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Familie Bernhard de Haas

Biografie von Bernhard, Helene, Fritz und Ruth de Haas

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts begann ein Aufschwung von Viehzucht und Viehhandel im Oldenburger Land. Mit dem Anschluss an das Bahnnetz profitierte auch Wildeshausen von dieser Entwicklung. Schon seit 1874 hatte sich der Schlachter Abraham de Haas in der Stadt niedergelassen. Zu seinen sechs Kindern gehörten
die Brüder Bernhard und Moritz. Der Produkten- und Viehhändler Bernhard de Haas wurde 1882 geboren und heiratete 1912 Helene Gimnicher aus Krefeld. Sie hatten gemeinsam die fünf Kinder Betty (1913), Erna (1920), Alfred (1923), Fritz (1925) und Ruth (1927). 1910 kaufte Bernhard das Haus an der Sägekuhle 3. Er nahm am Ersten
Weltkrieg teil und wurde mit dem Friedrich-August-Kreuz sowie 1917 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Nach dem Krieg war er wieder als Viehhändler tätig, konnte aber schon 1925 nicht mehr die Einkommenssteuer zahlen. Sein Haus musste 1929 zwangsversteigert werden, seine Frau erwarb es aber zurück. 1933 wurde das Haus erneut zwangsversteigert, dieses Mal endgültig. Die Familie wohnte anschließend zur Miete im damaligen Kaufhaus Kramer (Westerstraße 27). Auf Grund der finanziell schlechten Lage konnte Bernhard de Haas bereits 1933 nicht mehr das Schulgeld für seine Tochter Erna aufbringen, die die Bürgerschule besuchte. Nur noch im bescheidenen Rahmen war er bis 1937 als Vieh-händler tätig. So blieben die finanziellen Verhältnisse prekär, zumal auch sein Antrag auf Ausstellung eines Wandergewerbescheins seitens der Stadt abgelehnt wurde.

Wie die übrigen Wildeshauser Juden wurde Bernhard de Haas nach dem November-pogrom in das KZ Sachsenhausen deportiert. Spätestens Anfang 1939 kam er zurück. 1939 konnten die beiden Töchter Betty und Erna noch nach England und von dort in die USA ausreisen. Am 28. März 1940 mussten die verbliebenen Mitglieder der Familie nach Bremen umziehen und wurden in die Admiralstraße 23 eingewiesen, in ein Haus, das
dem ehemaligen Wildeshauser Siegfried Rennberg gehörte. Am 18. November 1941 wurde die Familie mit 570 anderen Juden (darunter auch die Wildeshauser Juden zusammen mit 440 Juden aus Bremen) nach Minsk deportiert. Dort wurden Bernhard de Haas und seine Frau Helene sowie die Kinder Fritz und Ruth am 29. Juli zusammen mit 9.000 anderen Juden erschossen.

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