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Familie Berger

Biografie von Josef und Franz Berger

Zwei Mitglieder der Korbmacherfamilie Berger wurden im KZ Mauthausen getötet: Josef Berger und sein Sohn Franz Berger. Die Familie Berger lebte bis 1938 in einem Wohnwagen und zog durch die Lande, dann hatte sie ihren Wohnsitz in Tuttlingen. Dieses unstete Leben ist in der schriftlichen Überlieferung schwer nachzuvollziehen. Deshalb gibt es nur wenige Spuren der Familie.

Die Geburtsorte der Kinder belegen, dass sich die Familie früher überwiegend im Schweizer und französischen Raum aufhielt. 1921 wurden die Bergers in Deutschland eingebürgert. Im Nationalsozialismus - im Jahr 1935 - wurde diese Einbürgerung durch das Bezirksamt Donaueschingen widerrufen und alle galten als staatenlos. Trotzdem wurde versucht, die Nichtsesshaften anzusiedeln. In diesem Zusammenhang wurde die Familie Berger 1938 in Tuttlingen in der Meldekartei registriert. Sie wohnte im Gebäude Donaustraße 15. Auf der Meldekartei der Ehefrau von Josef Berger, Pauline Berger geborene Baumgartner, wurde notiert, dass sie vom rassenhygienischen Institut Berlin untersucht wurde. Die so genannte Rassendiagnose lautete „Nicht-Zigeuner“.

Himmlers Erlass vom 8. Dezember 1938, der grundlegend für die Verfolgung von Sinti und Roma war, unterscheidet zwischen „Zigeunern“, „Zigeunermischlingen“ sowie „nach Zigeunerart umherziehende Personen“. Mit dem letzten Terminus waren u.a. die Jenischen gemeint.

Unsere Familie Berger waren Jenische. Jenische gehören zu einer ethnischen Gruppe, die ihren Ursprung in der europäischen Armutsbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts hat. Die Jenische haben eine eigene Kultur und eine eigene Sprache entwickelt. Weil ihre Gewerbe sie oft veranlassten, den Ort zu wechseln, hat sich das Reisen oder Fahren zu einem wesentlichen Merkmal ihres kulturellen Selbstverständnisses entwickelt.

Die Familie Berger versuchte man, 1938 sesshaft zu machen. Franz und Josef Berger wurden verhaftet und am 27. Juni 1938 ins KZ Dachau eingeliefert, und von dort am 27. September 1939 ins KZ Mauthausen überstellt. Ebenso wurde ein weiterer Sohn der Familie, Anton Berger, am 27. Juni 1938 in das KZ Dachau eingeliefert und später in das KZ Mauthausen überstellte. Er überlebte das KZ Dachau und das KZ Mauthausen. Er wohnte aber nicht in Tuttlingen sondern in Riedöschingen.

Der Vater, Josef Berger, wurde am 25. Januar 1876 in Ueken im Kanton Aargau in der Schweiz geboren. In Dachau hatte er die Häftlingsnummer 17701. Er starb am 5. Januar 1940 um 13.30 Uhr im KZ Mauthausen bei Linz in Österreich. Also Todesursache wurde dort „Apoplexie“ genannt.

Sein Sohn Franz Berger wurde am 16. Februar 1913 in Cilly in Frankreich geboren. In Dachau hatte er die Häftlingsnummer 17734. Er wurde im Alter von 27 Jahren am 7. Juli 1940 um 8.30 Uhr im KZ Mauthausen getötet. Bei ihm lautete die offizielle Diagnose „oberer Dickdarmkatarrh“. Bekannt ist, dass die angegeben Todesursachen nicht der Wahrheit entsprachen und erfunden wurden, um einen natürliche Tod vorzuspiegeln.

Die Mitglieder der Familie Berger wurden im KZ Mauthausen als „AZR“-Häftling kategorisiert. Häftlinge der Kategorie „AZR“ oder „ASR“ („Arbeitszwang Reich“ bzw. „Arbeitsscheu Reich“) wurden im Konzentrationslager als „Asoziale“ bezeichnet und mit einem schwarzen Winkel gekennzeichnet. Üblicherweise wurden diese Häftlinge durch die Kriminalpolizei in ein Konzentrationslager eingewiesen, weil sie aus Sicht der Nationalsozialisten durch ihr sozial abweichendes Verhalten „die Allgemeinheit gefährdeten“.

Der in Tuttlingen angesiedelte restliche Teil der Familie ging einer regelmäßigen Beschäftigung nach und arbeitete in Tuttlinger Betrieben, trat also keinesfalls als sozial auffällig in Erscheinung. Als nach dem Krieg ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Tuttlinger Friedhof errichtet wurde, führte man auch Franz Berger auf, was belegt, dass die Familie zumindest vorübergehend ihren Platz in Tuttlingen gefunden hatte. Die Frau von Josef Berger, Pauline Berger geb. Baumgartner starb 1945 in Tuttlingen. Die anderen Familienmitglieder zogen bald nach Kriegsende weiter.
Das KZ Mauthausen
Das Konzentrationslager Mauthausen war das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten auf dem Gebiet Österreichs. Es befand sich 20 Kilometer östlich von Linz in Mauthausen und bestand vom 8. August 1938 bis zu seiner Auflösung nach der Befreiung seiner Insassen durch US-amerikanische Truppen am 5. Mai 1945. Im KZ Mauthausen und seinen Nebenlagern wurden rund 200.000 Menschen inhaftiert, von denen mehr als 100.000 getötet wurden.
Die Aufgabe der Häftlinge war es, Baracken zu bauen und im Steinbruch zu arbeiten. Die ersten 20 Baracken wurden in den Jahren 1938 bis 1940 erbaut. In dieser Zeit waren auch Franz und Josef Berger in dem KZ. Zu den besonders schlimmen Stationen im KZ Mauthausen gehörte die sogenannte Todesstiege, eine Steintreppe, die dem Steinbruch, in dem die Häftlinge arbeiten mussten, mit dem eigentlichen Konzentrationslager Mauthausen verband. Die Beteiligten des Steinträgerkommandos schleppten mehrmals täglich Granitblöcke über die insgesamt 186 Stufen der Treppe 31 Meter nach oben. Der Weg vom Kopf der Todesstiege hinauf ins Lager führt teilweise knapp am Abbruchhang des Steinbruchs vorbei. Eine 50 Meter hohe, fast senkrechte Felswand wurde von der SS dazu missbraucht, Häftlinge hinabzustoßen, wo ihre Körper entweder durch den Aufprall auf dem Stein zerschmettert wurden oder wo sie im Regenwasserteich ertranken. Sie nannten diese Wand zynisch die Fallschirmspringerwand.
In Mauthausen gibt es einer Gedenkstätte, in der auch an Josef und Franz Berger erinnert wird.

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