Biografie von Friedrich und Olga Nathan
Friedrich und Olga Nathan hatten 1899 in Geldern geheiratet. Ihre beiden Söhne Paul und Ernst waren 1899 bzw. 1903 noch in St. Wendel geboren, aber schon 1904 ließ sich die junge Familie am Niederrhein nieder. Friedrich Nathan erwarb in Kleve das 1901 von Sally Mildenberg gegründete Geschäft „Bazar Mildenberg“, das er unter dem alten Namen weiterführte. Die Söhne besuchten das Staatliche Gymnasium. Paul studierte nach dem Abitur Medizin. Ernst verließ die Schule mit dem „Einjährigen“ und machte anschließend eine kaufmännische Ausbildung. Seit 1928 war er im Geschäft des Vaters, dessen Nachfolge er einmal antreten sollte, tätig. Das Warenangebot war sehr reichhaltig, wie die vielen großformatigen Zeitungsanzeigen deutlich machen. Das Sortiment umfasste „Haushalt-, Luxus-, Galanterie- und Spielwaren“. 1929 erfolgte ein Umbau durch den niederländischen Architekten Gerrit Rietveld. Nun entstand ein modernes Kaufhaus, das besonders durch seine großen Schaufensterfronten beeindruckte. 1932 schloss Nathan sich einer Einkaufsgenossenschaft an. Der Geschäftsname lautete nun „Erwege-Einheitspreisgeschäft Kleve“
Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurden alle Zukunftspläne der Familie Nathan zunichte gemacht. Die schnell einsetzenden Boykottmaßnahmen gegen von Juden geführten Geschäfte brachten Friedrich Nathan dazu, sein Kaufhaus schon im April 1933 an seine langjährige Mitarbeiterin Maria Koken, mit der er auch befreundet war, zu verkaufen. Das Geschäft wurde als Kaufhaus Koken weitergeführt.
Ernst Nathan, der 1932 geheiratet hatte, verließ mit seiner Ehefrau Kleve schon im Juni 1933. Sie zogen zunächst nach Rotterdam. Weil es ihnen dort nicht gelang eine Existenz aufzubauen und sie sich zunehmend von der Gefahr eines Einmarschs der Deutschen in die Niederlande bedroht fühlten, emi-grierten sie 1937 in die USA. Ernst Nathan arbeitete hier als Vertreter.
Im Oktober 1936 verzogen Olga und Friedrich Nathan von Kleve nach Köln, wo sie auch 1939 noch wohnten. Dass ihnen dann noch die Flucht aus Deutschland gelang und sie so den Holocaust überlebten, verdankten sie ihrem Sohn Paul Nathan. Er hatte als Chirurg in einem Berliner Krankenhaus gearbeitet und war 1934 nach Palästina ausgewandert. Nun gehörten auch zahlreiche britische Soldaten zu seinen Patienten. Dies ermöglichte es ihm, seine Eltern nach Palästina zu holen.
Olga Nathan erlebte das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Friedrich Nathan verstarb 1958 kurz vor seinem 86. Geburtstag.
Friedrich Nathan (Bingen 1872 – 1958 Petach Tikva, Israel)
Olga Nathan geb. Francken (Geldern 1872 – 1945 Petach Tikva, Palästina)
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Quellen & Impressum
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de