein Sammelquartier nach Darmstadt verbracht. Die "Verladung" erfolgte unter Mithilfe eines führenden Guntersblumer Nazis.

Am 28.09.1942 wurde er gemeinsam mit seiner Schwägerin Johanna Grünewald und weiteren 1287 Personen mit dem Transport XVII/1, Nr. 842, von Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde er im Alter von 64 Jahren am 14.12.1942 ermordet.

Das Schicksal seiner Geschwister ist in den Guntersblumer Blättern „ Stolpersteine in Guntersblum“, Auflage 3 und 4 nachzulesen.

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