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Franziska Handte

Biografie von Franziska Handte

Franziska Handte lebte in Tuttlingen in der Oberamteistraße 13, als sie 1933, mit 62 Jahren, an einer Nervenkrankheit erkrankte, die sich so stark verschlechterte, dass sie 1937 in eine Heilanstalt eingewiesen wurde. Vom 21. April 1937 bis 1. April 1938 war sie in der der Heilanstalt Zwiefalten, von wo sie in die Landesfürsorgeanstalt Reutlingen als gebessert beurlaubt wurde. Am 8. April 1939 wurde sie dann wieder in die Heilanstalt Zwiefalten eingewiesen. Von dort wurde sie nach Grafeneck überführt und am 23. August 1940 getötet.

Franziska Handte geborene Hasel wurde am 21. August 1871 in Neuweiler bei Baden-Baden als fünftes Kind eines Weingärtnerehepaars geboren. Da der Vater früh starb arbeitete sie mit der Familie in den Weinbergen und im Haushalt. Mit 18 Jahren verließ sie das Elternhaus und ging als Dienstmädchen in Stellung. Dann zog sie zu ihrer Schwester in die Schweiz und half ihr im Haushalt. In Zürich arbeitete sie zunächst als Büglerin in einem Hotel und später in einem privaten Haushalt. In Zürich lernte sie dann ihren späteren Ehemann, den Bäcker und Schirmmacher Georg Jakob Handte, kennen und heiratete ihn 1897. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor. Ein Jahr nach der Eheschließung mussten die Handtes die Schweiz verlassen, da ihr Mann in eine Schlägerei mit tödlichem Ausgang verwickelt war. Dann zog die Familie nach Tuttlingen und Franziska Handte verdiente ihr Geld mit Bügeln, während ihr Mann in einer Schuhfabrik arbeitete. Sodann eröffneten die beiden ein Schirmgeschäft, das aber nach drei Jahren Konkurs ging. Nach einem Umzug nach Wurmlingen kehrte die Familie 1917 nach Tuttlingen in die Oberamteistraße zurück. In dieser Zeit habe sie hauptsächlich Schirme geflickt, gab sie später an. Ihr Mann starb 1933. Danach geriet sie in Konflikt mit einer Hausbewohnerin, der sie sehr stark beschäftigte und mit Verfolgungsideen verbunden war. Im Dezember 1933 wurde sie zum ersten Mal vom Staatlichen Gesundheitsamt untersucht, aber wieder in die Obhut der Familie übergeben. 1934 war sie mit einer Brustfellentzündung im Krankenhaus in Möhringen. 1937 erfolgte die Einweisung in die Heilanstalt Zwiefalten, wo sie als freundlich und geordnet beschrieben wird. Tagsüber beschäftigte sie sich mit Näharbeiten. Am 2. April 1938 wurde sie in die Landesfürsorgeanstalt Reutlingen verbracht, da man ihren Zustand als gebessert betrachtete. Ein Jahr später (8.4.1939) wurde sie in die Heilanstalt Zwiefalten zurücküberstellt. Dort hoffte sie ständig darauf, entlassen zu werden. Immer wieder glaubte sie ihre Kinder auf dem Anstaltsgelände zu sehen, die sie abholen würden. Der letzte Eintrag auf dem Krankenblatt stammt vom 2. August 1940 und lautete „Böses, schimpfendes Weib. Körperlich zurückgegangen.“ Am 13. August 1940 holte sie ein grauer Bus ab und brachte sie nach Grafeneck, wo sie noch am gleichen Tag getötet wurde. Ihre Urne wurde nach Tuttlingen überstellt und auf dem Friedhof beigesetzt. 1959 wurde sie in das Ehrenmal für die NS-Opfer umgebettet.

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