Biografie von Paula Pauline Plaut
Paula Pauline Plaut wurde am 2. Februar 1887 als Tochter von Heinemann und Bertha Plaut in Rotenburg an der Fulda geboren. Paulines Mutter Bertha war eine geborene Stuckhardt aus Falkenberg bei Homberg/Efze. Sie hatte am 14. März 1881 den Rotenburger Sattlermeister Heinemann Plaut geheiratet, dessen erste Frau (Fradchen geb. Mansbach) im Jahr zuvor verstorben war. Paula wohnte in dem Haus Rainchen 1, ihrem Elternhaus.
Paulas Vater Heinemann Plaut (1843 -1913) gehörte zu den Rotenburger Juden, die ihre patriotische Gesinnung durch Mitgliedschaft und besondere Aktivität in den örtlichen Kriegervereinen sichtbar werden ließen. So erwiesen dann auch beide Rotenburger Kriegervereine, der Krieger- und Landwehrverein von 1875 und der Neue Kriegerverein von 1888, dem am 22. Mai 1913 verstorbenen Heinemann Plaut ihre besondere Reverenz. Was für die Hinterbliebenen der Anlass für eine öffentliche Danksagung an die beiden patriotischen Organisationen war.
Paulas Bruder David wandelte dann auch ganz in den patriotischen Fußstapfen seines Vaters, indem er gezielt durch Geschäftsanzeigen für den Kauf seiner Fahnen und Wimpel warb. Er war es auch, der die Zusammenkünfte der ehemaligen „14er Husaren des Kreises Rotenburg“ organisierte und in der Freiwilligen Feuerwehr zu deren stellvertretendem Hauptmann aufstieg. So kann man die Rotenburger Plauts geradezu als Musterbeispiel für die weitgehende Integration einer jüdischen Familie in die christliche Mehrheitsgesellschaft ansehen.
David Plaut verstarb im Juli 1940 in Göttingen, wohin er im August 1938 geflüchtet war. So musste er nicht mehr mit ansehen, wie man im November 1938 die Schaufenster seines früheren Ladens in der Lindenstraße mit Juden verächtlich machenden Parolen beschmierte, obwohl er seinen Besitz zu diesem Zeitpunkt bereits veräußert hatte.
Wohl aber wurde seine Schwester Paula ganz unmittelbar mit dem Vandalismus der Novembertage 1938 konfrontiert. Ihre Wohnung Am Rainchen 1 war an jenen schlimmen Tagen und noch schrecklicheren Nächten eine der Zielscheiben der wilden Ausschreitungen gegen die jüdische Minderheit.
Ein damals 15-Jähriger erinnert sich:
"Als dieses Judenpogrom war, da wurde ich eingeschlossen, ich durfte nicht raus. ,Da haben wir nichts mit zu tun!‘, sagte mein Vater. Wir standen in der Haustür. Da kamen ihm die Tränen. In dem Haus, wo der Schabbesbalken hängt, gegenüber von Metz, da wohnte die Paula Plaut. Die hat im (Ritual-) Bad das Feuer gemacht, die hatte wenig Geld. Die durfte sich in unserem Riesengarten Obst pflücken. Ja, die Paula durfte bei uns immer Obst pflücken. Als der (nennt Namen) nun das Eingemachte aus den Fenstern auf die Straße schmiss, da kamen meinem Vater die Tränen. Da hat er zu mir gesagt, da wurde er politisch: „Das geht nicht gut!“ So höre ich ihn heut' noch sprechen." Ich sah den Mann mit Tränen in der Ladentür stehen."
Eine Zeitzeugin (Jg.1905) im Jahr 1988: „Die Juden hatten in Rotenburg ein Bad, das nur für die Frauen zugänglich war. Dort befand sich eine Küche, in der ein Kupferkessel stand, in dem das Wasser warm gemacht wurde. Jeden Freitag kam Frau Plaut und hat ein Feuer angemacht. Sie wohnte Am Rainchen und man kann sagen, dass sie eine eher arme Jüdin war.“
Paula Plaut wurde am 30.5.1942 nach Kassel geschafft und von dort am 1. Juni 1942, zusammen mit weiteren 507 nordhessischen Juden, in den Bezirk Lublin in Ostpolen verschleppt. Für die Frauen, Kinder und älteren Männer endete die Reise wenige Tage später in den Gaskammern von Sobibór.
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Quellen & Impressum
Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad / Jüdisches Museum Rotenburg
Dr. Heinrich Nuhn
Lärchenweg 2
36199 Rotenburg an der Fulda
Telefon: 06623 2482
E-Mail: h.i.nuhn@gmx.de
Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider