Biografie von Elka und Honet Kaufmann
Elka Kaufmann wurde am 9. August 1847 in Nentershausen geboren – als Tochter des dortigen jüdischen Lehrers Hesekiel Freudenberg. Ihre Mutter Jette war eine geborene Pappenheim. Elka heiratete im März 1878 den Rengshäuser "Handelsmann" Salomon Kaufmann.
Am 13. Februar 1879 brachte sie ihren Sohn Honet zur Welt. Elka Kaufmann und ihr Sohn Honet (der Vater war bereits 1893 verstorben) hatten bis zu ihrer „Abreise“ nach Kassel ihre Wohnung in der oberen Etage des kleinen Hauses Brauhausstraße 2, in dem die jüdische Gemeinde 1835 ihr neues rituelles Tauchbad (Mikwe) angelegt hatte. Seit September 2006 dient das Haus als Jüdisches Museum.
Während Salomon Kaufmanns Brüder Moses (Brotgasse 21) und David bzw. dessen Sohn Karl (Breitenstraße 35) als Besitzer und Bewohner der genannten Häuser nachgewiesen werden können, ist die frühere Wohnadresse von Salomon und Elka Kaufmanns Familie nicht bekannt.
Nach den schweren antijüdischen Ausschreitungen im November 1938, die hier schon in der Nacht vom 7. zum 8. November begannen, flüchtete Elka Kaufmann nach Kassel, wo die 91-Jährige im Jüdischen Altersheim in der Mombachstraße 17 Aufnahme fand. Von dort wurde sie am 7. September 1942 mit dem dritten und letzten Massentransport nordhessischer Juden in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Drei Monate später war sie tot. Am 22.12.1942 erlag sie den Entbehrungen und Qualen der Lagerhaft.
Honet Kaufmann war beruflich bis zur NS-Machtergreifung als kaufmännischer Angestellter in Kassel tätig gewesen, vorher hatte er einen Arbeitsplatz in Wolfhagen.
Für den 30. September 1899 ist seine Abmeldung nach Wolfhagen als „Com-mis“ (= kaufmännischer Angestellter) im Abgangsbuch der Stadt Rotenburg vermerkt. Nähere Informationen über seine Tätigkeit in Wolfhagen und Kassel fehlen bislang.
Honet Kaufmann gehörte zu den 30.000 jüdischen Männern, die in den Tagen nach der sog. „Kristallnacht“ im November 1938 verhaftet und in eines der drei zentralen Konzentrationslager (Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald) verschleppt wurden. Für Honet Kaufmann war dies Buchenwald (bei Weimar), er kehrte von dort nicht wieder zurück. Nur einen Monat lang widerstand er den Torturen, welchen die Häftlinge des Sonderlagers ausgesetzt waren, das eigens für die „Aktions-juden“, die jüdischen Opfer der Novemberpogrome 1938, eingerichtet worden war. Der 13. Dezember 1938 ist als sein Todestag registriert.
In dem 1966 im örtlichen Rathaus angelegten „Verzeichnis der am 30.1.1939 in der Stadt Rotenburg an der Fulda wohnhaft gewesenen Juden“ findet sich der Eintrag „verstorben“. Ob man 1966 in Rotenburg noch nicht wusste, dass Honet Kaufmann als Häftling im Konzentrationslager umgekommen war?
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Quellen & Impressum
Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad / Jüdisches Museum Rotenburg
Dr. Heinrich Nuhn
Lärchenweg 2
36199 Rotenburg an der Fulda
Telefon: 06623 2482
E-Mail: h.i.nuhn@gmx.de
Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider