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Erich Rothmann, Alleestr. 7, Lahr

Biography of Erich Rothmann

Steinverlegung am 18.10.2021

Inschrift:

HIER WOHNTE
ERICH ROTHMANN
JG. 1908
ZWANGSSTERILISIERT
30.6.1934
FÜRST STIRUM HOSPITAL
BRUCHSAL
ALS „GEHEILT“ ENTLASSEN
4.7.1934
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Erinnerung an Erich Rothmann

Der Stolperstein für Erich Rothmann, der am 18. Oktober in Lahr verlegt wird, soll an die zahlreichen Leidensgenossen erinnern.
Rothmann, geboren 1908 in Lahr, wuchs in Basel auf und war Plattenleger.
Ab 1929 geriet er mehrmals wegen Bettels, Diebstahls und Landstreicherei mit dem Gesetz in Konflikt.
Ungewöhnlich war das nicht, dieses Schicksal teilte er in der Weltwirtschaftskrise mit unzähligen arbeitslosen Männern.
1934 saß er wegen Diebstahls im Gefängnis von Bruchsal, wo der Blick des dortigen Direktors auf ihn fiel.
Er sah in Rothmann vermutlich vor allem einen „Berufsverbrecher“, der Anstaltsarzt diagnostizierte „erblichen Schwachsinn“.
Damit fiel Rothmann unter das Gesetz zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“.
Verhandelt wurde der Fall vor dem sogenannten „Erbgesundheitsgericht“, das seinen Sitz am Amtsgericht in Offenburg hatte.
Nichts deutete in den Prozessakten darauf hin, dass Rothmann unterdurchschnittlich intelligent war, geschweige denn „erblich belastet“.
Dennoch drängte die Strafanstalt auf ein Urteil, das am 19. Juni 1934 erlassen wurde.
Rothmann wurde am 30. Juni 1934 im Fürst Stirum Hospital in Bruchsal sterilisiert.
Er überstand die Operation, über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Aus: Die vergessenen Verbrechen
Zwangssterilisationen während der NS-Zeit wurden über Jahrzehnte hinweg verdrängt
Von Thorsten Mietzner
erschienen: Donnerstag, 2. September 2021
https://www.badische-zeitung.de/die-vergessenen-verbrechen

Von den zahllosen nationalsozialistischen Gewalttaten ist eine über Jahrzehnte verdrängt und vergessen worden: die zwangsweise Sterilisation von Hunderttausenden von Menschen
in den 1930er-Jahren.
Das hatte verschiedene Gründe: Scham spielte eine Rolle, aber auch, dass lange der verbrecherische Charakter der Eingriffe geleugnet wurde. Die Idee, die Gesellschaft verbessern zu wollen, indem
man bestimmte „schlechte“ Menschen von der Fortpflanzung ausschloss und „Gute“ förderte, war weit verbreitet und spielt bis heute eine Rolle.
Bewegungwar einstweit verbreitet. Um 1900 war die Bewegung, die für die zwangsweise Sterilisation von Behinderten, aber auch sozialen Außenseitern eintrat, weltweit verbreitet.
Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die moderne Genetik entstand und der Darwinismus begann, nicht nur die Biologie, sondern auch die Gesellschaftswissenschaften zu erobern, sahen zahlreiche Gesellschaftsreformer neue Möglichkeiten.
Die neue „Wissenschaft“ von der menschlichen Erblehre erhielt den Namen „Eugenik“. In vielen Ländern der Welt entstanden Bewegungen, die sich zugleich sozialen Reformen und sozialen Zuchtphantasien hingaben.
Und manchmal wurden daraus sogar Gesetze: In den USA war es in einigen Bundesstaaten seit der Jahrhundertwende in bestimmten Fällen erlaubt, Menschen auch gegen ihren Willen zu sterilisieren.
Ähnliche Regelungen gab es in Kanada und in Skandinavien.

Das Gesetz der Nazis

Insofern war das nationalsozialistische Gesetz vom Juli 1933 zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ nichts Ungewöhnliches.
Auch in der Bundesrepublik wurden nach 1945 zehntausende Menschen (fast immer Mädchen) auf einer allerdings völlig anderen Rechtsgrundlage sterilisiert.
Die Tatsache aber, dass in Deutschland bis 1945 rund 400000 Menschen zwangsweise unfruchtbar gemacht wurden – weitaus mehr als in allen anderen Ländern – und dies ausdrücklich mit dem Schutz der „Volksgemeinschaft“ begründet wurde, zwingt heute dazu, das nationalsozialistische Eugenik-Programm als ersten Schritt hin zu „Auschwitz“ zu sehen.

Enger Bezug zur Stadt

Zugleich sind die Verbrechen der Zwangssterilisation ein bislang unbearbeitetes Thema der Lahrer Stadtgeschichte. Anders als bei den bekannten späteren (und verwandten) Verbrechen wie etwa den Euthanasiemorden oder den Judenverfolgungen
hängen die Zwangssterilisationen aber viel enger mit der Stadt zusammen.
Die Entscheidungen wurden in diesen Fällen vor Ort getroffen: von Lehrern, städtischen Angestellten, Ärzten, gelegentlich auch von Eltern.
Und der „Eingriff“ selbst erfolgte oft in Lahr, im städtischen Krankenhaus. Nach den bislang bekannten Unterlagen waren rund 120 Menschen betroffen. Unter ihnen befanden sich Menschen mit einer geistigen Behinderung, aber auch zahlreiche sozial Randständige und Alkoholiker. Schon kurz nach Erlass des Gesetzes kam 1934 auf Initiative des Lahrer Jugendamtes durch Meldungen des Lehrpersonals und der Jugendfürsorgerinnen rasch eine Liste von 40 Jungen und Mädchen zusammen, die als lernschwach und sozial auffällig galten und deshalb genauer untersucht wurden. Rund 15 wurden von den Fürsorgerinnen letztlich „ausgewählt“, dem Amtsarzt gemeldet und dem „Sterilisationsverfahren zugeführt“.

Lange keine Entschädigung

Die in der NS-Zeit Zwangssterilisierten wurden auch nach 1945 jahrzehntelang nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt oder entschädigt.
Bis in die 1980er-Jahre galten die Urteile aufgrund ihrer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit und mit Verweis auf die internationale Praxis zumeist als rechtmäßig.
Erst danach vollzog sich ein Wandel, wurden Urteile aufgehoben und Zwangssterilisierte entschädigungsberechtigt.
Doch eine wirkliche Gleichstellung mit anderen Opfern der NS-Politik erfolgte nie.
Die Grundlage eugenischen Denkens, dass es nämlich wertvolleres und wertloseres Leben gebe, durchzieht bis heute weltweit die Debatten von der pränatalen Diagnostik bis hin zur Corona-Politik.
–
Ein ausführlicher Artikel zur Zwangssterilisation
in Lahr, der insbesondere die
Rolle der Stadtverwaltung und des sozialen
Umfeldes thematisiert, erscheint Anfang
Dezember im diesjährigen Jahrbuch „Geroldsecker
Land“. (2021, bb)

Aus: Die vergessenen Verbrechen
Zwangssterilisationen während der NS-Zeit wurden über Jahrzehnte hinweg verdrängt
Von Thorsten Mietzner
erschienen: Donnerstag, 2. September 2021
https://www.badische-zeitung.de/die-vergessenen-verbrechen

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Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
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Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025