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Paula Katzenstein

Biografie von Paula Katzenstein

Paula Katzenstein wurde am 9.1.1891 in Sontra geboren. Ihre Familie verlegte 1891/92 ihren Wohnsitz nach Rotenburg, wo sie das Haus Brotgasse Nr. 3 erwarb.
Im September 1904, nach Beendigung ihrer Schulpflicht, ging die damals 14-jährige Paula Katzenstein nach Castrop in Westfalen. Nach zwischenzeitlichem Aufenthalt in Rotenburg ist ihre abermalige Übersiedlung nach Castrop für den 18. November 1909 im Abgangsbuch der Stadt Rotenburg verzeichnet. Als Berufsbezeichnung steht dort Verkäuferin. Paulas Mutter (Minna geb. Levi) starb bereits im März 1920, Vater Joseph Katzenstein (Foto des Grabsteins rechte Spalte) verschied im Mai 1933. Die Grabmale für beide Elternteile stehen gut erhalten auf dem Jüdischen Friedhof in Rotenburg, ebenso der ihres Großvaters Ruben Katzenstein. Bald nach der NS-Machtergreifung kehrte Paula nach Rotenburg zurück.
Unmittelbar nach den schweren Ausschreitungen gegen die Rotenburger Juden im November 1938 verließ sie dann ihre Heimatstadt. Am 16.12.1938 war sie in Kassel mit der Adresse Schomburgstraße 7 gemeldet, am 2. September 1939 wohnte sie zwei Häuser weiter in der Schomburgstraße 11.
Paula gehörte zu dem 1. Massentransport nordhessischer Juden ins Baltikum. Am 9.12.1941 wurde sie in einer Gruppe von ca. 1.000 Personen in das in Riga errichtete Ghetto verschleppt, welches nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht am 1. Juli 1941 für die jüdische Bevölkerung der Stadt in der „Moskauer Vorstadt“ errichtet worden war. Paula kehrte nicht wieder zurück. Die näheren Umstände ihres gewaltsamen Todes sind nicht bekannt.
Paulas Schwester Johanna Katzenstein (geb. 19. März 1897) und ihr Bruder Alfred (geb. 6. Juli 1901) gehörten zu den 126 jüdischen Behinderten, die am 1. Oktober 1940 in Brandenburg an der Havel in der Gaskammer ermordet wurden.
Nachdem Johanna noch die Pflichtschuljahre in der israelitischen Volksschule in Rotenburg hatte absolvieren können, war sie ab dem 15. Lebensjahr geistig verwirrt und von den Eltern nicht mehr unter Kontrolle zu bringen.
Am 14. August 1914 beantragte Joseph Katzenstein, Johannas Vater, die Aufnahme seiner Tochter in die Landesheilanstalt Marburg, nachdem sie in den Wochen davor in der Heil- und Pflegeanstalt Göttingen zugebracht hatte. Ab 10. Juli 1915 war Johanna Katzenstein dann Patientin in der Landesheilanstalt Merxhausen.
Wie sich schon in zurückliegenden Jahrzehnten antisemitische Grundeinstellungen artikulierten, verrät ein Eintrag in Johannas Marburger Krankenakte. Der Marburger Arzt erkannte bei Johanna als „Degenerationszeichen: plattgedrückte jüdische Nase“. (Archiv des Landeswohlfahrtsverbands, Bestand 16, K 16/0722, Krankengeschichte von Johanna Katzenstein.)
Die drei Heilanstalten für geistig Behinderte in Nordhessen (Haina, Marburg und Merxhausen) und einige Anstalten in Ostwestfalen standen 1940 auf dem Terminplan der Mordaktion gegen die jüdischen Behinderten. „Der noch immer bestehende Zustand, daß Juden mit Deutschen in Heil- und Pflegeanstalten gemeinsam untergebracht sind, kann nicht weiter hingenommen werden“, hieß es am 30.08.1940 in einer amtlichen Verfügung.
Am 25.9.1940 wurden alle jüdischen Patienten weisungsgemäß aus den nordhessischen und ostwestfälischen Anstalten nach Gießen in die dortige Landesheilanstalt gebracht und 6 Tage später in Brandenburg ermordet. Aus Merxhausen waren es 13 (darunter Johanna Katzenstein), aus Haina 30 Patienten (darunter Alfred Katzenstein und Moritz Oppenheim aus Rotenburg).
Auf einer Gedenktafel in Merxhausen heißt es: Wir erinnern uns der Patientinnen der Landesheil- und Pflegeanstalt Merxhausen, ihr Leben galt den Nationalsozialisten als „lebensunwert“. Hier wurden Menschen zwangssterilisiert, viele wurden verschleppt und umgebracht. […] 1940 wurden 13 jüdische Patientinnen abtransportiert und an unbekanntem Ort ermordet. […] Leben und Tod dieser Menschen sind uns Mahnung und Verpflichtung.
Auch Paulas ältere Schwester Jenny (1888 noch in Sontra geboren) war ein psychiatrischer Pflegefall. Auch sie wurde Opfer der Diskriminierung und Verfolgung in der NS-Zeit. Sie entschied sich in ihrer physischen und psychischen Not am 2. Mai 1942 in Frankfurt für die Flucht in den Tod.

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Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider