Biography of Jettchen Gans
Jettchen Gans wurde am 16.08. 1871 in Rotenburg geboren. Sie war die Tochter von Schneidermeister Isaak Gans, dessen Vater Salomon bereits als Schneidermeister in Rotenburg tätig war und 1831 das Geschäft in der Breitenstraße gegründet hatte.
Jettchen führte die Berufstradition der Familie fort und machte den Betrieb zu einer attraktiven Ausbildungsstätte für den Schneidernachwuchs. Eine große Zahl nichtjüdischer junger Frauen lernte bei ihr das Nähen. Jettchen wurde von ihren Berufskollegen sogar zur Obermeisterin der Schneiderinnung berufen. Sie hatte laut amtlicher Auskunft der Stadtverwaltung (1959) bis zu sechs ständige Mitarbeiterinnen. Sie führte das Geschäft bis in die 1930er Jahre, bald nach der Machtübernahme durch die NSDAP verlor sie jedoch ihre bis dahin zahlreiche nichtjüdische Kundschaft. Und die noch am Ort verbliebenen potentiellen jüdischen Kunden konnten kaum noch ihre Dienste in Anspruch nehmen.
Schlimmes musste Jettchen Gans bei den Novemberpogromen 1938 über sich ergehen lassen. Am 2. Dezember 1938 verließ sie zusammen mit ihrer Adoptivtochter Betty ihre Heimatstadt in der Hoffnung auf bessere Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten in Frankfurt, was sich aber als unerfüllte Hoffnung erwies. Nach vier kummervollen Frankfurter Jahren wurde Jettchen am 15. September 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 11. Januar 1944 umkam.
Der Frankfurter Kaufmann Ferdinand Levi (1879-1967), einer der am 15. September 1942 aus Frankfurt Deportierten, schildert in dem 1997 veröffentlichten Buch „Überleben in Theresienstadt“ die letzten Erinnerungen an Frankfurt im September 1942: „Auf Lastwagen stehend oder auf unserem Bündel hockend wurden wir zu einem offenen Bahngeleise, nahe dem Osthafen, befördert. Auf dem ganzen Weg wurden wir von einer johlenden Menge beschimpft und verhöhnt. ‚Schlagt sie doch tot, zu was die teuren Kohlen für den Transportzug!’ Immer wieder diese Zurufe, offenbar einstudiert.“
Betty Gans, geboren am 6. Mai 1899, war die Tochter von Jettchens Schwester Rosalie, die den Burghauner Michael Speier geheiratet und mit ihm einen reichen Kindersegen hatte. Betty ging zur Schneiderlehre bei ihrer Tante nach Rotenburg. In Frankfurt bildete sie sich beruflich weiter, in Kassel legte sie die Meisterprüfung ab. Am 1. Dezember 1932 wurde sie von ihrer unverheirateten Tante Jettchen Gans adoptiert, deren Betrieb sie übernehmen sollte.
Am 25.3.1942 wurde Betty Gans zusammen mit über 1000 hessischen Jüdinnen und Juden in das Transitghetto des Städtchens Piaski in Ostpolen verschleppt. Es gab keine Überlebenden.
Media
Photos
Free thanks to your help
This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.
Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Fanny Linz30 m
Paula Pauline Plaut30 m
Dina Falkenstein70 m
Bertha Wally Sommer80 m
Leopold Neuhaus100 m
Hanna Speier110 m
Sources & Imprint
Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad / Jüdisches Museum Rotenburg
Dr. Heinrich Nuhn
Lärchenweg 2
36199 Rotenburg an der Fulda
Telefon: 06623 2482
E-Mail: h.i.nuhn@gmx.de
Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider