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Familie Meyer

Biografie von Herta und Julius Meyer

Hertha Meyer wurde am 7. Mai 1897 geboren. Ihr Vater Jakob Meyer stammte aus Viersen an der Aller, durch die Eheschließung mit Sara Fleischhacker war er nach Rotenburg gekommen. Saras Vorfahren waren seit Generationen hier ansässig. Neben ihrem kleinen Geschäft in der Brotgasse 32 betrieben sie in der Sommerzeit ein Freibad in der nahen Fulda (siehe Annoncen von 1876 und 1880 in der rechten Spalte, darunter Annoncen von 1897 bzw. 1903).
Den befragten Rotenburger Zeitzeugen waren die Bewohner des Hauses Brotgasse 32 nicht als Meyer bekannt, sie kannten diese vielmehr unter dem Namen Jackmeyer: aus Jak(ob)+Meyer.
Hertha Meyer flüchtete im Frühjahr 1939 zu ihrem älteren Bruder Karl (geb. 1895) nach Frankfurt, unter dessen Adresse, Röderbergweg 19, sie in der Volkszählung vom 17.5.1939 registriert ist. Am 23.2.1943 wurde sie in Auschwitz ins Gas geschickt. Das gleiche Schicksal ereilte ihren Bruder Karl am 29.9.1944 und dessen Frau Luise geb. Oppenheimer am 4.10.1944.

Julius Meyer, geboren am 8.10.1908, war das jüngste Meyer-Kind. Er wurde bereits am 17.09.1938 verhaftet, nicht erst im Gefolge der Novemberpogrome 1938. Zunächst wurde er in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, am 23.9.1938 dann in das KZ Buchenwald überstellt. Der spezielle Grund für seine Verhaftung ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hatte er seine Entlassung vor Augen, als das Juden-Sonderlager in Buchenwald wegen einer Typhusepidemie unter Quarantäne gestellt wurde. Als Ursache seines Todes am 23.3.1939 wurde „Akute Psychose im Erregungszustand“ angegeben.
Kurt Meyer, geb. 22. April 1903, war wie sein Bruder Julius KZ-Häftling in Buchenwald. Nach seiner Entlassung aus dem KZ am 12. April 1939 ging er im Juni 1939 nach Frankfurt, von dort flüchtete er nach England. Die Engländer schoben ihn nach Australien ab, wo er aufgrund seiner psychischen Erkrankung (Verfolgungswahn) in eine Heilanstalt eingewiesen wurde.
Er galt lange Zeit als „verschollen“, ehe bekannt wurde, dass er 1948 aus Aus-tralien zurückgekehrt war und bis zu seinem Tod am 12.3.1975 als Nervenkranker in der Heilanstalt Osnabrück und im Landeskrankenhaus Hannover betreut wurde. Am 8.4.1933 waren Kurt und sein Vater - dieser starb 1937 - von SA-Leuten in ihrer Wohnung überfallen, zusammengeschlagen und zu einer Geldzahlung erpresst worden.

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Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider