Biography of Helena Günther geb. Günther, Rosa Günther and 4 more
Das Eheleute Henriette und Isaak Günther waren 1878 vom Mittelrhein nach Kleve gekommen. Isaak Günther war Metzger. Seit etwa 1881 hatte er sein Geschäft in der Stickestraße, nachdem er dort zwei Häuser erworben hatte, in denen er mit seiner Familie auch wohnte. Zwischen 1878 und 1888 wurden acht Kinder geboren, von denen zwei früh verstarben. Henriette Günther starb kurz nach der Geburt ihres jüngsten Kindes. 1889 heiratete Isaak Günther ein zweites Mal. Mit Helena Günther hatte er drei weitere Kinder, von denen eines im Alter von einem Jahr verstarb.
Als einziger jüdischer Metzger, der nach dem jüdischen Ritus schlachtete, bediente Isaak Günther ne-ben der kleinen jüdischen Gemeinde wohl auch die Bewohner in der Nachbarschaft. Er starb 1930. Sein Sohn Rudolf betrieb eine Geflügelhandlung. Nachdem durch die Boykott-Maßnahmen der Natio-nalsozialisten seine Einkünfte bereits zurückgegangen waren, wurde ihm 1938 seine selbstständige Erwerbstätigkeit ganz untersagt. Zu dieser Zeit bereitete sein 15-jähriger Sohn Jonny sich mit Hilfe einer zionistischen Jugendorganisation auf die Jugend-Alijah vor. Nach einer halbjährigen landwirtschaftlichen Ausbildung in Urfeld bei Bonn konnte er im März 1938 nach Palästina auswandern.
Außer Rudolf Günther blieb von Kindern Isaak Günthers nur die unverheiratete Rosa Günther in Kleve wohnen. Am 11. Dezember 1941 wurden Henny, Rudolf, Betty und Rosa Günther über Düsseldorf nach Riga deportiert. Nur von Betty Günther gibt es eine weitere Spur. Sie kam am 9. August 1944 mit einem Transport in das KZ Stutthof.
Helena Günther, die Witwe Isaak Günthers, blieb alleine in Kleve zurück. Die 85 Jahre alte Frau befand sich im Dezember 1941 im Klever Krankenhaus. Aus ihrer Gestapo-Akte ergibt sich, dass man sie „nicht zur Evakuierung gemeldet“ hatte, weil sie „geisteskrank“ war. Im Januar 1942 wurde sie in das St.-Gerebernus-Hospital in Sonsbeck überführt, wo sie vermutlich in das dem Krankenhaus angeschlossene Van-Doornik-Haus, einem „Invalidenheim für hilfsbedürftige nervenkranke Frauen“ aufgenommen wurde. Sie starb am 17. Januar 1943 in Sonsbeck.
Von den Kindern von Isaak Günther, die alle in Kleve geboren wurden, überlebte nur Elfriede verh. Breuer (geb. 1887) die nationalsozialistische Verfolgung.
Thekla verh. Wolf (geb. 1880) wurde im Februar 1941 über die Heil- und Pflegeanstalt Düsseldorf-Grafenberg nach Hadamar transportiert und dort ermordet. Selma verh. Koch (geb. 1881) wurde 1941 von Köln aus in das Ghetto Riga deportiert, Adolf Günther (geb. 1878) im Mai 1942 im Vernichtungsla-ger Kulmhof (Chełmno) ermordet. Julius Günther (geb. 1882) nahm sich am 6. Juni 1937 in Hamm das Leben. Hedwig verh. Buchholz (geb. 1883), die durch ihre Eheschließung die polnische Staatsangehö-rigkeit erhalten hatte, wurde im Oktober 1938 im Rahmen der sog. „Polenaktion“ nach der Ermordung des Legionsrats vom Rath von Köln nach Bentschen (Zbaszyn) abgeschoben. Danach verliert sich ihre Spur.
Jonny Günther lebte bis 1941 im Kibbuz. Dann diente er bis 1946 im englischen Militär, bevor er in einen Kibbuz zurückkehrte.
1989 gehörte er zu der jüdischen Gruppe, die Kleve auf offizielle Einladung der Stadt hin besuchte.
Helena Günther geb. Günther geb.1856 in Beulich (heute Rhein-Hunsrück-Kreis), gest. 1943 in Sons-beck
Rosa Günther geb.1890 in Kleve, deportiert 1941 ins Ghetto Riga, Todesdatum unbekannt
Rudolf Günther geb.1893 in Kleve, deportiert 1941 ins Ghetto Riga, Todesdatum unbekannt
Johanna (Henny) Günther geb. Weissbürst geb. 1898 in Frankfurt, deportiert 1941 ins Ghetto Riga, Todesdatum unbekannt
Jonny Jakob Günther geb.1922 in Frankfurt, emigriert 1938 nach Palästina
Elisabeth Betty Günther geb.1928 in Kleve, deportiert 1941 ins Ghetto Riga,1944 KZ Stutthof, Todesdatum unbekannt
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Sources & Imprint
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de