Biography of Ernst Wilhelm and Dr. Gerhard Walter Haas
Abraham Haas war 1863 mit seiner Ehefrau Sophie als Loh- gerber nach Kleve gekommen und betrieb später eine Gerberei am Opschlag. 1910 konnte die Firma, die nun den Namen „Clever Lederwerke mbH Cleve vormals
A. Haas“ hatte, in ein modernes Fabrikgebäude an der Briener Straße umziehen. Nach dem Tod von Abraham Haas führten die beiden Söhne Alfred und Hermann Haas das Unternehmen weiter. 1933 war mit Ernst Wilhelm Haas, dem Sohn des bereits 1911 verstorbenen Alfred Haas, bereits die dritte Generation in der Geschäftsführung der Lederwerke tätig. Flora Haas, Witwe von Alfred Haas, wohnte mit ihren beiden Söhnen in der Tiergartenstraße. Dr. Gerhard Walter Haas war Jurist und seit 1927 als Richter in Kleve tätig. In ihrer Freizeit waren die Brüder begeisterte Anhänger des VfB 03 Kleve und dort auch im Vorstand tätig. In einer Festschrift hieß es 1953: „1928 wurde Willy Haas von den Klever Lederwerken Fußballobmann. In zäher Kleinarbeit und unter großen persönlichen Opfern hielt Willy Haas das Ziel vor Augen, „seinen VFB“, an dem er mit ganzem Herzen hing, wieder nach oben zu führen. [...] In der schon mehr als dramatisch verlaufenden Saison 1930/31 wurde das von Willy Haas gesteckte Ziel erreicht, zum zweiten Mal in die Sonderklasse aufzusteigen.“
Mit dem Beginn des NS-Regimes 1933 veränderte sich das Leben der Familie schnell. Dr. Gerhard Walter Haas wurde gemäß dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ zum 1. November 1933 in den Ruhestand ohne Ruhegehalt versetzt. Er nahm nun eine Tätigkeit in den Lederwerken an. Schon vorher verloren mit der Gleichschaltung der Vereine die jüdischen Mitglieder ihre Ämter und mussten bald die Vereine verlassen. Im Clever Kreisblatt hieß es im Juni 1933 über die Mitgliederversammlung des VfB, bei der die notwendigen Veränderungen für den Umbruch in eine neue Zeit vorgenommen wurden: Der Hauptkassierer dankte noch einmal „in kurzen aber zu Herzen gehenden Worten besonders Willy Haas dafür, dass er all die Jahre seine ganze Arbeitskraft in den Dienst des Vereins gestellt habe. Man sei ihm für seine aufopferungsvolle Arbeit zu großem Dank verpflichtet.“
Nach der Pogromnacht 1938 wurden die Brüder von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen und nach einer Woche im Klever Gefängnis bis zum 13. Dezember 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Zur Jahreswende 1938/1939 wurden die Lederwerke „arisiert“. Sie gingen in den Besitz der Jülicher Lederwerke über. Im Januar 1940 gelang es der 70-jährigen Flora Haas, ihren Söhnen und der Schwiegertochter – Willy Haas hatte im Herbst 1939 geheiratet – nach Caracas zu emigrieren.
Um wieder als Jurist arbeiten zu können, kehrte Dr. Gerhard Walter Haas nach Deutschland zurück. 1952 wurde er zum Amtsrichter in Kleve ernannt. Doch hatten die Jahre der Verfolgung und die Flucht nach Caracas tiefe Spuren hinterlassen und auch in Kleve wurde er nicht überall mit offenen Armen empfangen; antisemitisches Gedankengut wirkte fort. 1957 wurde eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 50% aufgrund der nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen festgestellt. Mit Erreichen der Altersgrenze trat Haas 1961 in den Ruhestand und verstarb nur drei Jahre später.
Flora Haas geb. Machol (Bruchsal 1869 – 1946 Caracas, Venezuela)
Dr. Gerhard Walter Haas (Kleve 1895 – 1964 Kleve)
Ernst Wilhelm Haas (Kleve 1897 – Caracas, Venezuela)
Rosa Haas geb. Berenstein (Charkiw, Ukraine 1902 – Caracas, Venezuela)
Media
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Sources & Imprint
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de