Biografie von Moritz und Sophie de Haas
Wie sein Bruder Bernhard profitierte Moritz de Haas von der günstigen Konjunktur-entwicklung im Viehhandel. Der Schlachter und Viehhändler (1884 in Wildeshausen geboren) heiratete 1911 Sophie van der Zyl aus Weener. Sie hatten zusammen keine Kinder, adoptierten jedoch ihren Neffen Carl de Haas. Als der Erste Weltkrieg begann, wurde Moritz de Haas einberufen. In dieser Zeit kaufte Sophie das Haus in der Westerstraße 24. Nach dem Krieg richtete er dort eine Notschlachterei ein. Moritz war zunächst geschäftlich sehr erfolgreich. Mitte der 1920er Jahre (nach dem Weggang
der Familien Siegfried Rennberg und Julius Schwabe) hatte er das höchste Einkommen der wenigen noch in Wildeshausen ansässigen Juden. Darüber hinaus war er von 1919-1939 Vorsteher der jüdischen Gemeinde.
Aber schon 1933 liefen die Geschäfte von Moritz und Carl de Haas (Carl arbeitete inzwischen im Geschäft seines Pflegevaters mit) so schlecht, dass die Familie nicht mehr die Gewerbe- und Umsatzsteuer bezahlen konnte. Nur mit Mühe konnte 1934 und 1937 die Zwangsversteigerung abgewendet werden. Die Schlachterei durfte wohl nicht mehr betrieben werden, allerdings erhielt Carl de Haas einen Wandergewerbeschein. Nur aus dem Viehhandel war Moritz de Haas trotz Repressalien nicht ohne weiteres zu verdrängen, weil er wie die übrigen Viehhandel treibenden Juden ein attraktiver
Geschäftspartner blieb.
Im Verlauf des Novemberpogroms 1938 wurden Moritz und Carl de Haas in das KZ Sachsenhausen deportiert. Spätestens Anfang 1939 kamen sie zurück. Obwohl Moritz inzwischen aus dem Viehhandel verdrängt worden war, wurde er im August 1939 wegen einer angeblichen Steuerhinterziehung von 4.000 Reichsmark verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. Außerdem musste er eine Geldstrafe von 3.000 Reichsmark zahlen. Auch Moritz de Haas wurde am 28. März 1940 mit seiner Frau nach Bremen in das Haus in der Admiralstraße 23 eingewiesen. Dadurch verlor er seinen Immobilienbesitz, der zwangsversteigert wurde.
Am 18. November 1941 wurden Moritz und Sophie de Haas mit 570 anderen Juden (darunter mit 440 Juden aus Bremen auch die Wildeshauser Juden) nach Minsk deportiert. Dort wurden beide am 29. Juli zusammen mit 9.000 anderen Juden erschossen. Carl de Haas hatte 1935 die Christin Wilhelmine Klöver geheiratet. Nach
dem 1935 geborenen Sohn Helmut kam 1944 Tochter Monika zur Welt. Von der Deportation nach Minsk war die Familie, da sie in einer Mischehe lebte, nicht betroffen. Carl wurde aber zu Zwangsarbeiten herangezogen. Erst Anfang 1945 wurden er und sein Sohn Helmut nach Theresienstadt deportiert. Beide überlebten.
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