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Familie Mannheimer

Biografie von Emil, Lilly, Werner und Hans Mannheimer

Die Familie Mannheimer lebte nur zwei Jahre in Kleve. Am 1. April 1934 war Emil Mannheimer als Nachfolger des Ende 1933 verstorbenen Louis Löwenstein Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde in Kleve geworden. Er war vorher in Mainz tätig gewesen. Seit Mai 1934 wohnte die Familie in dem Schulgebäude an der Reitbahn. Ein Jahr später geriet Emil Mannheimer in die Mühlen der NS-Justiz und in dem gegen ihn geführten Gerichtsverfahren wird deutlich, dass schon vor Inkrafttreten der „Nürnberger Gesetze“ von einer Gleichheit vor dem Gesetz nicht mehr die Rede sein konnte. Der ganze Prozess wurde von einer antisemitischen und rassistischen Grundeinstellung bestimmt.
Es begann damit, dass eine 20-jährige Hausangestellte Mannheimer anzeigte, weil er sie gegen ihren Willen geküsst habe. Die Ermittlungen wurden zwar zunächst eingestellt, dann aber erneut aufgenommen, nachdem sich eine frühere Hausangestellte gemeldet hatte, die Mannheimer der „Notzucht“ beschuldigte. Am 6. Juli 1935 wurde Mannheimer in Haft genommen und das Gerichtsverfahren eröffnet. Anklage wurde allerdings nur wegen des ersten Falles erhoben, da der Staatsanwalt erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der zweiten Zeugin hatte. Das Amtsgericht verurteilte Mannheimer wegen „tätlicher Beleidigung“ zu vier Monaten Gefängnis. Über Widersprüche und Ungereimtheiten der Belastungszeugen hatte das Gericht hinweggesehen und Argumente des Angeklagten unbeachtet gelassen. In der Urteilsbegründung hieß es: „Das Gericht weiß auch, dass bei der bei dem Angeklagten infolge seiner Rassezugehörigkeit stark vorhandenen geschlechtlichen Triebhaftigkeit Vorfälle der hier in Frage stehenden Art nicht selten vorkommen.“ Der Angeklagte habe die Gelegenheit genutzt, „sich in einer aus seiner Rassezugehörigkeit herzuleitenden geschlechtlichen Lüsternheit an die [Frau] heranzumachen“ und „in schnöder Art an ihrer Frauenehre, einem Höchstwert nach heutiger deutscher Staats- und Kulturauffassung, gekränkt und damit die deutsche Volksgemeinschaft überhaupt angegriffen“.
Der Partei war dieses Urteil zu milde. Es kam zu gelenkten Angriffen in der Presse und organisierten Protestkundgebungen gegen Rechtsanwalt Franz van de Loo, der Mannheimer gerichtlich vertreten hatte.
Schließlich wies das Reichsjustizministerium die Staatsanwaltschaft an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Die Strafkammer verdoppelte daraufhin die Strafe und führte dazu unter anderem aus: „Damit ist bei der Bemessung der Strafe der Kampf in Rücksicht zu ziehen, den die Nationalsozialistische Regierung seit ihrem Bestehen um die Bewahrung der arischen Frau vor dem rasseschänderischen Tun der Juden führt.“
16. März 1936 wurde Mannheimer aus der Haft im Klever Gefängnis entlassen. Einen Monat später wanderte er mit seiner Familie nach Palästina aus. Er starb 1948 in Haifa.

Emil Mannheimer (Flörsheim 1899 – 1948 Haifa, Israel)
Lilly Mannheimer geb. Weil geb. 1899 in Gießen
Werner Mannheimer geb. 1925
Hans Mannheimer geb. 1929

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Quellen & Impressum

Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.

mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.

Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de