Biography of Bertha Hiller
Bertha Hiller wurde 1869 als eines von 6 Kindern der Familie Freund geboren. Es war ausgerechnet das Jahr, in dem Juden in ganz Sachsen alle bürgerlichen Rechte zugesprochen bekamen und so am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen konnten. Zuvor wurden Juden in Sachsen allenfalls geduldet, wobei ihnen die politische Mitwirkung am Gemeinwesen versagt blieb.
Mit 21 Jahren heiratete Bertha den Oberlausitzer Ingenieur Gustav Hiller, dessen innovativer Unternehmens- und Forschergeist die PHÄNOMENWERKE in Zittau hervorbrachte. Produziert wurden Fahrräder, motorisierte Dreiräder und LKWs.
In den kommenden Jahren bezog Bertha mit ihrem Ehemann Gustav die Villa am Ottokarplatz 1 (heute Klienebergerplatz 1) und zog dort an der Seite ihres Mannes die vier Kinder Friedrich, Rudolf, Charlotte und Kurt groß. Spätestens jetzt trat Bertha der evangelisch-lutherischen Gemeinde bei, wobei aus einem Protokoll im Zuge der späteren Arisierung des Familienunternehmens hervorgeht, Bertha sei jüdischer Abstammung und in ihrer Jugend getauft.
1913 starb Berthas Mann an einem Herzleiden. Neben dem Familienleben widmete sie sich von nun an gemeinsam mit ihrem Bruder Josef den Belangen der Geschäftsleitung. Später übernahm ihr Sohn Rudolf die Leitung, bis das Unternehmen 1933 arisiert wurde.
43 Jahre lang lebte Bertha in der Hillerschen Villa. Die letzten vier Jahre ihres Lebens verbrachte sie unter Hausarrest, der sie als von den Nazis deklarierte „Volljüdin“ vor Deportation und Ermordung schützte und gleichzeitig gesellschaftliche Isolation bedeutete. Kurz vor Kriegsbeginn 1939 feierte sie ihren 70. Geburtstag und erkrankte an Parkinson. Zu dieser Zeit durfte sie das Haus schon nicht mehr verlassen. Dass man sie nicht „abholte“, war großen Summen zu verdanken, die als „Judenvermögensabgabe“ gefordert und von der Familie gezahlt wurden. Wahrscheinlich wurde die Summe von rund 300.000 RM in einer mündlichen Abmachung zwischen der NSDAP-Kreisleitung und ihrem Sohn Rudolf Hiller, der zu dieser Zeit das Familienunternehmen Phänomen leitete, ausgehandelt. Dieser "Deal" konnte nur zustande kommen, da die Firma Phänomen zum Wehrwirtschaftsunternehmen ernannt worden war und für den Krieg produzierte.
Zwei Schwestern von Bertha, Grete & Jenny, konnten sich nicht retten. Jenny wurde 1942 in Treblinka ermordet. Gretes Leben endete mit der Ermordung 1943 im KZ Theresienstadt. Ihre Brüder Josef und Emil Freund konnten rechtzeitig nach Chile bzw. Kuba fliehen und kehrten nie wieder nach Zittau zurück.
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Olga Dienstfertig630 m