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Rotter Familie

Biography of Eugenie Rotter, Karl Josef Rotter and 4 more

Eugenie Rotter
Karl Josef Rotter, Fritz Egon Rotter, Familie Curt Rotter
Jahnallee 14 (ehem. Frankfurter Str. 20)

In der ehemaligen Frankfurter Str. 20 wohnte Familie Rotter. Mutter Eugenie Rotter (geb. Hein) wurde am 4.9.1875 in Zauchtel (Mähren) geboren. Sie war mit Adolf Rotter (Jg. ??) verheiratet. Im Jahr 1901 kam die Familie nach Leipzig. Adolf Rotter gründete 1903 eine Rauchwarengroßhandlung in Leipzig. Bereits im Juni 1930 starb Adolf Rotter und seine Frau sowie drei seiner Söhne führten die Firma weiter: Karl Josef wurde am 11.2.1898 in Neudorf (Mähren) geboren, Fritz Egon am 8.11.1901 in Leipzig und Curt am 23.7.1904 ebenfalls in Leipzig.
Die Rotters waren eine sehr sportliche Familie. Sowohl Vater Adolf als auch die vier Söhne waren Mitglied im VfB Leipzig, wie die vom VfB Leipzig von 1911 bis 1941 monatlich herausgegebenen Mitteilungen belegen. Nachdem Adolf Rotter im August 1920 den jüdischen Sportklub SK Bar Kochba Leipzig gegründet hatte, traten Curt, Karl Josef und Otto (Stolperstein Funkenburgstr. 4) aus dem VfB aus und wurden Mitglied bei Bar Kochba. Wenn man aktiv am Punktspiel- und Wettkampfbetrieb des deutschen Sports teilnehmen wollte, war nach VfB-Satzung eine Doppelmitgliedschaft nicht möglich.
Zum Tod von Adolf Rotter 1930 schaltete der VfB in seinen Mitteilungen eine Trauerannonce und gedachte seiner als einen „Getreuen“, dessen Andenken der VfB jederzeit in Ehren halte.
Karl Josef hatte sich bereits im Oktober 1916 beim VfB angemeldet und wurde einen Monat später als außerordentliches Mitglied in die Fußballabteilung des dreifachen deutschen Fußballmeisters aufgenommen. Ab Dezember1916 war er meist in der III. Mannschaft des VfB bei Punktspielen eingesetzt, bevor er spätestens ab Mai 1917 als Soldat im Krieg dienen musste. Regelmäßig schrieb er in dieser Zeit Feldpostbriefe aus Österreich und Italien an seinen Verein. Nach Rückkehr aus dem Krieg spielte er noch bis Oktober 1920 im VfB Fußball. Danach trat er dem SK Bar Kochba bei. Bis zu dessen Zwangsauflösung im März 1939 war er aktiv für diesen Verein tätig und gehörte dem letzten Vorstand an.
Fritz und Curt wurden im Oktober 1918 als Zöglinge in den VfB Leipzig aufgenommen und spielten wie Bruder Josef Fußball. Curt trat im Januar 1921 aus dem VfB aus, um Mitglied bei Bar Kochba zu werden, wo er bis zur Zwangsauflösung 1939 aktiv war.
Fritz blieb bis zur „Arisierung“ des deutschen Sports VfB-Mitglied. Er kickte in den Jugendmannschaften des Vereins und fand ab 1919 seine Rolle als Torhüter.
Von Oktober 1920 an bis 1923 war Fritz Rotter Stammspieler und Torwart der 1. Mannschaft des VfB Leipzig. Schon während dieser Zeit setzte er sich als Betreuer und später auch als Übungsleiter für den Fußballnachwuchs ein und gehörte dem Jugendausschuss bis zu seinem zwangsweisen Ausscheiden 1933 an. 1931 wurde er vom VfB für seine 10-jährige ehrenamtliche Arbeit mit einem Diplom geehrt. Im März 1934 wird unter den „Abmeldungen“ im VfB auch Fritz Rotter genannt. Danach wurde er Mitglied bei Bar Kochba und war auch hier vor allem in der Jugendarbeit aktiv. Dem am 19. Januar 1938 gewählten Vorstand gehörte er als Obmann für Fußball und stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses an. Urkunden der Makkabi-Bezirksmeisterschaften 1938 in der Leichtathletik tragen seine Unterschrift als Vertreter des Kampfgerichts.

Über die Firma und die privaten Vermögen der Familie verhängten die Nazis ab 1938 eine sog. „Sicherungsanordnung“. Damit konnte ein Geldverkehr nur noch mit Zustimmung der „Devisenstelle Leipzig“ vollzogen werden. Die Familie wurde praktisch enteignet.
Aktenkundig ist weiterhin die anonyme Denunziation einer Nachbarin aus dem Jahr 1936 geworden. Demnach beschäftigte Eugenie Rotter eine unter 35-jährige „arische“ Frau im Haushalt. Dies war ihr allerdings seit den „Nürnberger Rassegesetzen“ von 1935 verboten.
Die Firma „Adolf Rotter“ musste im September 1939 aufgegeben werden. Eugenie befand sich zu dieser Zeit in Paris. Hier starb Eugenie Rotter (67 Jahre) im Jahr 1942.
Ihr Sohn Curt kümmerte sich 1938/39 um die Formalien bei der Enteignung und Zerschlagung der Firma durch die Nazis. Curt war mit Minna Springer verheiratet. Sie wurde am 30.3.1907 in Tarnow geboren. Vermutlich arbeitete sie als Kontoristin im Familienbetrieb. Nach ihrer Eheschließung im März 1937 wohnten die Eheleute noch für ein halbes Jahr in der Frankfurter Str. bevor sie in den Kickerlingsberg 26 zogen. Hier kam ihr Sohn Adolf Pinkas am 25.3.1938 zur Welt. Der jungen Familie gelang im Mai 1941 noch die Flucht in die USA.
Josef Rotter war ledig. Er wurde im Rahmen der Pogromnacht am 12.11.1938 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Unter der Maßgabe, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen, kam er einen Monat später wieder frei. Im Dezember 1938 stellte er einen Antrag auf einen Pass zur Ausreise nach Peru. Dies sollte jedoch nicht gelingen. Wann und warum Josef Rotter erneut im KZ Sachsenhausen inhaftiert wurde, bleibt unklar. Aktenkundig wurde einzig ein Verkehrsdelikt vom Juni 1939, als er im Raum Neustrelitz beim Fahren ohne Führerschein erwischt wurde, denn diesen musste er bereits im Dezember 1938 abgeben. In Sachsenhausen traf Josef seinen Bruder Fritz wieder.

Fritz Rotter war nach dem Tod des Vaters der Geschäftsführer der Firma. Er wurde am 7.11.1938, also noch vor der Pogromnacht, verhaftet. Es gibt einen Hinweis, wonach Fritz wohlmöglich illegal nach Frankreich fliehen wollte, aber an der Grenze aufgegriffen wurde. Vielleicht steht seine Verhaftung in diesem Zusammenhang. Im Sommer 1939 findet sich Fritz‘ Unterschrift jedoch auch in den Geschäftspapieren.

Belegen lässt sich, dass Fritz und Josef im September 1941 von Sachsenhausen in das KZ Groß-Rosen transportiert wurden. Beide stehen auch auf einer Transportliste vom 16.12.1941 in die Tötungsanstalt Bernburg, wonach kranke und nicht mehr arbeitsfähige Inhaftierte in den Gaskammern der „Aktion T4“ ermordet werden sollten. Vermutlich auf Grund des hohen Infektionsrisikos für die SS-Ärzte durch die katastrophalen Seuchen in den Konzentrationslagern verschob sich dieser Transport in den März 1942. Doch da waren die Brüder schon tot. Josef (43 Jahre) und Fritz Rotter (40 Jahre) kamen am 16.12.1941 ums Leben.
Fritz und Josef Rotter sind im 2022 vom Deutschen Fußballmuseum initiierten Online-Lexikon Jüdische Fußballer vertreten.
Für Bruder Otto und seine Familie kommen STOLPERSTEINE vor die Funkenburgstr. 4

Patenschaft: Ein Projekt des Erich-Zeigner-Haus e.V. und Gerlinde Rohr mit Nachwuchsspielern des 1. FC Lok Leipzig

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