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Familie Herz

Biography of Karl Herz, Henriette Herz, geb. Felsenthal and 3 more

Familie Herz
Karl Herz war am 8. Juni 1889 in Niederkirchen als Sohn von Elias Herz und Adelheid/Bela Tuteur geboren. Zunächst übernahm er die Metzgerei seines Vaters in Niederkirchen. Am 22. Juli.1919 heiratete er in Hefersweiler die am 4. Oktober 1892 in Relsberg geborene Henriette Felsenthal. Das Ehepaar wohnte in Henriettes Elternhaus in Relsberg. Karl hatte sich im Relsberger Oberdorf auch ein Schlachthaus eingerichtet und fuhr mehrmals die Woche zu seinem Metzgerladen in Niederkirchen, der von seiner Stiefmutter Berta Rosenberg verwaltet wurde. In Relsberg richtete er im Keller des Ladens seines Schwiegervaters, dem Handelsmann Isaak Felsenthal (2.2.1858 Morbach – 11.4.1932 Relsberg, verheiratet mit Johanna Mayer 25.7.1862 Stipshausen – 12.6.1931 Relsberg, beide begraben auf dem Judenfriedhof in Niederkirchen), einen kleiner Metzgerladen ein. Mit seiner Ehefrau Henriette hatte er drei Töchter: Alma (*20.05.1920 Relsberg), Liselotte (*07.11.1922 Relsberg) und Ilse (*26.09.1925 Relsberg).

Karl Herz
Karl Herz galt als ein sehr sozial eingestellter Mensch. Er hatte für sein Vaterland im Ersten Weltkrieg gekämpft und Auszeichnungen erhalten. Er unterstützte die Armen von Niederkirchen und Relsberg in der Zeit der Massenarbeitslosigkeit vor 1933 mit Wurstsuppe und Fleisch. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden seine Geschäfte in Niederkirchen und Relsberg durch auswärtige SA-Leute und Einheimische geplündert, er wurde von der Gestapo abgeholt und im KZ Dachau inhaftiert.

„Am Morgen des 9. November 1938 rückten zwei Lastwagen ins kleine Relsberg ein. Sie sind mit gröhlenden Schergen besetzt. Sie zertrümmern und zerstören das Hab und Gut der jüdischen Familie des Karl Herz. Sie werfen die Waren seines Dorfladens durch die eingeschlagenen Fenster in den Straßenkot und stoßen den armen Mann mit seiner Frau Henrietta auf die Ladefläche ihrer Fahrzeuge. Johlend und mit aufheulenden Motoren rasen sie davon. Schüsse beschließen ihr jämmerliches Werk. Wie einen bösen Spuk verschluckt der neblig stille Novembermorgen diese wüste Szenarie. Drunten in Niederkirchen steigt bald schon der Rauch der brennenden Synagoge in den Himmel. Feuer, das Urelement entfesselter Bosheit, triumphiert. Unerträglich laut gebärden sich törichte Gewalt und Zerstörungswut. Lärm ist eine der Wurzeln, aus der die Angst hervorbricht, die getreue Magd böser Mächte. Was für ein schambeschwerter Tag!“ (Karl Werner Laub 2008, S. 297)

„Am 10. November [1938], gegen 14 Uhr, kamen [der Kreisamtsleiter Hans] Hennig und seine Begleiter in Relsberg an. Am Ortseingang trafen sie auf den Ortsgruppenleiter Laub, der sich freudig erbot, den Weg zum Judenhaus Herz zu zeigen. Auf dem Außentrittbrett des Wagens stehend, fuhr er mit. Am Anwesen Herz angekommen, stürmten alle ins Haus, wobei Laub nach Angaben eines Zeugen einen Kartoffelstößer geschwenkt haben soll. lm Laden stießen sie Schränke und Regale um und zerschmetterten Geschirr und Glasgegenstände. Laub leerte Flaschen mit Maschinenöl, Salatöl und Petroleum über Stoffen und Lebensmitteln, die auf dem Boden lagen. ln der Küche, im Wohnzimmer und in den Schlafzimmern setzten die Schläger ihren Vandalismus fort. Frau Herz und die beiden Töchter flüchteten jeweils vor ihnen in ein anderes Zimmer. Als die Nationalsozialisten schließlich das Haus verließen, rief Laub den Frauen zu: ‚Schafft euch bis Mitternacht aus dem Dorf raus, oder ich bringe euch nach Dachau.‘ Karl Herz war während der Vorkommnisse nicht zu Hause, er hielt sich bei seiner alten Mutter im benachbarten Niederkirchen auf. Nach seiner Rückkehr gegen Abend wurde sein Haus erneut von nationalsozialistischen Schlägern heimgesucht. Eine Horde Westwallarbeiter, deren Auftraggeber unbekannt blieben, vollendeten das Zerstörungswerk des Nachmittags. Karl Herz wurde festgenommen und landete im Konzentrationslager Dachau.“ (Bündnis gegen Rechtsextremismus Kusel 2008, S. 80)

Nach 6 Wochen wurde Karl Herz entlassen, durfte jedoch seine Geschäfte nicht mehr betreiben. Ab dem 21. Januar 1939 musste Karl den zusätzlichen Vornamen „Israel“ und seine Frau den Namen „Sara“ führen. Bis zu seiner Deportation arbeitete er als Landwirtschaftshelfer. Im Spätherbst 1940 versuchte er bei Kreisleiter Kipp noch einen Aufschub zu erreichen, jedoch vergebens. Kurz danach wurden er und seine Frau aus Relsberg verschleppt und ins besetzte Polen deportiert. Karl Herz hat aus dem KZ Lublien noch eine Karte an seinen Freund Albert Schäfer geschrieben: „Mir geht es gut, Gruß an alle Karl Herz!“ Das war das letzte Lebenszeichen. Die Todeserklärung erfolgte mit Wirkung vom 8.5.1945.

Flucht der Töchter 1938
Die drei Töchter im Alter von 13, 16 und 18 Jahren flohen mit ihrer Mutter in der Nacht vom 9. November 1938 mit dem Auto nach Kaiserslautern. Am 5.1.1939 reisten sie nach England und wanderten am 3.3.1939 mit dem Schiff „Manhattan“ zu Verwandten nach New York aus (Bäcker 2000). In den USA heirateten sie und gründeten Familien. Ihre Mutter kehrte nach Relsberg zurück und musste als Melkerin arbeiten. Später wurde sie mit ihrem Mann deportiert. Die drei Töchter haben ihre Eltern nie wieder gesehen. Sie besuchten im Jahr 1981 aber noch einmal ihre alte Heimat Relsberg. Im September 2015 besuchte das Ehepaar Welker aus Relsberg die 93jährige Liselotte und ihren Mann Henry Stern in New Jersey und bat um die Genehmigung zur Verlegung von Stolpersteinen. Es war ein herzliches Treffen.

Das Relsberger Haus Felsenthal/Herz in der Hauptstraße 27
Das Haus von Karl Herz, das einst von seinem Schwiegervater Isaak Felsenthal um 1900 gebaut wurde, wurde nach 1945 an den Kaufmann Karl Maué verkauft, seine Frau Irma betrieb darin ein Lebensmittelladen. Dann wohnten mehrere Flüchtlingsfamilien darin, bis Ludwig Langwasser es kaufte und ebenfalls ein Lebensmittelladen darin einrichtete. 1969 kaufte das Haus schließlich Klaus Schlemmer, dessen Frau einige Jahre ein Vivo-Geschäft darin betrieb.
Am 9. März 2017 verlegte die Ortsgemeinde Relsberg im Gedenken an das Schicksal der Relsberger Familie Herz fünf Stolpersteine vor deren ehemaligen Anwesen. Gespendet wurden sie von vier ortsansässigen Vereinen.

Bearbeiter: Angelina Fritz, Sarah Kriese, Jan Fickert, Lauterecken, 2023

Quellen & Literatur:
Bäcker, Karl: „Die jüdische Familie Herz in Niederkirchen und Relsberg“, in: Stadt- und Landkurier, 2000, 51/52, S. 4
Bäcker, Karl: „Die jüdischen Familien Felsenthal in Niederkirchen“, in: Landkreis Kaiserslautern (Hg.): Heimatjahrbuch, 2002, S. 92-96
Bündnis gegen Rechtsextremismus Kusel (Hg.): „… auf Lastwagen fortgeschafft.“ Die jüdischen Bürger in der Stadt Kusel. Kusel 2008
„Die Geschichte der jüdischen Familie Felsenthal/Herz in Relsberg“, Manuskript von Rudolf Hentzel, 2003
Laub, Karl-Werner: Relsberg – kleine pfälzische Toscana -, Ein Heimatbuch, 2008.
Materialsammlung von Uwe Welker/Relsberg

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Jan Fickert M.A.
E-Mail: jf.lauterecken@t-online.de

Bearbeitung: Sarah Kriese, Angelina Fritz, Jan Fickert

(C) Projekt 2022-2023 in Kooperation mit der Prot. Kirchengemeinde Lauterecken, den Ortsgemeinden Lauterecken und Relsberg sowie der Aktion "Partnerschaft für Demokratie des Landkreises Kusel" im Bundesprogramm "Demokratie leben!"