Biografie von Alex Cohn, Adolf Humberg und Julie Humberg
In diesem Haus lebten Alex Cohn mit seiner Frau Ida, die 1935 verstirbt, ihr Sohn Ludwig und seine Frau Ilse sowie deren Kinder Helmut und Liselotte und der ledige Sohn Fritz Cohn.
Cohns waren Viehhändler und gehörten zu den wohlhabenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. In der Synagogengemeinde hatte die Familie Cohn eine besondere Stellung. Sie waren als Nachfahren der biblischen Priesterfamilie des Aaron diejenigen, die zuerst zur „Thora aufgerufen“ wurden, d.h.: die Männer der Familie Cohn durften als erste den vorgeschriebenen Lobspruch vor oder nach der Verlesung der Thoratexte aufsagen.
Das Jahr 1938 war für diese Familie ein Schicksalsjahr. Während der Progromnacht wurden Fensterscheiben des Cohnschen Hauses eingeworfen und es kam zu Plünderungen. Alex Cohn, der aufgrund seines hohen Alters (79), nicht zu den verhafteten jüdischen Männern gehörte, die morgens in die Wewelsburg und von dort in das KZ Buchenwald überführt wurden, wurde während des Synagogenbrandes brutal zusammengeschlagen. Er wurde erst am nächsten Tag aufgefunden und verstarb an den Folgen.
In diesem Zeitraum waren seine Söhne Ludwig und Fritz im KZ Buchenwald inhaftiert. Ludwig wurde als Frontkämpfer des 1. Weltkrieges Mitte Dezember aus dem KZ entlassen. Erst im Januar/ Februar 1939 kam dagegen sein Bruder Fritz aus Buchenwald zurück.
Fritz emigrierte im Juni 1939 nach England, sein Neffe Helmut kam zunächst im Juni 1939 auf ein Internat in Belgien, denn ein Besuch einer öffentlichen Schule war Juden jetzt untersagt.
Ludwig, Else und Lieselotte wanderten im März 1940 in die USA aus und holten ihren Sohn nach. Zuvor war Ludwig im Februar 1939 für einige Tage von der Gestapo in Schutzhaft genommen worden, da er die nichtjüdische Hausangestellte als „Sautier“ beschimpft hatte.
Das Haus Cohn wurde zu Wohnstätte für andere Juden. Adolf und Julie Humberg zogen im Februar 1939 aus Klein Reken nach Salzkotten und wohnten bei Cohns. Ihre Tochter war die Frau des Viehhändlergehilfen Leo Meyer. Während die junge Familie schon im August 1939 nach England auswanderte, blieben Adolf und Julie Humberg in Salzkotten. Sie wohnten zunächst im Haus Cohn, dann im Haus Kleeberg (1942).
Kurzfristig lebten im Oktober 1939 hier auch die Ehepaare Herz und Examus und die Witwe Hecht. Während letztere nach England fliehen konnte, werden die anderen deportiert, oft nach mehrmaligen Umzügen in Salzkotten.
Adolf und Julie Humberg wurden im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, er wurde 1944 in Auschwitz ermordet, sie 1942 in Theresienstadt.
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