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Familie Gumpertz

Biography of Hermann, Adele, Helene and Beate Gumpertz

An diesem Ort lebte die Familie Gumpertz. Das Ehepaar Hermann und Adele Gumpertz hatte drei Kinder, die allesamt in Rhaudermoor geboren wurden: Helene 1920, Beate 1925 und Manfred 1931. Letzterer starb jedoch schon zwei Monate nach der Geburt. Die anderen vier wurden ermordet.
Die Firma Hermann Gumpertz & Co betrieb in den 1920er Jahren einen weit verzweigten Tauschhandel. Es wurde mit Fellen, Häuten und Wildwaren, Kaninchen und Eiern aber auch Altpapier gehandelt. Eine Zeitlang war auch der Bruder von Hermann, Sally Gumpertz, in den Betrieb involviert. Die Firma entwickelte sich von einem Viehhandel zu einem Fell- und Lederwarengroßhandel. Die Gumpertz-Brüder engagierten sich stark in den Vereinen beim Sport, sie gründeten den FC Preußen mit. Herman Gumpertz engagierte sich zudem auch in der SPD. Sally Gumpertz verließ Westrhauderfehn im Jahre 1928 und zog nach München.
Wann genau die Familie von Hermann Gumpertz nach Holland übersiedelte, ist nicht ganz klar. Bereits im Februar 1934 war er jedoch in Amsterdam gemeldet. Die deutschen Behörden forderten zwar noch eine Auslieferung, da er angeblich Schulden hinterlassen und Urkundenfälschung begangen haben soll. Die Auslieferung erfolgte nicht, stattdessen wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. In alten Akten findet sich folgender Eintrag des Leeraner Landrates Hermann Conring: „Ich bemerke, dass der Jude Gumpertz wie üblich als politischer Flüchtling auftritt, während er nachweislich ein ganz gemeiner Verbrecher ist. Sollte man solche Fälle nicht propagandistisch ausnutzen?“.
Die Töchter Helene und Beate wurden am 28. September 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und zwei Tage später umgebracht. Hermann und Adele Gumpertz wurden am 11. Mai 1943 nach Sobibor verbracht. Während Adele am 14. Mai 1943 gleich nach der Ankunft umgebracht wurde, teilte man Hermann Gumpertz den Arbeitshäftlingen zu. Die Gruppe bestand aus etwa 350 Mann und musste den Lagerbetrieb am Laufen halten. Allen Häftlingen musste klar sein, dass sie nicht lebend aus dem Lager herauskommen würden. Wohl aus diesem Grund kam es am 14. Oktober 1943 zu einem Aufstand. Es wurden nacheinander zehn SS-Männer in die Schneiderei und die Schusterwerkstatt gelockt und getötet. Mit den erbeuteten Waffen wurde der Aufstand initiiert, bei dem auch Hermann Gumpertz dabei war. Der 51-Jährige gehörte zu den rund 300 Häftlingen, die entkommen konnten. Einige kamen im Minengürtel rund um das Lager zu Tode. Viele wurden in den kommenden Wochen in der Umgebung aufgespürt und erschossen. Nach 14 Tagen waren die meisten aufgespürt worden. Insgesamt konnten 53 Häftlinge das Kriegsende lebend erreichen – Hermann Gumpertz gehörte nicht dazu. Er wurde am 30. November 1943, also sechs Wochen nach dem Aufstand, gefasst und umgebracht. Der Todesort Dorochuk am Bug liegt etwa 47 Kilometer von Sobibor entfernt.

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Albrecht-Weinberg-Gymnasium Rhauderfehn

Die Ausarbeitungen zu den Stolpersteinen in Rhauderfehn sind im Zuge der Teilnahme des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums Rhauderfehn am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2024/ 25 entstanden.

Fotos: Privat
Texte: Bernd-Volker Brahms
Vertonung: Lia Meyer, Lilli Hofmayer, Marie Starke mit Björn Andresen
Website: Jan Steenblock
Idee, Layout und Umsetzung: Ben Rauskam, Bente Bolewski, Erik Schüffler mit Anke Chudzinski-Schubert und Lilli Würdemann

Wir danken der Gemeinde Rhauderfehn für Ihre Unterstützung!