Biografie von Dina, Fritz und Margarethe Falkenstein
Dina Israel war die am 16. Mai 1880 geborene Schwester von Viktor Falkenstein. Sie war mit ihren beiden Söhnen Norbert und Fritz nach 1933 in ihre Heimatstadt Rotenburg zurückgekehrt.
Fritz Israel (geb. 21. Februar 1921 in Marburg) und seine Mutter wurden am 30. Mai 1942 nach Kassel geschafft und von dort zwei Tage später mit dem 2. Massentransport nordhessischer Juden in den Bezirk Lublin in Ostpolen verschleppt. Fritz schaffte man zum Arbeitseinsatz ins Konzentrationslager Lublin-Majdanek, nach wenigen Wochen, am 9. August 1942, war er tot. Die genauen Umstände seines Todes wurden nicht bekannt.
Dina Israels Weg führte direkt in die Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibór, der 3. Juni 1942 war ihr Todestag. Ihrem älteren Sohn Norbert (geb. 26. Juli 1913) gelang Ende 1939 die Flucht ins damalige Palästina.
Fritz Falkenstein, am 23.2.1915 geborener Sohn von Viktor und Hanna, war nach den Novemberpogromen 1938 ins KZ Buchenwald verschleppt worden, wo er bis zum 12. April 1939 als Häftling Nr. 5418 eingesperrt war. Nach seiner Rückkehr versuchte er, sich als Textilreisender seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Am 14. Oktober 1939 ging er „auf Hachscharah“ nach Paderborn in das dortige Umschulungslager Grüner Weg 86, eine der ca. 30 Einrichtungen, die das Ziel verfolgten, der jungen jüdischen Generation eine berufliche Perspektive in Palästina zu eröffnen und sie so aus Deutschland zu retten. Für den 9. Januar 1941 liegt in Paderborn eine Abmeldung Fritz Falkensteins nach Rotenburg vor. Die Hoffnung auf eine Ausreise hatte sich zerschlagen. Am 30. Mai 1942 wurde er zusammen mit seiner Schwester Margarethe nach Kassel transportiert. Mit dem zweiten Deportationszug ab Kassel kam er über Halle und Izbica in das Konzentrationslager Majdanek zur Zwangsarbeit, deren Torturen er aber nur knapp zwei Monate gewachsen war. Er starb am 31. Juli 1942.
Bevor Fritz Falkenstein seine Heimatstadt verlassen musste, brachte er Teile seines Werkzeugs zu einer Rotenburger Familie, die auch in der Nazizeit den Kontakt zu ihren jüdischen Nachbarn nicht hatte abreißen lassen. Die Wasserwaage von Fritz Falkenstein fand so ihren Platz in einer Vitrine des Jüdischen Museum in der ehemaligen Rotenburger Mikwe. Dort sind auch die beiden Feldpostkarten vom November 1915 zu sehen, die Fritz‘ Vater als Weltkriegssoldat an den Gastwirt Stöltzing schickte - als Dank für die an die Front gesandte „Tabak-spende“ von Stammgästen, die sich einen tabakfreien Abend verordnet und bei ihrer Spende nicht zwischen „arischen“ und „nichtarischen“ Deutschen unterschieden hatten.
Margarethe Falkenstein, Viktor und Hanna Falkensteins am 14.4.1920 geborene Tochter, war im Januar 1940 ihrem Bruder Fritz nach Paderborn gefolgt. Für junge Frauen war eine qualifizierte Ausbildung in Hauswirtschaft eine Chance auf das begehrte Einreisevisum ins damalige Palästina. Bis zum 31. Dezember 1941 war sie in Paderborn geblieben und erst nach Rotenburg zurückgekehrt, als das im Oktober 1941 erlassene Ausreiseverbot ihr jede Emigrationshoffnung geraubt hatte. Margarethe Falkenstein - ältere Rotenburger kannten sie unter dem Vornamen Gretchen - erlitt das gleiche Schicksal wie ihre Tante Dina (verh. Israel), sie wurde am 1. Juni 1942 von Kassel über Halle und Izbica in die Gaskammern von Sobibór transportiert. Der 3. Juni 1942 gilt als ihr Todestag. (Näheres zu Sobibór auf Seite 56)
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Quellen & Impressum
Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad / Jüdisches Museum Rotenburg
Dr. Heinrich Nuhn
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Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider