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Am Markt 6

Biography of Bertha and John Wolf

Die Häuser Am Markt 6 und 8 wurden als "Judenhäuser" genutzt

Bertha Wolf ,geb. Nathan, wurde 1855 in Horneburg im Landkreis Stade geboren. Sie war die Witwe und Erbin des Mitinhabers der Fa. Magnus Wolf, William Wolf, der 1930 in Stadthagen verstarb. Zusammen mit ihrem Sohn John Wolf wohnte sie in Stadthagen in ihrem Haus Am Markt 8. Ihre Tochter Paula Lilienfeld und deren Kinder Hanna Lilienfeld und Ruth Weinberg, geb. Lilienfeld, bewohnten das Haus Am Markt 6, das ebenfalls Bertha Wolf gehörte. Am 8. Mai 1939 gab sie folgende Erklärung ab: Ich bin 83 Jahre alt. Nach dem Tod meines Schwiegersohnes im Jahre 1932 musste ich dessen Frau und Kinder wieder mit in meinen Haushalt aufnehmen, da diese ohne Vermögen zurückgeblieben sind. Seitdem leben diese mit in meinem Haushalt. Neben den Vermögenswerten der beiden Häuser besaß sie laut eigener Vermögensaufstellung 21.580 RM. Die Verfügung über ihr Vermögen verlor sie laut Sicherungsanordnung am 21. Juni 1939. Ab diesem Datum durfte sie zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes ohne Genehmigung von ihrem Konto monatlich nur noch 450 RM abheben. Außerdem hatte sie wie alle Juden eine Sühneleistung in Höhe von 15.400 RM zu leisten, von der sie bereits 7.700 RM bezahlt hatte. Am 3. November 1941, gut einen Monat vor den ersten Deportationen Stadthäger Juden, verstarb Bertha Wolf fast 86-jährig.

John Wolf wurde 1890 als Sohn William und Bertha Wolfs in Stadthagen geboren.
Im Ersten Weltkrieg war er Soldat, verlor ein Bein und erhielt noch 1934 im Namen des „Führers“ und Reichskanzlers ein von Hindenburg gestiftetes Ehrenkreuz für Frontkämpfer.
Durch die ständigen Boykotte, zu denen die Nationalsozialisten aufriefen, wurde die Firma Magnus Wolf wirtschaftlich so stark geschwächt, dass sie am 10. November 1938 aufgegeben werden musste.
Nach dem Tod seiner Mutter im November des Jahres 1941 sollte John Wolf deren Grundbesitz übernehmen und wollte dem Lederhändler Wilhelm Breuer das Vorkaufsrecht auf das Haus Am Markt 6 einräumen. Das geschah aber nicht mehr. Der Landrat in Stadthagen stellte fest, dass Anordnungen ergangen sind, die Grundstücksverträge mit jüdischen Einwohnern verbieten. Beide Häuser fielen 1942 an das Deutsche Reich.
Am 28. Juli 1942 wurde John Wolf (52 Jahre alt) zusammen mit seinem Onkel Max, dessen Frau Antonie, seiner Schwester Paula Lilienfeld und mit Berta Rosenfeld in das KZ Theresienstadt verschleppt und von dort in das KZ Auschwitz. Keiner von ihnen überlebte die Vernichtungslager. Alle wurden mit Wirkung zum 31. Dezember für tot erklärt.

Die beiden Häuser Am Markt 6 und 8 wurden im Zuge der Rückerstattung 1951 an Lotte und Kurt Rosenfeld, den einzigen noch lebenden Nachkommen William Wolfs, zurückgegeben. Beide lebten in den USA. 1955 wurden das Haus Am Markt 6 an den Lederhändler Wilhelm Breuer und das Haus Am Markt 8 an den Rechtsanwalt Heinz-Ulrich Heine verkauft.

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Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen e.V.

Stadthagen ist bekannt durch seine Bauten der Weserrenaissance, der Blütezeit des Städtchens im Zentrum Schaumburgs. Sie hat sich in der Zeit des Nationalsozialismus weder als Stadt des Widerstands noch des besonders aggressiven Terrors hervorgetan. So kann Stadthagen als stellvertretend für so viele deutsche Städte gelten, in denen jüdische Mitbürger:innen aus der Mitte der Gesellschaft gedrängt wurden. Der wachsende Antisemitismus, Berufsverbote u.ä. Drohungen und Gewalt führten dazu, dass von den 59 Juden und Jüdinnen, die 1933 in Stadthagen lebten bereits die Hälfte bis Ende 1939 emigriert sind. Die übrigen 28 wurden in die s.g. Judenhäuser Obernstraße 26 und Am Mark 6-8 gepfercht. Drei von ihnen starben eines natürlichen Todes. Eine von ihnen, Berta Gellermann, überlebte den Holocaust in Stadthagen. Eine weitere Frau, Irma Rosenfeld, überlebte die KZs und wanderte in die USA aus. Alle anderen wurden ab 1941 in verschiedene Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.
Sie waren alle Mitbürger:innen dieser Stadt. Sie betreiben Geschäfte, gründeten Familien, gingen zum Markt und spazieren und waren im Schützenverein. Sie verloren alles. In Stadthagen finden sich an den Orten des zuletzt frei gewählten Wohnorts Stolpersteine im Boden eingelassen, die an ihr Schicksal erinnern. Diese Führung folgt neun dieser Wohnorte und erzählt die Geschichte einiger von ihnen. Der Förderverein der ehemaligen Synagoge Stadthagen setzt sich dafür ein, dass ihre Geschichten bewahrt und erzählt werden. Weitere Stolpersteine sowie ausführlichere Informationen zu den einzelnen Biografien, können auf der Website der ehemaligen Synagoge nachgelesen werden.