Biografie von Erich Levi
Erich Levi, geb. am 29. Juli 1905 in Rotenburg, war der Sohn von Joseph Levi, der aus Ronshausen stammte und die Rotenburgerin Rosalie Linz geheiratet hatte, die jüngere Tochter von Susmann Simon Linz.
Erichs Vater Joseph Levi starb im Oktober 1935, bis dahin hatte die Familie den Manufakturwaren- und Textilladen in der Brückengasse 12 in Rotenburg geführt. Das Geschäft ging offenbar gut, denn die Eltern konnten ihrem Sohn den Besuch des Hersfelder Gymnasiums ermöglichen, an dem er 1924 das Abitur ablegte; anschließend studierte er Jura. Zum Zeitpunkt der NS-Machtübernahme war Erich Levi als Referendar am Kasseler Landgericht. Jedoch schon im Februar 1933 verlor er die Stelle.
In einer Stellungnahme der Rotenburger Ortspolizeibehörde vom 27.11.1933 ist vom „flüchtigen Referendar Erich Levi“ die Rede. Er wurde beschuldigt, zusammen mit dem Kaufmann Hermann Linz II bei der Herstellung kommunistischer Flugblätter beteiligt gewesen zu sein, was schon im März 1933 zur Konfiszierung der dafür angeblich genutzten Adler-Schreibmaschine geführt hatte. In Kenntnis der Tatsache, dass Hermann Linz II bei der republiktreuen Staatspartei und im Reichsbanner aktiv war, ist die Anschuldigung, die gegen die beiden erhoben wurde, kaum nachvollziehbar. Aus einem ganz anderen Grund aber ist erklärbar, dass Erich Levi schon im Februar, also Wochen vor dem 7. April 1933, dem Datum des Gesetzes zur „Wiederherstel-lung des Berufsbeamtentums“, eine besondere Zielscheibe der neuen Machthaber geworden war.
Erich Levi hatte sich 1932 öffentlich gegen die antijüdische Hetzkampagne gestellt, welche die lokale NSDAP-Ortsgruppe mit dem Göttinger Propagandisten Rosenthal veranstaltete, um den „bösartigen Charakter des Talmud“ nachzuweisen. In einem Offenen Brief, den das Rotenburger Tageblatt am Tag der Veranstaltung abdruckte, ließ Erich Levi die Öffentlichkeit wissen, die NSDAP habe es abgelehnt, bei ihrer vorgeblichen „Aufklärungsver-anstaltung“ einen jüdischen Talmudexperten in der Diskussion zu Wort kommen zu lassen. Als Reaktion auf die fehlende Diskussionsbereitschaft der Rotenburger NSDAP machte Erich Levi die Bevölkerung auf einen Vortrag des aus Rotenburg stammenden Rabbiners Dr. Leopold Neuhaus mit dem Thema „Die Wahrheit über den Talmud“ aufmerksam.
Erich Levi konnte sich 1933 durch die Flucht nach Holland zunächst dem Zugriff seiner Häscher entziehen. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Holland am 10. Mai 1940 war aber sein Schicksal besiegelt. Im April 1943 wurde er in das Vernichtungslager Sobibór verschleppt und dort am 9. April 1943 ermordet.
Seinen Eltern blieb ein ähnliches Schicksal erspart, sie waren vor 1933 verstorben. Ihr Domizil in der Rotenburger Brückengasse, das Geburtshaus von Erich Levi, wurde wenige Wochen vor der Ermordung des Sohnes zwangsversteigert.
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Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad / Jüdisches Museum Rotenburg
Dr. Heinrich Nuhn
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E-Mail: h.i.nuhn@gmx.de
Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider