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Spießgasse 9: Familie Simon Bensinger

Biography of Simon Bensinger, Sophie Bensinger geb. Wertheimer and 3 more

Spießgasse 9: Familie Bensinger

Simon Bensinger wurde 1894 in Bodersweier geboren. 1920 heiratete er Sophie Wertheimer, geb. 1893 in Kehl. Die Eheschließung fand in Bodersweier statt. Es war eine Doppelhochzeit, bei der Sophies Bruder Julius Wertheimer und Simons Schwester Elise Bensinger sich ebenfalls das Ja-Wort gaben. In der Jahnstraße in Kehl kamen ihre 3 Kinder zur Welt.
1932 zog die Familie in das Haus Spießgasse 9. Wie auch andere Geschwister widmete sich Simon dem Eisenhandel und verkaufte landwirtschaftliche Maschinen und Fahrräder. Sein Beruf Mechanikermeister ist dokumentiert. Die nationalsozialistische Machtergreifung dezimierte zunehmend den geschäftlichen Erfolg.
Nach der Reichspogromnacht wurde Simon Bensinger mit den anderen jüdischen Männern verhaftet, und zum Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er einige Wochen in sogenannter Schutzhaft verbringen musste. Vor Weihnachten 1938 kehrte er wieder nach Kehl zurück. Sein Geschäft aber wurde zwangsweise geschlossen.
Das Pogrom hatte auch für die anderen Familienmitglieder traurige Folgen.
Der älteste Sohn Erich Bensinger, geb. 1923, musste seine Ausbildung zum Automechaniker in Mannheim abbrechen, konnte sie später in Hamburg fortsetzen.
Der 13jährige Sohn Friedrich Bensinger und die 9jährige Tochter Renate Bensinger wurden vom Schulunterricht ausgeschlossen. Onkel Julius Bensinger in Karlsruhe ermöglichte ihnen aber den Besuch der jüdischen Schule, wo auch Lazarus Mannheimer vorübergehend eine Anstellung fand.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs setzte sich die Zerstreuung der Familie fort. Der Aufenthalt der Kinder und der Eltern an wechselnden Orten ist dokumentiert.
Schließlich verlor die gesamte Familie innerhalb weniger Monate durch den nationalsozialistischen Mordterror ihr Leben:
- Am 20. November 1941 wurde Simon Bensinger zusammen mit seiner Tochter Renate und anderen Verwandten von München aus nach Kowno in Litauen deportiert und dort fünf Tage später erschossen.
- Am 26. April 1942 wurde Sophie Bensinger zusammen mit ihrem Sohn Friedrich und anderen jüdischen Mitbürgern von Konstanz aus nach Izbica in Polen deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.
- Am 11. Juli 1942 wurde der 19jährige Sohn Erich Bensinger von Hamburg aus nach Auschwitz deportiert, wo er sterben musste.

Familien von Geschwistern: Kinzigstraße 20 - Kinzigstraße 21 – Hauptstraße 169

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