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Familie Rose

Biografie von Walter, Fanny und Lucie Rose

Fanny Rose, Friedrichstraße 7

Hier wohnte Fanny Rose, geborene Löwenbach. Sie wurde am 17. September 1873 in Madfeld, Landkreis Brilon, geboren. Zusammen mit ihrem Ehemann Emil Rose wohnte sie in Höxter. Ort und Datum der Heirat wie der Beruf von Emil bleiben unbekannt. In Höxter wurden vier Kinder geboren: 02.07.1899 Sohn Walter, 01.12.1900 Tochter Elsbeth, 26.11.1901 Sohn Fritz, 24.07.1915 Tochter Lucie. Der Familienbogen im
Stadt- und Kreisarchiv Nienburg dokumentiert, dass Fanny Rose 1927 als Witwe nach Nienburg gezogen ist. Die Stadt war ihr vermutlich vertraut, zumal ihr Bruder
Isidor Löwenbach als Bankier von 1912 - 1925 in der Bismarckstraße 25 wohnte. Ihr Sohn Walter weilte bereits ab 1920 ebenfalls in der Weserstadt. Seit 1929 wohnte Fanny Rose in der Gustav-Stresemann-Straße, die die Nationalsozialisten in Friedrichstraße
umbenannten. 1935 wird Fanny Rose als Mitglied der Nienburger jüdischen Gemeinde genannt. Die zunehmenden Repressalien führten zur Flucht. Fast ein Jahr vor dem November-Pogrom 1938 fuhr sie mit ihrem ältesten Sohn am 16. November 1937 nach Amsterdam/Niederlande, wo sie in der Reizergracht 678 unterkamen.
Mutter Fanny war 64 und Sohn Walter 38 Jahre alt. Europa war für Juden und Jüdinnen nicht mehr sicher genug: Gut fünf Monate später flüchteten beide von
Le Havre/Frankreich mit dem amerikanischen Passagierschiff „SS Washington“ nach New York/USA. Alle weiteren Wege bleiben unerschlossen. Bekannt ist, dass Fanny
Rose am 10. Dezember 1952 starb.

Der Stolperstein an dieser Stelle erinnert seit dem 11. Oktober 2016 an Fanny Rose.

Walter Rose, Friedrichstraße 7

Hier wohnte Walter Rose. Er wurde am 2. Juli 1899 in Höxter geboren. Mit knapp 21 Jahren zog er am 23. April 1920 nach Nienburg. Im Familienbogen wird er als
„Kaufmännischer Lehrling/Bankkaufmann“ und „ledig“ geführt. Als Vorbild und Schutz hatte er seinen Onkel Isidor Löwenbach, der ein Bankgeschäft in der Langen Straße 61 betrieb. Erst sieben Jahre später zog seine Mutter mit den übrigen Geschwistern aus Höxter nach. Von 1920 bis 1929 wohnte Walter Rose im Hause anderer jüdischer Glaubensmitglieder, so in der Langen Straße Nr. 76 bei Familie Feist und in Nr. 86 bei Familie Edelstein. Das gleichnamige Bankhaus brachte eine berufliche und menschliche Nähe. Als Mutter Fanny und Schwester Lucie 1927 ebenfalls nach Nienburg gezogen waren, wohnte die Familie ab 1929 wieder vereint in der
heutigen Friedrichstraße 7. In der Akte „Juden“ des Stadt- und Kreisarchivs Nienburg/
Weser wird 1935 Walter Rose als Mitglied der jüdischen Gemeinde geführt. Zusammen mit seiner Mutter flüchtete Walter Rose im November 1937 nach Amsterdam und im April 1938 über Le Havre in die USA, um vor der Verfolgung durch das national-sozialistische Regime sicher leben zu können. Es wurde höchste Zeit, denn nur sieben Monate später kam es zum furchtbaren November-Pogrom. Über Walter Roses weiteren Lebensweg ist nichts bekannt. Auch nicht, ob er Nienburg noch einmal aufgesucht hat. Er hatte hier immerhin 17 Jahre gelebt und seine Berufsausbildung erhalten.

Der Stolperstein erinnert seit dem 11. Oktober 2016 an Walter Rose.

Lucie Rose, Friedrichstraße 7

Hier wohnte Lucie Rose. Sie wurde am 24. Juli 1915 als viertes Kind und Nachkömmling in Höxter geboren. Mit 12 Jahren war sie mit ihrer Mutter Fanny 1927 nach Nienburg gezogen. Beide fanden nach zweijährigem Aufenthalt in der Bahnhofstraße 12 im Jahre 1929 eine Wohnung in der Friedrichstraße. Bruder Walter kam hinzu, er wohnte und arbeitete bereits seit 1920 in der Stadt. Die beiden anderen Geschwister Elsbeth und Fritz lebten in der Zeit zwischen 1918 und 1922 in Nienburg, zogen dann nach Hannover bzw. Höxter. Ein wichtiger Hinweis stammt aus dem Schülerinnen- Verzeichnis der Hindenburgschule (heute Marion Dönhoff Gymnasium). Lucie wurde dort am 1. April 1927 aufgenommen und erlangte Ostern 1931 die „Ober-Lyzeal-Reife“. Danach wechselte sie an das damalige Realgymnasium (heute Albert Schweitzer Schule), bis zur Abiturentlassung am 27. Februar 1934. Ihr Berufswunsch war Dolmetscherin. Sie war die einzige jüdische Schülerin und zugleich auch die einzige jüdische Abiturientin. Als Mitglied der jüdischen Gemeinde wird sie 1935 geführt. Am 17. Juni 1936 flüchtet sie mit dem englischen Passagierschiff „SS Queen Mary“ von Southampton/England nach
New York/USA. Das ist 17 Monate vor der Flucht ihrer Mutter und ihres Bruders Walter. Was hat es wohl für viele Gespräche - aus Sicherheit abgeschottet von der übrigen Bevölkerung - tiefe Ängste und Tränen in der Familie gegeben?! Viele Fragen bleiben unbeantwortet: Wurde Lucie Rose vorgeschickt? War sie besonders mutig? Was alles hatte sie in der Schule gehört? Fuhr sie wirklich allein? Nahmen sie Freunde oder Verwandte in Amerika auf? Die Antworten fehlen.

Ein Stolperstein erinnert seit dem 11. Oktober 2016 an Lucie Rose.

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