Biografie von Berthold, Hanna und Martha Ostwald
Im Haus Ostwald lebten die Geschwister Berthold, Martha und Hanna Ostwald sowie eine Tante, die im Dezember 1935 im Alter von 85 starb, außerdem ab Herbst 1935 die Hausgehilfin Frieda Löwenstein. Im August 1936 war die Österreicherin Aloisia Weber im Haushalt der Ostwalds beschäftigt. Sie durfte, da sie nicht deutsche Staatsbürgerin war, bis auf weiteres hier arbeiten, obwohl das Blutschutzgesetz die Beschäftigung weiblicher arischer Hausangestellter unter 45 Jahren verbot.
Berthold Ostwald war Pferdehändler. Er verarmte in den 20iger Jahren zusehends. Trotz der Beschäftigung eines Hausmädchens gehörten die Ostwalds zu den ärmeren Juden Salzkottens.
Schon 1923 war das Haus Ostwald Ziel nationalsozialistischer Agitation, eine Gruppe von Jungbauern attackierte das Wohnhaus mit Wurfgeschossen.
Hanna Ostwald litt an schwerer Arthritis. Sie verzog im Juli 1938 nach Bad Lippspringe zur Behandlung und ein Jahr später ins St. Elisabeth-Haus nach Hörste. Von dort wurde Hanna Ostwald in das „Alters- und Siechenheim Wikkenkamp“ nach Bielefeld gebracht. Hanna Ostwald wurde nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 5.8.1943 ermordet wurde.
Seit dem Jahr 1938 konnte Berthold Ostwald sein Gewerbe nicht mehr ausüben, er ging in Paderborn, so Bürgermeister Seidler "irgendeiner Beschäftigung" nach. Seit Juli 1938 hielt er sich in Bad Lippspringe zur Kur auf. Hier wurde er in der Reichspogromnacht festgenommen und gezwungen, mit einer Gruppe anderer Juden in die Lippequelle zusteigen, um dort „getauft“ zu werden. Anschließend war er bis zum Abtransport nach Bielefeld und Buchenwald ins Gerichtsgefängnis Paderborn gebracht worden. Als Ehemaliger Frontkämpfer wurde er Mitte Dezember 1938 nach Salzkotten entlassen. Im Juni 1939 verbrachte er einige Wochen im „israelischen Asyl“ in Köln, einem jüdischen Krankenhaus, als letzter Zufluchtsort für jüdische Kranke. Im September 1939 kehrte Ostwald nach Salzkotten zurück, zuvor hatte er einige Wochen in Paderborn gelebt.
Zeitzeugen erinnern sich, dass Berthold Ostwald von der Stadt zum Ausheben und Reinigen von Gräben eingesetzt worden sei.
Bevor Berthold und seine Schwester Martha im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden, mussten sie mehrmals umziehen: von ihrem Haus 1939 in das Haus Grünberg, 1940 in das Haus Blumenfeld und 1942 in das Haus Kleeberg auf den Küten.
Der 2. Deportation im März 1942 konnten sie entgehen, da sie gesundheitlichen Gründe aufführen konnten. Im Juli gab es jedoch für sie keinen Aufschub. Berthold Ostwald wurde in Riga ermordet, seine Schwester Martha 1944 in Auschwitz.
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