Biography of Johannes Karl Dellai, Maria Magdalena Khilan and 4 more
Am 5. Juni 2014 kamen 6 neue Stolpersteine in Bautzen dazu. Allerdings ging es erstmals nicht um Menschen mit jüdischem Hintergrund sondern Euthanasieopfer des Nationalsozialismus. Verlegeort war das Pflegeheim Bautzen-Seidau, zu den Initiatoren gehören Mädchen und Jungen der Bautzener Gottlieb-Daimler-Oberschule, der Arbeitskreis Judentum, die Pflegeheim Bautzen-Seidau gGmbH, die Stadt Bautzen und engagierte Bürger.
Unter der Überschrift „Rassenhygiene“ begann man weltweit zum Ende des 19. Jahrhunderts Erbanlagen positiv oder negativ zu bewerten. Die Thematik wurde breit diskutiert und fand in einigen Ländern Einzug in eine entsprechend ausgerichtete Gesetzgebung. Zunächst wollte man mit Zwangssterilisationen verhindern, dass bereits im Sinne des Gesetzes geschädigte Personen Nachkommen zeugen konnten. Zu solchen Krankheiten gehörten beispielsweise angeborener Schwachsinn, Epilepsie, erbliche Blindheit, erbliche Taubheit und körperliche Missbildungen. Selbst schwere Alkoholiker fielen in dieses Raster. Bis ins Detail hatte der Gesetzgeber die Kompetenzen der Erbgesundheitsgerichte reguliert und ausführende medizinische Einrichtungen bestimmt. Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 300.000 Menschen zwangssterilisiert wurden.
In Deutschland trieb man die Bemühungen weiter. 1920 erschien in die Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form“. Die Verfasser, ein Jurist und ein Psychiater, rechtfertigten darin die „Freigabe lebensunwerten Lebens“ im Rahmen der damals gültigen Gesetze. Auf Grundlage dieser Argumentation unterschrieb Adolf Hitler im Oktober 1939 den sogenannten „Gnadentod-Erlass“. Er war die einzige juristische Grundlage für den Massenmord und galt schon damals als rechtswidrig, da die Tötung Kranker und Behinderter aus Sicht des Reichsstrafgesetzbuches strafbar blieb. Den Verantwortlichen war die Unrechtmäßigkeit ihrer taten also durchaus bewusst. Umschrieben wurde dieser Akt der Tötung mit dem Begriff „Euthanasie“, was wörtlich übersetzt schöner oder sanfter Tod bedeutet. Die Realität hingegen sah anders aus.
1940 begann die Organisation der Tötungsmaschinerie. Es gab 4 Tarnorganisationen, über die betroffene erfasst, Gutachten erstellt, Transporte organisiert und Anstalten angemietet wurden. Im Rahmen dieser Aktion „T4“ wurden zwischen Januar 1940 und August 1941 in insgesamt 6 Vergasungsanstalten 70.273 Menschen ermordet.
Zunächst erhoben Angehörige Vorwürfe gegen das Vorgehen. Später äußerten sich öffentliche Personen gegen diese Form des Vorgehens. Die Lehre von der „Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ wurde öffentlich angeprangert und widerlegt. Am 24. August 1941 beendete Hitler persönlich das Unternehmen „T4“. Man hatte das Ziel von 70.000 Tötungen erreicht und benötigte einen Teil des Personals der Tötungsmaschinerie an anderen Stellen des Landes. Ein Ende der Euthanasie war das freilich nicht. Bis zum Ende des Krieges sollten noch weitere 130.000 Menschen durch Medikamentenmissbrauch und Nahrungsentzug ihr Leben lassen.
In Pirna-Sonnenstein stand die sächsische Tötungsanstalt. 13.720 Menschen wurden hier 1940 und 41 mit Kohlenmonoxid vergast. Dazu wurden eigens eine Gaskammer und ein Krematorim eingebaut. In der Landesanstalt Großschweidnitz, wo zunächst hunderte Zwangssterilisationen durchgeführt wurden, richtete man 1940 eine Sammelstelle für Transporte ein. Bis Ende 1944 wurden 119 Transporte mit 6.022 Menschen nachgewiesen, fast 5.000 kamen nach Pirna-Sonnenstein. Darunter befanden sich 58 ehemalige Heimbewohner aus Bautzen-Seidau.
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Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
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Bautzen, 29. Juli 2024