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Familie Philips

Biografie von Philip Wijnand, Saartje und Jeanette Susanne Philips

Philip Wijnand Philips war mit seiner Familie 1908 aus den Niederlanden nach Kleve gekommen. Die 1888 in Kellen von dem niederländischen jüdischen Fabrikanten Simon van den Bergh gegründeten Margarinewerke zogen offensichtlich niederländische Mitarbeiter an, unter denen sich auch einige Juden befanden. Als Philip W. Philips 1893 in Wisch Saartje Galitzien heiratete, war er Metzger gewesen. Die Familie hatte in Ruurlo gelebt, wo auch ihre drei Kinder geboren wurden: Rozet (1894), Michael Joseph (1896) und Jeanette Susanne (1905). Bei den van den Bergh‘s Margarine-Werken war Philips als Werkführer und später als Betriebsleiter tätig. Auch zwei seiner Geschwister lebten zeitweise in Kleve. Sein Bruder Bernhard Philips war bis zu seinem Tod 1922 Betriebsleiter bei der Margarinefabrik Wahnschaffe, Muller & Co., die seit 1902 ebenfalls zum Unternehmen van den Bergh gehörte. Hier war auch ihre Schwester Jozina Philips bis zur Eheschließung 1909 beschäftigt gewesen. In Kleve hatte sie ihren Ehemann Falk Glaser kennen, der Kirnmeister bei der Firma van den Bergh war. Sie bekamen zwei Kinder: Rosa Regina und John. Bekannt wurde die Familie durch das Buch von Paul Glaser, dem Sohn von John Glaser, über seine Tante: „Tante Roosje, die Tänzerin von Auschwitz“.
1933 lebte nur noch die Familie von Philip Wijnand Philips in Kleve. Rozet Philips hatte Kleve allerdings schon bei ihrer Eheschließung 1918 verlassen und wohnte seither in Nimwegen. Michael Joseph Philips, der ab 1910 in Kleve die Landwirtschaftsschule besucht hatte und wie sein Onkel Kirnmeister geworden war, wohnte 1927 noch in Kleve. Im Adressbuch 1936 ist er nicht mehr vermerkt. Er emigrierte später nach England. Saartje Philips verstarb im Juni 1938 in Apeldoorn. Im Sterberegister ist Kleve als Wohnort angegeben. Philip und Jeanette Philips erlebten in Kleve noch das Novemberpogrom von 1938 mit. Erst im Januar 1939 verzogen sie nach Nimwegen. Nach der deutschen Besetzung im Mai 1940 waren die Juden auch in den Niederlanden der antisemitischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Am 26. Februar 1943 mussten Philip Wijnand und Jeanette Philips ihre Wohnung in Nimwegen verlassen. Sie wurden in dem Gebäude des „Voormalig Rotterdams kindertehuis“ in Arnheim einquartiert. Dieses Kinderheim war nach der Bombardierung Rotterdams im Mai 1940 eingerichtet worden, um Kinder aus dem jüdischen Kinderheim in Rotterdam eine neue Unterkunft zu geben. Es handelte sich überwiegend um Kinder, die mit den Kindertransporten aus Deutschland und Österreich in die Niederlande gekommen waren. Im Dezember 1942 war das Kinderheim geräumt und die jüdischen Kinder nach Westerbork geschafft worden. Danach wurden in dem Haus erwachsene Juden, oft alte Menschen, vorübergehend einquartiert, bevor auch sie nach Westerbork transportiert wurden.
Am 7. April 1943 wurden Philip Wijnand und Jeanette Philips in das Lager Westerbork eingeliefert und am 27. April 1943 nach Sobibor deportiert, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft am 30. April 1943 ermordet wurden. Philip Wijnand Philips wurde 80 Jahre alt, Jeanette Susanne Philips wurde 37 Jahre alt.

Philip Wijnand Philips (Hengelo, NL 1863 – 1943 Sobibor Vernichtungslager)
Saartje Philips geb. Galitzien (Wisch, NL 1868 – 1938 Apeldoorn, NL)
Jeanette Susanne Philips (Ruurlo, NL 1905 – 1943 Sobibor, Vernichtungslager)

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Quellen & Impressum

Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.

mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.

Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de