Biography of Helene (Lenchen) Weber
Geboren wird Lenchen Weber 1898 in Hilbringen als Tochter des Fabrikarbeiters Peter Berty und seiner Frau Margarethe, geb. Bohr. Nach dem frühen Tod der Eltern wächst sie bei ihrem Onkel und Vormund Mathias Bohr auf, einem Hüttenarbeiter und engagierten Sozialdemokraten in Besseringen. Die begabte Schülerin bleibt ohne Ausbildung. Nach mehreren Stellen als Dienstmagd heiratet sie 1922 den Sulzbacher Gemeindearbeiter Karl Weber. Er ist seit 1918 Mitglied der SPD. 1923 tritt sie in die SPD ein und wird bald darauf sozialpolitisch aktiv: zunächst in der Arbeiterwohlfahrt, dann im Arbeiter-Samariter-Bund, wo sie sich zur Krankenschwester ausbilden lässt. Seit 1928 gehört sie dem Vorstand des Sulzbacher SPD-Ortsvereins an, seit 1930 in enger Zusammenarbeit mit Richard Kirn dem Vorstand des SPD-Unterbezirks Sulzbach. Als energische Vertreterin des „Status quo“ nimmt sie am 26. August 1934 mit ihrem Verbandsköfferchen in der ABS-Kolonne an der großen Sulzbacher Kundgebung der Einheitsfront gegen Hitler in Sulzbach teil. Und bis zur Saarabstimmung soll sie in Versammlungen und Kundgebungen auch als Rednerin aufgetreten sein.
Am 15. Januar 1935, zwei Tage nach der Saarabstimmung, verlässt sie mit ihrem Mann die gemeinsame Dachgeschosswohnung in der Hohl und emigriert über Forbach nach Südfrankreich. Im August 1936 trennt sie sich dort von ihrem Mann und meldet sich freiwillig zum Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden im spanischen Albacete. Ihre Arbeit als Röntgenschwester im Militärhospital von Albacete findet 1938 ein Ende, als die Interbrigadisten Spanien verlassen müssen. Sie findet Unterschlupf in einem südfranzösischen Kloster und gelangt über Paris zurück nach Südfrankreich. Dort schließt sie sich in Montauban einer Widerstandsgruppe an, in der auch mehrere befreundete Spanienkämpfende aktiv sind. Nach dem Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Frankreich im Sommer 1940 wird sie für einige Wochen im Lager Gurs interniert, kann danach aber wieder nach Montauban zurückkehren. Doch im Mai 1941 wird ein Teil der internationalen Widerstandsgruppe verhaftet, darunter auch die Saarländerin Lenchen Weber. Es beginnt der schwerste Teil ihres Lebens: die Zeit der Internierungen in Gefängnissen und Lagern.
Als unerwünschte Ausländerin, die mit „kommunistischen Aktivitäten“ die „nationalen Interessen Frankreichs“ untergräbt, sitzt sie ein Jahr lang in Gefängnissen des unbesetzten Frankreich ein. In Toulouse übergibt man sie im Sommer 1942 der Gestapo. Die überführt sie ins Landgerichtsgefängnis Trier. Von dort wird sie ins Polizeigefängnis „Lerchesflur“ nach Saarbrücken gebracht. Dreieinhalb Monate sitzt sie im Lerchesflur-Gefängnis ein, bevor sie Ende November 1942 mit einem Sammeltransport ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück verschickt wird. Mitte Februar 1943, nur drei Monate später, erfolgt die Deportation nach Auschwitz. Im Sulzbacher Stadtarchiv ist eine vom 4. April 1943 datierte Postkarte von Lenchen Weber an ihren Neffen Peter Weber in Sulzbach erhalten. Und noch einmal wird sie deportiert: von Auschwitz zurück nach Ravensbrück, vermutlich Ende 1944 oder Anfang 1945. Mehrere österreichische Freundinnen, die Ravensbrück überlebt haben, berichten, dass Lenchen Weber in den letzten Kriegsmonaten als qualifizierte Krankenschwester für den Seuchenblock verantwortlich gewesen sei und dass sie manche Lagerinsassin mit großem Mut im Vorfeld der gefürchteten Selektionen in ihrem Block versteckt und damit das Leben gerettet habe. Über Lenchen Webers tragischen Tod nur wenige Tage, bevor die Rote Armee das Lager Ravensbrückam 30. April 1945 befreite, gibt es widersprüchliche Aussagen. Als wahrscheinlich gilt, dass sie, wie viele andere Häftlingsfrauen in den letzten Kriegswochen auch, von der SS erschossen worden ist.
Die Patenschaft für den Stolperstein, der in der Hohl künftig an sie erinnern soll, haben Monique und Gerhard Broquard zusammen mit der Stadtratsfraktion „Die Linke“ übernommen. Monique Broqard gilt an dieser Stelle unser herzlicher Dank für ihre frühe Unterstützung des Sulzbacher Stolperstein-Projekts.
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