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Familie Spiegel

Biography of August Samuel Spiegel, Pauline Ida Spiegel, geb. Ganz, Elisabetha Klara Spiegel, verh. Frank and Theodor August Spiegel

Samuel August Spiegel (August als zusätzl. jüdischer Name)
Samuel August Spiegel wurde am 14. April 1860 in Hoverstadt, Kreis Soest, geboren und war der Sohn von Sophia Spiegel, geb. Mendel und Simon Spiegel, welcher Bankier und Kaufmann war. Neben Samuel hatte die Familie noch fünf weitere Kinder.
1890 war Spiegel durch seine Militärpflicht in Rödelheim stationiert, wo er zum einjährigen Dienst berechtigt war, aber zurückgestellt wurde. Darauffolgend wird er nach Leipzig übermittelt, um dort seine Ausbildung zum Apotheker fortzuführen. Nach seiner Ausbildung wurde er 1889 Inhaber der Schloss-Apotheke in Lauterecken.
Am 12. Juli 1893 heiratete er die Mainzerin Pauline Ida Ganz und bekam mit ihr in Lauterecken zunächst die Tochter Elisabetha Klara Spiegel, am 20. Oktober 1894 und rund zwei Jahre später am 24. Mai 1896 Theodor August Spiegel.
Im März 1930 verkaufte er die Apotheke, um nach Wiesbaden in die Nähe der Familie zu ziehen. Dort lebte er mit seiner Frau bei dem Sozialdemokraten Nikolaus Prediger, welcher die beiden vor allem später mit Lebensmitteln versorgte und unterstützte. Bereits 1940 erfuhr er über einen evangelischen Pfarrer, mit dem Sohn Theodor befreundet war, von den Deportationen, was ihm große Sorgen bereitete. Als das Ehepaar an 24. August 1942 einen Deportationsbescheid erhielt, nahmen sie sich am darauffolgenden Tag gemeinsam mit dem Schlafmittel Veronal das Leben. In dem Abschiedsbrief, welcher Samuel August Spiegel bereits im November 1940 verfasst hatte, bedankte er sich beim Ehepaar Prediger.

Pauline Ida Spiegel (geb. Ganz)
Pauline Ida Spiegel wurde am 08. Dezember 1862 in Mainz geboren. Sie war die Tochter von dem Kaufmann Ludwig Ganz und dessen Frau Olga Lismann. Neben Pauline hatte die Familie noch zehn weitere Kinder.
Am 12. Januar 1893 heiratete sie mit 30 Jahren Samuel August Spiegel, mit dem sie in Lauterecken lebte, wo auch ihre Kinder Elisabetha Klara und Theodor August geboren wurden. Von ihren Mitmenschen wird Pauline als eine sehr stille und zurückhaltende Frau beschrieben, die aber dennoch in der Gemeinde engagiert und beim Bayrischen Frauenverein vom Roten Kreuz tätig war. Als sich die Gewalt gegen Jüd*innen auf der Straße ausbreitete, verließ sie kaum noch das Haus.
Im März 1930 verließ sie mit ihrem Mann Lauterecken, um in Wiesbaden beim Ehepaar Prediger Zuflucht zu finden.
Nach Erhalt des Deportationsbescheids am 24. August 1942 nahm sie sich gemeinsam mit ihrem Mann das Leben, um diesem Leid im hohen Alter nicht mehr ausgesetzt zu sein.
Über die Beerdigung der beiden ist nichts bekannt.

Elisabetha Klara Spiegel („Elise“)
Elisabetha Klara Spiegel wurde am 20. Oktober 1894 in Lauterecken als Tochter von Samuel August und Paulina Ida Spiegel geboren. Nach einer weitestgehend dokumentierten Kindheit heiratete sie am 2. Oktober 1919 den Mainzer Chirurg Dr. Paul Moritz Frank. Bereits am 29. Juni des darauffolgenden Jahres (1920) wurde ihr erster Sohn Hans Richard geboren und weitere drei Jahre später am 24. September 1923 der zweite Sohn Wolfgang Eduard August Frank.
Über die Abläufe der Emigration in die USA sind mehrere mögliche Verläufe bekannt, die sich nicht eindeutig klären lassen. Im Juli 1936 kann das Ehepaar die Söhne mithilfe eines Verbindungsmannes zwischen der jüdischen Gemeinde in Mainz und der Gestapo in die USA schicken, wohin Paul Moritz Frank im November des Jahres folgte. Elisabetha blieb noch bis Anfang des Jahres 1937 in Mainz und folgte dann ihrer Familie in die USA. Über den weiteren Verlauf ihres Lebens ist leider nichts bekannt.

August Theodor Spiegel („Theodor“)
August Theodor Spiegel wurde am 24. Mai 1896 in Lauterecken geboren. Nach seinem Schulabschluss studierte er, vermutlich in Magdeburg, Medizin und ließ sich 1930 in Ettlingen als Arzt nieder. In München heiratete er am 8. Oktober des Jahres Emilie Kreszentia Ernestine Anna Rieger. Über Kinder, die aus dieser Beziehung hervorgingen, ist nichts bekannt. Allerdings ist es bekannt, dass August Theodor Spiegel aus unbekannten Gründen, womöglich wegen seiner Heirat zum Christentum (evangelisch) konvertierte. Aufgrund einer Herzerkrankung musste er seine Praxis nach acht Jahren wieder aufgeben und zog mit seiner Frau am 2. April 1938 nach Wiesbaden in die Schützenstraße 3, welche zuvor einer Arisierung unterzogen wurde. In dieser Wohnung starb er am 19. Dezember 1941 an einem Koronarinfarkt.

Info: Siehe auch den weiteren separaten Beitrag "August Spiegel: Flucht in den Freitod" inkl. Audio vom SWR2 im Stolpersteine-Guide unter "Lauterecken".

Bearbeiterin: Sarah Kriese, Lauterecken, 2022

Quellen & Literatur:
"Ehemalige Synagoge Odenbach. Schalom, Begleit-Broschüre zur Ausstellung", 2022, S. 17-23
"Wege der Erinnerung. Jüdisches Leben in Niedereisenbach, Offenbach, Grumbach, Lauterecken, Medard, Odenbach", Initiative "Tol(l)eranz-find ich gut", 2. Auflage 2017, S. 27-29
Sammlung Stadtarchiv Lauterecken
Schneider, Georg: Zusammenstellung von Rechercheergebnissen, Stand Juli 2008 (unveröffentlicht)

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67742 Lauterecken
Internet: www. lauterecken.de
E-Mail: stadthaus@lauterecken.de

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Jan Fickert M.A.
E-Mail: jf.lauterecken@t-online.de

Bearbeitung: Sarah Kriese, Angelina Fritz, Jan Fickert

(C) Projekt 2022-2023 in Kooperation mit der Prot. Kirchengemeinde Lauterecken, den Ortsgemeinden Lauterecken und Relsberg sowie der Aktion "Partnerschaft für Demokratie des Landkreises Kusel" im Bundesprogramm "Demokratie leben!"