Biography of Amalie Bernhard geb. Schieren, Max Meyer, Helene Meyer geb. Bernhard and Werner Jakob Meyer
Die Vorfahren von Max Meyer lebten schon seit Beginn der 1850er Jahre in Kleve. Der Großvater hatte um das Jahr 1890 in der Großen Straße das koschere Hotel Benedict eröffnet. Den Familienbetrieb übernahm Anfang der 1920er Jahre Gustav Meyer, während sein Bruder Max Kinobetreiber wurde. 1924 gründete er zusammen mit zwei Geschäftspartnern die „Lichtspielgesellschaft m.b.H. Cleve“, die zwei Lichtspielhäuser unterhielt: das Lichtspielhaus an der Herzogbrücke (die spätere „Skala“, heute befindet sich dort Kodi) und später auch das KV-Theater in der Wasserstraße. Max Meyer war einer der Geschäftsführer des Unternehmens und örtlicher Leiter der Kinos, seine Ehefrau Helene Meyer war als Buchhalterin und Kassiererin beschäftigt.
Auch die Familie von Helene Meyer geb. Bernhard war in Kleve in dieser Branche tätig gewesen.
Vor dem Ersten Weltkrieg war die Familie Bernhard aus Steele nach Kleve umgezogen, nachdem der Vater Jakob Bernhard hier ein Kino gepachtet hatte. Nach seinem plötzlichen Tod 1914 trat seine Witwe Amalie Bernhard als Kinobetreiberin auf.
Zwischen den Familien der Brüder Max und Gustav Meyer gab es enge verwandtschaftliche Beziehungen. Die Ehefrau von Gustav Meyer, Johanna, war die jüngste Schwester von Max Meyers Schwiegermutter Amalie.
Seit ihrer Eheschließung wohnten Helene und Max Meyer und ihr im Jahr 1925 geborener Sohn Werner in dem Haus Herzogstraße 21 (heute Herzogstr. 29-31/An der Münze 10). Hier war auch die Wohnung von Amalie Bernhard, die Anfang der 1930er Jahre noch als Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins in Erscheinung trat.
Max Meyer war früh den Angriffen der Nationalsozialisten ausgesetzt.
Im März 1933 versuchte die SS eine Kinovorführung der Clever Lichtspielhaus GmbH zu verhindern. Bereits am 3. April 1933 wurde Max Meyer als Geschäftsführer entlassen und als Gesellschafter ausgeschlossen. Den Lebensunterhalt für seine Familie versuchte Max Meyer nun als Vertreter für Textilien zu verdienen.
1936 musste die Familie ihre Wohnung verlassen und lebte nun im Gebäude der jüdischen Schule, die sich unmittelbar neben der Synagoge an der Reitbahn befand. Max Meyer war hier auch als Synagogendiener tätig. Die Zerstörung der Synagoge im Novemberpogrom 1938 erlebte die Familie ganz unmittelbar mit. Nach dem Pogrom wurde Max Meyer in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Dachau überführt.
Im Mai 1939 musste die Familie Meyer die jüdische Schule verlassen. Das Gebäude eignete sich die Stadt Kleve an.
Als einzige Möglichkeit blieb der Familie, in das Haus von Bernhard Gonsenheimer in der Kavarinerstraße 42 zu ziehen, in dem auch schon die Familie von Gustav Meyer lebte.
Vergebens bemühte sich Max Meyer nun um eine Auswanderung nach Uruguay.
Gemeinsam mit den übrigen jüdischen Bewohnern wurden Helene, Max und Werner Meyer am 18. November 1941 gezwungen, das Haus in der Kavarinerstraße zu räumen und mit ihrer letzten Habe in das sogenannte „Judenhaus“ an der alten Brücke zu ziehen.
Von dort wurden sie am 11. Dezember 1941 über Düsseldorf in das Ghetto Riga deportiert.
Von Helene Meyer fehlt von hier an jede Spur.
Max Meyers Weg führte noch über das Ghetto Kowno (Kauen) und am 1. August 1944 in das Konzentrationslager Dachau. Am 25.10.1944 wurde er in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Sein Todesdatum ist nicht bekannt.
Werner Meyer starb 1942 im Arbeitsumerziehungslager Riga-Salaspils.
Amalie Bernhard geb. Schieren (Neuss 1873 – 1935 Kleve)
Max Meyer (Kleve 1888 – 1944 Auschwitz, Vernichtungslager)
Helene Meyer geb. Bernhard (Steele (heute Essen-Steele) 1898 – 1942 Riga, Ghetto)
Werner Jakob Meyer (Kleve 1925 – 1942 Riga-Salaspils)
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Sources & Imprint
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de