Skip to content

Alma und Ludwig Deuring

Biography of Alma and Ludwig Deuring

Seestraße 59: Alma Deuring (1901–1989) und Ludwig Deuring (1889–1969)

Alma Deuring (geb. Broggi) wurde am 13.02.1901 in Luvinate, Italien, geboren und starb am 04.02.1989 in Radolfzell. Nach 1922 in verschiedenen Stellungen als Dienstmädchen tätig, fand sie 1927 Arbeit als Zuschneiderin bei der Firma Schiesser in Radolfzell. Sie wurde am 8.9.1943 wegen ihrer „antinazionalsozialistischen Einstellung“ von der Gestapo in Radolfzell verhaftet und verbrachte 3 Wochen in „Schutzhaft“. Als „Verfolgte des Nationalsozialismus“ wurde sie nach dem Krieg anerkannt.

Sie war ab 1934 verheiratet mit Ludwig Deuring, der am 25.08.1889 in Hawangen geworden wurde und 1969 in Radolfzell starb.

Ludwig Deuring arbeitete nach dem Besuch der Volksschule zwischen 1906 und 1922 für den Norddeutschen Lloyd, Bremen, und in der Hochseefischerei. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Marinesoldat in Flandern teil. 1924 wurde Deuring, der 1922 nach Radolfzell gekommen war, Mitglied der KPD und saß zusammen mit seinen Fraktionskollegen Karl Teufel, Heinrich Hof, Hermann Müller und Hermann Schärmeli 1930-1933 im Radolfzeller Bürgerausschuss. Gearbeitet hat Ludwig Deuring in seinem gelernten Beruf als Dreher bei der Firma Allweiler.

Ludwig Deuring wurde am 3. März 1933 erstmals verhaftet und war im Radolfzeller Gefängnis bis 4. Mai 1933 in „Schutzhaft“.

Vom 24. Oktober 1938 bis zum 25. Februar 1939 war Ludwig Deuring dort in Untersuchungshaft. Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat, begangen durch Mundpropaganda und Zugehörigkeit zur KPD“ wurde Ludwig Deuring mit Urteil vom 25. Februar 1939 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren verurteilt, die er unter Anrechnung der Untersuchungshaft bis zum 25. Juni 1940 in den Gefängnissen Ludwigsburg und Rottenburg (ab 13.11.1939) verbüßte. Bis zu seiner Entlassung musste er im Arbeitskommando Aichholzhof/Markgröningen im Steinbruch arbeiten.

Am 22. August 1944 wurde Deuring im Rahmen der sogenannten „Aktion Gitter“ von der Gestapo erneut verhaftet und kam am 23. August 1944 ins elsässische KZ Natzweiler (Häftlingsnummer 23308). Von dort wurde Deuring am 4. September 1944 in das KZ Dachau überstellt (Häftlingsnummer 98606), wo er am 24. September 1944 entlassen wurde.

Ab 31. Mai 1945 gehörte Deuring dem ersten Radolfzeller Gemeinderat der Nachkriegszeit an.

Alma und Ludwig Deuring hatten zusammen zwei Kinder und lebten zur Zeit der Verfolgungsmaß­nahmen in der Schlagerterstr. 29, die der heutigen Seestr. 59 entspricht. Lebende Angehörige waren bislang nicht zu ermitteln.

Recherche: Markus Wolter

Die Patenschaft für die Stolpersteine haben Elsa Schlegel und die Bodensee-Solarschifffahrt GmbH übernommen.

Quellen
Staatsarchiv Freiburg, Gesuch um Aufnahme in den Badischen Staatsverband: Dienstmädchen Alma Broggi aus Luvinate in Italien, Laufzeit 1922-1935, B 728/1 Nr. 8273; Staatsarchiv Freiburg, Spruchkammer Südbaden: DNZ-Akten, D 180/2 Nr. 5234; Staatsarchiv Freiburg, Landesamt für Wiedergutmachung, Außenstelle Freiburg, F 196/1 Nr. 152; Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand E 356 d V: Strafanstalt Ludwigsburg mit Zweiganstalt Hohenasperg: Gefangenenpersonalakten, Deuring, Ludwig, Delikt: Vorbereitung zum Hochverrat (1939-1940). E 356 d V Bü 2404. [Die Urteilsschrift ist nicht überliefert] Vgl. ferner: Schreibstubenkarte von Ludwig Deuring in der Datenbank des KZ Dachau.

Media

Photos

Free thanks to your help

This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.

Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.
Support

Stolpersteine nearby

All Stolpersteine in Radolfzell

Sources & Imprint

Stolpersteine in Radolfzell

Initiative Stolpersteine in Radolfzell
info@stolpersteine-radolfzell.de

In Radolfzell sorgt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ für die Verlegung von Stolpersteinen. Nach drei Jahren intensiver Vorbereitung wurden Ende Juni 2014 die ersten acht Stolpersteine gesetzt.

Die Initiative trifft sich regelmäßig in etwa sechswöchigem Abstand. Alle Treffen werden auf stolpersteine-radolfzell.de unter der Rubrik „Termine“ angekündigt. Wer regelmäßig die neusten Informationen und Termine erhalten will, kann sich auf der Website für den Newsletter registrieren.