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Meta Baum

Biography of Meta Baum

Jüdische Psychiatriepatienten waren im NS-Regime einer doppelten Stigmatisierung - jüdisch und "geisteskrank" - ausgesetzt. Dies führte sogar dazu, dass es innerhalb der "Aktion T4" eine Sonderaktion zur systematischen Vernichtung jüdischer Kranker gab.
Meta Baum wurde am 26. Juni 1903 in Giesenkirchen (heute: Mönchengladbach) geboren, kam aber schon als Kind mit ihren Eltern Regina und Benjamin Baum nach Kleve. Sie betrieben seit spätestens 1912 eine Pension und während des Ersten Weltkriegs einen Viehhandel in der Emmericher Straße 34 (heute Bahnhofstraße 17). Später lebte die Familie in der Wasserstraße 4. Über Meta Baum ist wenig bekannt, auffällig ist allerdings, dass sie nach dem Tod ihrer Eltern 1927 bzw. 1929 ein sehr unruhiges Leben führte. Seit spätestens 1931 hatte sie keinen festen Wohnsitz mehr, sondern wechselte ihre Unterkunft oft schon nach wenigen Wochen. Aus der Klever Häuserkartei geht hervor, dass sich ihre Meldeadresse zwischen Juli 1931 und April 1937 mindestens sechzehnmal änderte. Ihre letzte bekannte Adresse war seit dem 22. April 1937 die Heldstraße 1 (heute: Heldstraße 3). Am 5. Juni 1937 wurde sie in der Preußischen Heil- und Pflegeanstalt (PHP) Bedburg-Hau aufgenommen. Ihre ärztliche Diagnose lautete "Depressionszustand bei Psychopathie". Im Februar 1939 wurde ihr Zustand als "ruhig, noch überwachungsbedürftig" beschrieben, "eine geschlossene Anstaltspflege" sei erforderlich. Jüdische Psychiatriepatienten waren wie die gesamte jüdische Bevölkerung nach dem 30. Januar 1933 von der antisemitischen Diskriminierungs- und Verfolgungspolitik des NS-Regimes betroffen. Als nach Beginn des Zweiten Weltkriegs Raum für zusätzliche Lazarette benötigt wurde, erschienen die Gebäude des PHP Bedburg-Hau aufgrund ihrer Grenzlage als besonders geeignet. Die notwendige Verlegung der Patienten wurde im Rahmen der gerade anlaufenden "Aktion T4", der systematischen "Tötung von Geisteskranken", durchgeführt. Innerhalb einer Woche überprüfte eine aus Berlin angereiste Ärztekommission rund 2.200 Patienten, von denen 1.783 wenige Tage später aus der Rheinprovinz heraus verlegt wurden. 652 kamen sofort in die Tötungsanstalten Grafeneck und Brandenburg / Havel, die übrigen in Zwischenanstalten. Meta Baum befand sich zusammen mit 70 Männern und 211 weiteren Frauen in dem Transport, der am 9. März 1940 die Landesheilanstalt Görden in Brandenburg / Havel erreichte. Am 19. Juli 1940 wurde sie von dort in die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch gebracht. Diese "Verlegung" war Teil einer Sonderaktion gegen die jüdischen Psychiatriepatienten in Berlin und Brandenburg. Diese wurden in Buch gesammelt und dann in die Gasmordanstalt Brandenburg / Havel verlegt. Dort wurde Meta Baum am 22. Juli 1940 ermordet.
Die Angabe auf ihrer Geburtsurkunde, nach der sie am 26. Dezember 1940 in Chełm verstorben sei, ist falsch. Die Heilanstalt Cholm (polnisch Chełm) bei Lublin im Generalgouvernement wurde, nachdem SS-Einheiten im Januar 1940 fast alle polnischen Patienten ermordet hatten, zur Kaserne. Sie wurde aber als fiktive Anstalt weitergeführt. Für die Beurkundung der Todesfälle richtete T4 das Sonderstandesamt Chełm ein. Dies diente dem Zweck, gegenüber Angehörigen, Vormündern und Behörden das wahre Schicksal der jüdischen Psychiatriepatienten zu verschleiern. Auch die willkürliche Verlegung des Todesdatums auf einen späteren Zeitpunkt war bei jüdischen Patienten gängige Praxis. Da die T4-Organisation für diesen Zeitraum Pflegegelder für die angebliche Betreuung einforderte, bereicherte sie sich vor allem auf Kosten der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland und verdiente an den "Judentransporten" ungefähr 200.000 bis 300.000 Reichsmark.

Meta Baum (Giesenkirchen 1903 – 1940 Brandenburg / Havel)

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Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de