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Alfred Sichler

Biografie von Alfred Friedrich Sichler

Alfred Friedrich Sichlers Leben verlief zunächst völlig geregelt: Er ging zur Schule, erlernte einen Beruf, im Alter von ca. 18 Jahren erkrankte er erstmals psychisch. Zunächst noch hoffnungsvoll, glaubte man Alfred heilen zu können, aber mit knapp 30 Jahren verschlimmerte sich die Erkrankung so stark, dass er dauerhaft in der Heilanstalt Rottenmünster verbleiben musste. Von dort wurde er in die Heilanstalt Weissenau verlegt, von wo aus er nach Grafeneck gebracht und im Alter von 37 Jahren im Rahmen des Tötungsprogramms von Kranken und Behinderten, der so genannten „Aktion T4“, getötet wurde.

Am Neujahrstag des Jahres 1903 wurde Alfred Friedrich Sichler als Sohn des
Messerschmieds Johannes Sichler (1854-1932) und seiner Ehefrau Christine geb. Vogler (1859-1946) in Tuttlingen als Nachkömmling geboren. Die Familie lebte in einer eigenen Wohnung in der Gartenstraße 21. Außer Alfred hatte das Ehepaar noch eine ältere Tochter Anna Frida (1891-1945).

Die Verlegungen in so genannte Zwischenanstalten waren gängige Praxis und waren ein Schachzug im Vorfeld der Massentötungen in Grafeneck. Von der Heilanstalt Weissenau wurde Alfred Sichler am 28. August 1940 nach Grafeneck gebracht und mit Kohlenmonoxid getötet. Es war der siebte Transport aus der Heilanstalt Weissenau in die Tötungsanstalt Grafeneck. 88 Patienten, von denen 12 aus der Heilanstalt Rottenmünster nach Weissenau überstellt worden waren, saßen in dem grauen Bus, der die Menschen an diesem Tag nach Grafeneck transportierte. Insgesamt wurden 691 Kranke aus der Heilanstalt Weissenau im Rahmen der Aktion T4, dem Tötungsprogramm der Nazis, umgebracht. Die wirkliche Todesursache, den Sterbeort und das Datum wurden häufig falsch angegeben um die unmenschliche Aktion zu verschleiern. In Alfreds Fall wurde als Todesdatum der 8. September 1940 mitgeteilt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon 10 Tage tot war.

Die Urne von Alfred Sichler wurde nach Tuttlingen überstellt und nach dem Ende der NS-Diktatur im KZ-Ehrenmal beigesetzt.

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