Biografie von Leopold Weinberg, Frieda Weinberg, geborene London und 4 weitere
Familie Weinberg, Hafenstraße 4
Frieda, Leopold, Fritz, Carl, Helmut und Elisabeth
Wie bereits sein Vater Leeser Weinberg war Leopold Weinberg (*1875)
Viehändler. 1905 heiratete er die Nienburgerin Frieda, geborene London (*1885),
und siedelte von Liebenau nach Nienburg um. Die Familie von Frieda London führte
das „größte und älteste“ Möbelhaus und betrieb zudem eine Reise-Agentur. Die Eheleute Weinberg hatten vier Kinder: Fritz (*1907), Carl (*1910), Helmut (*1912) und
Elisabeth (*1922). Vater Leopold gründete den Nienburger Verein der Viehhändler, die Söhne spielten im Fußballverein, Tochter Elisabeth war Schülerin der Hindenburgschule (heute Marion-Dönhoff-Gymnasium), damals eine reine Mädchenschule. Sie wurde dann aber aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung als Jüdin von der Schule ausgeschlossen. Das Ehepaar Weinberg wohnte zunächst am Nordwall (heute Bürgermeister-Stahn-Wall), dann in der Leinstraße
und zog schließlich 1916 in die Hafenstraße 4 um. Der immer bedrohlicher werdende Antisemitismus zwang Fritz und Carl Weinberg 1936 nach Südafrika zu fliehen.
Ende 1937 verlor Leopold Weinberg seine Zulassung zum Viehhandel. Im Zuge der Pogromnacht 1938 wurden er und sein Sohn Helmut, so wie Tausende andere
jüdische Männer, verhaftet und im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Die Männer wurden misshandelt und ausgeplündert. Damit sollten sie zur Auswanderung
gezwungen werden. Hunderte starben. Nach der Rückkehr von Vater und Sohn wurde das Wohnhaus arisiert, Familie Weinberg zog in die Lange Straße 61 um. Helmut
Weinberg floh nach Australien, die 16-jährige Elisabeth blieb bei den Eltern.
Am 28. März 1942 wurden das Ehepaar Weinberg und Tochter Elisabeth nach Hannover-Ahlem transportiert und von dort mit hunderten Menschen in einen Sonderzug
nach Warschau verfrachtet. Sie kamen am 2. April 1942 im Ghetto an. Elisabeth und ihre Eltern Frieda und Leopold Weinberg starben dort entweder an gezielter Unter-versorgung oder wurden in einem Vernichtungslager ermordet.
2001 initiierte der Nienburger Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt einen Jugendpreis für Stadt und Landkreis Nienburg. Er zeichnet junge Menschen aus,
die für ein gleichberechtigtes Zusammenleben und gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung in Stadt und Landkreis Nienburg eintreten. Der Preis trägt
den Namen von Elisabeth Weinberg und erinnert an die junge Frau, deren Schicksal stellvertretend für viele Opfer des Nationalsozialismus steht.
Die Stolpersteine erinnern seit dem 5. Juni 2012 an die Familie Weinberg.
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