Biography of Bertha and Jakob Katz
Jakob Katz wurde am 10. Februar 1875 in Rotenburg geboren. Seine Wiege stand in dem Haus Brotgasse 3 (jetzige Adresse). Die Familie stammte aus Baumbach.
Über die Zwischenstation Braach, wo Jakobs Vater Mendel Katz 1840 geboren wurde, kam die Familie in den 1860er Jahren nach Rotenburg. Mendel Katz’ Frau Bertha war die Tochter des Gudensberger Schuhmachermeisters Löb Emmerich.
In Ergänzung zu seinem „Maßge-schäft“ richtete Schuhmachermeister Katz im September 1904 ein „Schuh-warenlager“ ein. Die Öffentlichkeit ließ er in einer großen Anzeige wissen: „Es wird mein Bestreben sein, durch gute solide Fabrikate und wirklich billige Preise mir einen großen Kundenkreis zu erwerben.“ Was ihm offensichtlich gelang, denn für fast 30 Jahre hatte er die Alleinvertretung für Salamanderschuhe, eine damals hoch geschätzte Marke. Durch wirkungsvoll gestaltete Geschäftsanzeigen machte er auf sein Warenangebot aufmerksam.
Der September 1904 bedeutete für Jakob Katz nicht nur eine Veränderung seiner geschäftlichen Tätigkeit, sondern war auch ein wichtiger Einschnitt in seinem privaten Leben, und zwar durch die Verlobung mit Bertha Neuhaus aus Baumbach, dort geboren am 2.1. 1879. Am 23. Mai 1905 schlossen die beiden den Bund der Ehe. Bertha war die Tochter von Moses Neuhaus und Selmaline (geb. Nussbaum). Den beiden wurden zwei Kinder geschenkt, Sohn Meinhold (23. Februar 1906) und Tochter Frieda (5. Dezember 1908).
Von 1912 bis 1933 hatte Jakob Katz seinen Laden und seine Werkstatt in dem Haus Steinweg 4 (damals Nr. 134).
Der in der Schuhmacherei durch den Einsatz von Maschinen erzielte Produktionsvorteil brachte Jakob Katz auf die Idee, Teile des Fertigungsprozesses in der kleinen Schusterwerkstatt zu mechanisieren. Zumindest das Einschlagen der einzelnen Nägel zum Befestigen der Schuhsohlen sollte maschinell unterstützt werden. So entwickelte er in Partnerschaft mit dem Rotenburger Fernmeldetechniker und Hobbykonstrukteur Jakob Köpping ein „Handnagelgerät für Schuhmacher“, das 1913 amtlich patentiert wurde (s. Patenturkunde). Das Gerät wird vom Berufsfortbildungswerk Kassel in Kooperation mit dem Fachbereich Maschinenbau der Universität Kassel nachgebaut und nach Fertigstellung im Jüdischen Museum in der ehemaligen Rotenburger Mikwe ausgestellt.
Es entzieht sich unserer Kenntnis, wie der christliche Hobbymechaniker und der jüdische Handwerker und Geschäftsmann zu ihrer Kooperation zu-sammenfanden. Das gemeinsam erworbene Patent kann auf jeden Fall als ein Beispiel für das gelungene Miteinander Rotenburger Bürger unterschiedlicher religiöser Ausrichtung gesehen werden.
Ein weiteres Indiz für Jakob Katz’ Integration in sein lokales Lebensumfeld: Er gehörte 1910 zu den Gründungsmitgliedern des örtlichen Ziegenzuchtvereins. Bis dahin hatte er auch noch dem Rotenburger Fußballclub Wilhelma angehört, dessen Vorsitzender sein Nachbar und Glaubensbruder Hermann Linz II war.
Ob die Aufkündigung der Salamander-Vertretung im Frühjahr 1933 der entscheidende Anlass für Jakob und Bertha Katz war, ihre Heimatstadt Rotenburg im Juni 1933 zu verlassen, kann wohl gemutmaßt werden. Dass die Wahl ihres neuen Aufenthaltsortes auf Leipzig fiel, hing wohl damit zusammen, dass Tochter Frieda dort seit dem September 1928 lebte (Tauchnitzstr. 41). Nicht bekannt ist, wann die drei ihren Aufenthalt in Leipzig beendeten und nach Frankfurt gingen.
Während Sohn Meinhold von Gera aus die Flucht ins damalige Palästina gelang, wurden Jakob und Bertha mit ihrer Tochter Frieda Mordopfer der Shoa. Soweit sich ihr Schicksal rekonstruieren lässt, wurden sie in einem der drei Transporte der Monate Mai und Juni 1942 in die Vernichtung verschleppt. Für diese drei Deportationen gibt es nur unvollständige „Passagier-listen“ - im Gegensatz zu den vielen anderen in Frankfurt abgegangenen Deportationszügen.
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Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider