Biography of Heinrich, Lucie Sara, Ernst and Berta Goldschmidt
Die Familie Goldschmidt lebte seit den 1850er Jahren in Kleve. Die Familie besaß eine eigene Gerberei und mehrere Grundstücke in Kleve sowie im Klever Umland. Die Familie führte insgesamt ein gutbürgerliches Leben in Kleve, die beiden Söhne Ernst (geb. 1904) und Hans (geb. 1905) besuchten das Klever Gymnasium. Hans Goldschmidt verließ nach seiner Schulzeit Deutschland und wanderte nach Rom aus. Sein Bruder Ernst studierte nach seinem Abitur 1922 Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main und war anschließend beruflich hauptsächlich in Süddeutschland tätig. In diesen Jahren trat er auch der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Diese Mitgliedschaft wurde ihm nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 zum Verhängnis, als in Deutschland alle politischen Gegner der Nationalsozialisten verfolgt und terrorisiert wurden. So kam er wegen des Vorwurfs angeblich illegal eine Schusswaffe zu besitzen am 28.02.33 in das Gefängnis in der Krohnestraße. Als Jude und Kommunist war er im Gefängnis schwersten Misshandlungen ausgesetzt und wurde auch Zeuge, wie der Häftling Franz Schneider von dem Polizeimeister Franz Peters zu Tode geprügelt wurde. Im Februar 1934 wurde er als sogenannter „Schutzhäftling“ in das KZ Börgermoor und anschließend in das KZ Esterwegen überführt und schließlich im September 1934 freigelassen. Da eine unmittelbare Verhaftung erneut bevorstand, flüchtete er in die Illegalität, wanderte illegal in die Niederlande und schließlich nach Belgien aus, wo er 1936 politisches Asyl erhielt.
Seine Schwester Berta arbeitete ab 1930 in einem israelitischen Krankenhaus in Mainz, kehrte jedoch Mitte 1933 wieder nach Kleve zurück, um ihren kranken Vater Heinrich zu pflegen, der schließlich 1936 verstarb. Im Mai 1937 gelang ihr die Flucht nach England, wo sie als einfache Hausangestellte bis zum Ende des Krieges arbeitete.
Lucie Goldschmidt lebte somit alleine als Witwe in Kleve und war der immer stärker werdenden Ausgrenzung und Terrorisierung alleine ausgesetzt. 1939 wurde nach langen Bemühungen ihre Ausreise in die Niederlande genehmigt. Eigentlich wollte sie mit einer Spedition den gesamten Hausrat mit in die Niederlande nehmen. Dieser wurde jedoch nach ihrer Ausreise von der Gestapo und der Polizei beschlagnahmt und anschließend unter Klever SA-Leuten aufgeteilt. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande wurde Lucie Goldschmidt ins Lager Westerbork verschleppt, Anfang 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie am 26.02.1943 ermordet wurde.
Auch Ernst Goldschmidt wurde nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien 1940 erneut inhaftiert und lebte unter katastrophalen Bedingungen in unterschiedlichen Konzentrationslagern in Südfrankreich. Unmittelbar vor der Deportation des gesamten Lagers nach Osten im August 1942 gelang ihm die Flucht und die Auswanderung in die Schweiz, wo er bei der Exilzeitschrift „Über die Grenzen“ seiner Leidenschaft als Schriftsteller nachgehen konnte. Ende 1944 kehrte er zurück nach Belgien, nahm die belgische Staatsbürgerschaft an und gründete dort nach dem Krieg eine Familie.
Lucie Sara Goldschmidt (Paris 1876 – 1943 Auschwitz)
Heinrich Goldschmidt (Kleve 1861 – 1936 Kleve)
Ernst Goldschmidt (Kleve 1904 – 1963 Brüssel)
Berta Goldschmidt geb. 1908 in Kleve
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Erna (Ester) Mandelbaum20 m
Amalie Bernhard geb. Schieren40 m
Alice Meyer60 m
Elisabeth „Betty“ Günther200 m
Albert Rose200 m
Hedwig Müller220 m
Sources & Imprint
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de