Biography of Mechel Hilsenrath, Freida Hilsenrath, Bernhard Kalter and Sofie Hilsenrath
Tschaikowskistr. 13 / Ecke Gustav-Adolf-Str.
Familie Hilsenrath
Mechel Hilsenrath wurde am 1.6.1874 in Kolomea geboren. Freida, geb. Wetstein, kam am 15.5.1875 ebenfalls in Kolomea zur Welt. Die beiden heirateten 1899 und kamen im selben Jahr nach Leipzig.
Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Bis auf den ältesten Sohn David (Jg. 1898) kamen alle Kinder in Leipzig zur Welt. David war der Vater von Edgar Hilsenrath, der nach dem Krieg zu einem Bestsellerautor wurde („Der Nazi & der Frisör“). Die Familie lebte in Halle.
In Leipzig blieben nur drei Kinder. Claire, verh. Kalter, wohnte mit ihrer Familie in der Pfaffendorfer Str. 52 (siehe Stolpersteine). Die Geschwister Bernhard und Sofie lebten bis zu ihrer Flucht 1937 bei ihren Eltern.
Bernhard wurde am 15.8.1903 geboren und Sofie am 8.8.1914. Beide flohen 1937 nach Paris. Hier heiratete Sofie den ebenfalls aus Leipzig stammenden Selmar Aschkenazy.
Vermutlich nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich gelang Bernhard die Flucht nach Argentinien. Ebenfalls in dieser Zeit konnte sich Sofie in die Schweiz retten. Nach dem Krieg ging sie zurück nach Frankreich. In Lyon war sie die erste Anlaufstation für ihre in den Konzentrationslagern geschundenen Neffen Joachim und Herbert Kalter, die Kinder ihrer in Belzec ermordeten Schwester Claire.
Die Eltern Freida und Mechel blieben in Leipzig. Mit der Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung in den sogenannten „Judenhäusern“ nach 1939 mussten die Eheleute in die Humboldtstr. 13 umziehen. Am 19.9.1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert. Dazu kamen sie am Tag zuvor in das Sammellager in die Yorck-Schule (heute: Nordstr.). Im Auftrag des Oberfinanzpräsidenten Leipzig wurde hier den jüdischen Menschen ihr letztes Hab und Gut abgenommen. Das Versteigungshaus Klemm machte später diese Sachen zu Gunsten der Staatskasse zu Geld.
Am 20.9.1942 erreichte der Transport Theresienstadt. Mechel Hilsenrath (68 Jahre) kam am 11.1.1943 und Freida Hilsenrath (67 Jahre) am 30.1.1943 ums Leben.
Patenschaft: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamt Nordsachsen,
Buchhandlung Grümmer e.K.
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