Biografie von Alfred Heinemann und Golda Herzberg
Alfred Heinemann wurde im Jahre 1886 geboren. Zunächst ging er in Wildeshausen zur Schule, später besuchte er die Oberrealschule in Oldenburg und schließlich ein Gymnasium in Frankfurt/ Main, wo er bei Verwandten wohnte. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg übernahm Alfred Heinemann das elterliche Textilgeschäft.
Er war nicht verheiratet, hatte jedoch als Haushälterin die 1884 in Sachsenhagen geborene Golda Herzberg eingestellt, mit der er anscheinend in einem eheähnlichen Verhältnis lebte. Er trat dem Handelsverein bei und übernahm zeitweilig das Kassiereramt. Schnell passte er sich dem Markt an und bot preiswerte Gummimäntel
und Linoleum für die »kleinen Leute« an. In Wildeshausen galt er als »anständiger Jude« und diente als Hilfsrabbiner, was Ausdruck seiner starken Gläubigkeit war. Als orthodoxer Jude schloss er an hohen jüdischen Feiertagen sein Geschäft.
Die Mitglieder der Familie Heinemann waren in Wildeshausen hoch angesehen. Der Onkel von Alfred Heinemann war der Lehrer und Pädagoge Dr. Heinrich Heinemann (1844-1898). Dieser war vermutlich der erste gebürtige Wildeshauser, der den Doktorgrad erlangte. Sein Cousin war Prof. Dr. Isaak Heinemann (1876-1956), der als Religionsphilosoph bekannt wurde. Nach 1933 lebte Alfred Heinemann im Vergleich zu den übrigen jüdischen Familien in etwas günstigeren Verhältnissen, weil er jetzt bei sinkenden Umsätzen vom Familienvermögen profitieren konnte. 1938 erhielt sein Geschäft die Kennzeichnung »Jude«.
Wie die übrigen Wildeshauser Juden wurde Alfred Heinemann nach dem Pogrom vom November 1938 in das KZ Sachsenhausen deportiert, überlebte es jedoch und wurde 1939 entlassen. Nach dem Pogrom wurde sein Geschäft abgewickelt.
Zurück in Wildeshausen zogen sich Heinemann und Herzberg aus der Öffentlichkeit zurück. Wie alle Juden waren sie im alltäglichen Leben sehr eingeschränkt. So durften sie im Sommer das Haus nach 21 Uhr und im Winter nach 20 Uhr nicht mehr verlassen. Zudem mussten sie ihr Radio abgeben und bekamen mit einem »j« für Jude gekennzeichnete Lebensmittelkarten.
Am 6. April 1940 verließen Alfred Heinemann und Golda Herzberg als letzte Wildeshauser Juden die Stadt. Zuflucht fanden sie in der Scharnhorststraße 121 in Bremen, wo sie zusammen mit Delmenhorster Juden eingepfercht lebten. Am 18. November 1941 wurden Alfred Heinemann und Golda Herzberg mit 570 anderen Juden (darunter auch die Wildeshauser Juden zusammen mit 440 Juden aus Bremen) nach Minsk deportiert. Dort wurden sie am 29. Juli zusammen mit ca. 9.000 anderen Juden erschossen.
Kostenlos dank Ihrer Hilfe
Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.
Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.