Biografie von Jüdische Schule
Jüdische Schule Lange Strasse 79
Ein Dokument aus dem Jahr 1768 belegt, dass in diesem Haus das Ehepaar Susanna und Marcus Abraham wohnte. Eigentümer war Moses Isaac. Marcus Abraham, sein Neffe, betrieb hier einen Ellenwarenhandel. 1792 starb Marcus Abraham im Alter von 55 Jahren. Ehefrau Susanna führte das Geschäft allein weiter und trat als selbstständige Händlerin in Erscheinung. 1797 scheiterte ihr Vorhaben, einen offenen Laden mit Tresen in ihrem Hause einzurichten, an dem Widerspruch des Nienburger Krameramtes. So konnte sie ihr Geschäft nur außerhalb des Hauses auf den Märkten und Messen betreiben. Um die Geschäftsnachfolge zu sichern, holte Susanna Abraham ihren Neffen Jonas Meyer aus Petershagen zu sich nach Nienburg. Er sollte ihr Geschäft und auch ihr Wohnhaus erben. Aus Angst vor der Dominanz des alten und bedeutenden Handelshauses der Susanna Abraham, intervenierten 1817 die christlichen Kramer, aber auch sämtliche Schutzjuden Nienburgs gegen dieses Vorhaben. So bestimmte Susanna Abraham in ihrem Testament, dass in ihrem Wohnhaus eine Synagoge eingerichtet werden solle. Nach ihrem Tod 1821 stellte die jüdische Gemeinde dann den Antrag, im Wohnhaus eine Synagoge einzurichten. Jedoch lehnte die Regierung in Hannover diesen Antrag ab. Synagogen sollten nicht an einer Hauptstraße gelegen sein, sondern nur in Hinterhäusern eingerichtet werden. Die Gemeinde musste sich mit diesem offenkundigen Antisemitismus arrangieren und beschloss einen Synagogenneubau auf dem hinteren, freien Teil des Grundstücks zum Schloßplatz hin.
Nach dem Tode von Susanna Abraham 1821 wurde in ihrem Wohnhause anstelle einer Synagoge eine jüdische Schule eingerichtet. In einem erhaltenen Schriftstück wird für das Jahr 1820 bereits ein Lehrer genannt. 1938 wurde das Gebäude enteignet und „arisiert“. Es steht heute noch und ist das einzige erhaltene Gebäude mit ehemals jüdisch-gemeindlicher Funktion in Nienburg.
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Recherchegruppe Stolpersteine Nienburg
Projektgruppe Stolpersteine OBS Marklohe und Recherchegruppe Stolpersteine Nienburg