Biografie von Elfriede Gans, Judis Bela und Manfred Jakob Gans
Elfriede Gans war die am 23. Dezember 1905 geborene Tochter von Jakob Meyer, der in der Brotgasse 32 einen kleinen Laden mit Lebensmitteln und Haushaltswaren betrieb. Elfriede war als junge Frau weit herumgekommen. Im April 1923 fand sie eine Anstellung in Hildesheim, im März 1929 trat sie in Hamburg eine neue Stelle als Haustochter an, im August 1930 ging sie als Schwesternschülerin nach Frankfurt.
Elfriede, auch Frieda genannt, heiratete den Rotenburger Julius Gans (Schloss-tor 1). Fritz, der 1935 geborene Sohn, musste als Dreijähriger auf dem Arm seiner Mutter im November 1938 erleben, wie ihm Seifenpulver aus dem Laden der Familie ins Gesicht geschüttet wurde. Für diese Szene gibt es eine Vielzahl von Zeitzeugen, denen das Bild des malträtierten und schreienden Kleinkindes in bedrückender Erinnerung geblieben ist.
Am 25. Februar 1996 wurde eben dieser Fritz Gans - inzwischen hatte er seinen Namen zu Peretz Gantz geändert - im Bus Nr. 18 in Jerusalem Opfer eines Selbstmordbombers. Als Neunjähriger war er im Oktober 1944 nach Palästina gelangt, auf dem gleichen Schiff wie der 1933 aus Rotenburg geflüchtete Hans/Chanan Flörsheim (damals 21).
Elfriedes Ehemann Julius Gans war vom 12. November 1938 bis 12. April 1939 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Im August 1939 gelang ihm die Ausreise nach England. In einem Brief vom 3. September 1949 an den Rotenburger Bürgermeister bittet Julius Gans um Auskunft unter anderem darüber, was mit seinen Sachen (Möbel, Kleidungsstücke) im Haus Brotgasse 32 geschehen sei. Die lapidare Antwort des Bürgermeisters vom 17. November 1949 (ohne Anrede und Grußformel):
„Über den Verbleib Ihrer Kleidungsstücke und der Möbel kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben, da in der Zwischenzeit über 10 Jahre verflossen sind. Es ist anzunehmen, daß die Sachen verbrannt wurden."
Elfriede Gans und ihre zweijährige Tochter Judis Bela Gans sind am 1. Juni 1942 mit dem zweiten großen Transport nordhessischer Juden von Kassel aus in den Bezirk Lublin deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor vergast worden.
Manfred Jakob Gans, Elfriedes zweiter Sohn, geboren am 28. März 1938 in Marburg, hatte für einige Zeit Unterkunft und Betreuung im Jüdischen Kinderheim Hans-Thoma-Stra-ße 24 in Frankfurt gefunden. Er war eines der 42 Kinder, die am 15. September 1942 mit dem großen Transport hauptsächlich älterer Menschen nach Theresienstadt deportiert wurden. Am 23. Oktober 1944 brachte man ihn von dort in die Gaskammern von Auschwitz.
Elfriedes Sohn war wohl deshalb nach Frankfurt gelangt, weil Karl Meyer, ihr älterer Bruder (geb. 1895), dort lebte und sich zur Hilfe für seine Schwester verpflichtet fühlte, die durch die Geburt ihrer Tochter Judis Bela am 18. Februar 1940 in allergrößte Bedrängnis geraten war. Das Frankfurter Kinderheim war unter wesentlicher Mitwirkung der Sozialreformerin Henriette Fürth gegründet worden, deren Vater Siegmund Katzenstein aus Heinebach stammte. Nach Henriette Fürths Cousin Moritz Katzenstein, einem bedeutenden Chirurgen, wurde 2010 in Rotenburg eine Straße benannt.
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Paula Gans< 10 m
Herta Meyer210 m
Bertha Katz240 m
Clara Gita Meyer240 m
Lina Rothschild240 m
Julius Flörsheim300 m
Quellen & Impressum
Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad / Jüdisches Museum Rotenburg
Dr. Heinrich Nuhn
Lärchenweg 2
36199 Rotenburg an der Fulda
Telefon: 06623 2482
E-Mail: h.i.nuhn@gmx.de
Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider