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Josef Nagel

Biography of Josef Nagel

Josef Nagel
Geburtsdatum:
20.12.1899 Erbach / Ts.
Eingewiesen:
16.12.1940 Kalmenhof Idstein
Tod:
02.02 1942 Kalmenhof Idstein

Josef Nagel diente als Ersatz-Reservist im ersten Weltkrieg.
Ende 1915 lag er mit einem Kopfschuss in einem Lazarett in Gießen.
Dort wurde er für „treue Pflichterfüllung im Felde und tapferes Verhalten vor dem Feinde“ mit dem Eisernen Kreuz dekoriert.
Nagel genas nicht mehr von seinem Leiden, das durch den Kopfschuss verursacht wurde.
Er bekam immer wieder Anfälle und konnte keinen Beruf ausüben.
Herr Nagel lebte mit seiner Mutter zusammen in einem kleinen Haus in der Erlenbachstraße 33 (damals obere Weilstraße). Laut Erzählungen war er sehr hilfsbereit und half wenn man ihn fragte bei Männerarbeiten. (die meisten Männer waren ja im Krieg).
Als seine Mutter Josef altersbedingt nicht mehr betreuen konnte (sie war selbst in einer Pflegeeinrichtung der Dernbacher Schwestern in Niederselters und verstarb am 22.03.1941), wurde er am 16.12.1940 auf Betreiben des Erbacher Bürgermeisters Litzinger, einem angeblich erstellten ärztlichen Gutachten zur Folge in den Kalmenhof gebracht. Sein Sparkassenbuch und die Lebensversicherungspolice mussten gegen Quittung bei der Gemeinde abgegeben werden. Die Gegenstände aus dem Haus wurden unter Aufsicht des Ortsgerichtsvorstehers verkauft und das Wohnhaus von der Gemeinde vermietet, um die Kosten der Unterbringung zu finanzieren.
Am 24. August 1941 gab Hitler die mündliche Weisung, die Aktion T-4 zu beenden und die „Erwachseneneuthanasie“ in den sechs Tötungsanstalten einzustellen. Diese Weisung beruhte auf den öffentlichen Protesten gegen die Aktion. Die „Kinder-Euthanasie“ wurde jedoch fortgesetzt, ebenso die dezentrale Tötung behinderter Erwachsener in einzelnen Heil- und Pflegeanstalten. So verlagerte sich das Morden endgültig an den Kalmenhof.
Getötet wurde meist durch Vergiftung mit Medikamenten oder auch gezieltes Verhungernlassen. Opfer waren Menschen vor allem Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen, Epileptiker, Mongoloide, Idioten und Schwachsinnige, aber auch Jugendliche, die aus Sicht der Nationalsozialisten als arbeitsscheu oder asozial galten.
Josef Nagel verstarb unter nicht geklärten Umständen am 02.02.1942. Als Todesursache wurde Paralyse und Marasmus (deutet auf das gezieltes Verhungernlassen hin) angegeben. Sein in Erbach wohnhafter Bruder Wilhelm Nagel wurde über seinen Tod informiert. Er beauftragte das in Camberg ansässige Fuhrunternehmen Bach ( Bahnhofstraße ) und einen Nachbarn mit der Überführung der Leiche. Da der Wagen im Schnee verunglückte und die Überführung mehr Zeit als geplant beanspruchte öffneten die Männer den Sarg.
Josef Nagel lag nackt und völlig ausgezehrt darin.

„Mensch achte den Menschen“
(Inschrift auf der Stehle der Gedenkstätte in Hadamar auf dem Mönchberg)

Recherche und Text: Tobias Scheinkönig

Quellen:
Gemeinde Erbach im Taunus „Erbach im Taunus 768-1968“
Totenbuch der katholischen Pfarrei St. Mauritius Bad Camberg Erbach S. 27
Dieter Sengling (Hrsg.): Die Idee der Bildbarkeit – 100 Jahre sozialpädagogische Praxis in der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof. Juventa
Verlag, Weinheim/ München 1988,
Informationen von noch lebenden Angehörigen und Bürgern der Gemeinde Erbach
Archiv des Landeswohlfahrtsverbands Hessen Bestand 81 Kalmenhof 1934-1942 Kalmenhof Abgangsbuch
HHSTAW Abt. 483 Nr. 4529F

Stand: 11.05.2015

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Herausgeber: Stadt Bad Camberg, Arbeitsgruppe „Stolpersteine“