Biografie von Mariechen Franz
Mariechen Franz, bekannt als Mariechen Legenhausen, wird am 21. September 1927 in Riepe bei Aurich geboren. Ihre Mutter ist die ledige 18-jährige Maria Erika Franz, die der Gemeinschaft der Sinti und Roma zugehört. Als Mariechen drei Monate ist, hält sich die Familie in Bremen auf. Eine Erkrankung des Säuglings macht einen Krankenhausaufenthalt nötig. Von dort wird Mariechen zuerst in ein Kinderheim in der Mainstraße in Bremen und dann zu der Familie Legenhausen in Klein-Mackenstedt gegeben. In dieser Pflegefamilie lebt sie vom 29. Oktober 1928 bis zum 8. April 1942. Der Aufenthalt in der Pflegefamilie schützt sie womöglich schon vor einer früheren Einflussnahme der NS-Behörden.
Mariechen Franz besucht von 1934-1942 die Volksschule Heiligenrode. Wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler möchte sie konfirmiert werden. Dies wird ihr jedoch verwehrt. Ihre Pflegemutter sorgt daher für eine Ersatz-Konfirmation.
Aufgrund einer Hörbehinderung kann Mariechen Franz den Abschluss nicht erreichen und verlässt die Schule in der zweiten Klasse der sechsstufigen Volksschule im April 1942.
Als sie mit 14 Jahren ihre Pflegefamilie verlassen muss, beginnt Mariechen Franz am 15. April 1942 als Hausgehilfin in einem Kindergarten der NS-Volkswohlfahrt in Bremen zu arbeiten. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft der Sinti und Roma wird sie von der Leiterin als „schwachsinnig“ denunziert. Es erfolgt die Einweisung durch das Jugendamt in das „Marthasheim“, eine Jugendfürsorgeeinrichtung für Mädchen in Bremen. Von dort wird sie im September 1942 in die Nervenklinik Bremen, der Vorgängerin des Klinikums Bremen-Ost, zwangseingewiesen. Im November 1943 wird sie mit 16 Jahren in der Klinik an der St. Jürgen-Straße zwangssterilisiert.
Auf Betreiben des Jugendamtes wird sie im April 1944 über das Arbeitshaus Farmsen in Hamburg in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Von dort wird sie im Mai 1944 als „arbeitsfähig“ in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt sind ihre leibliche Mutter Maria Erika Franz, ihr Stiefvater und ihre Stiefbrüder bereits in Auschwitz-Birkenau ermordet worden. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Ravensbrück überlebt die Jugendliche nur vier Monate. Sie stirbt am 25.9.1944, vier Tage nach ihrem 17. Geburtstag.
Ein weiterer Stolperstein für Mariechen Franz befindet sich in Bremen vor der Osterstraße 20, wo sich das Marthasheim befand.
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