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Aloisia Kempter

Biography of Aloisia Kempter

Aloisia Kempter, geb.23.8.1890 in Augsburg wurde am 8. August 1941 in Hartheim ermordet. Sie war Opfer der T-4 Aktion.
Aloisia ist die Tochter des Schreiners Alban Kempter und seiner Frau Christine Kempter, geb. Bussjäger. Ihre beiden jüngeren Schwestern Crescentia Theresa (geb./gest.1891) und Christina (1893-1895) sterben im frühen Kindesalter. Das Ehepaar Kempter wohnt 12 Jahre in Augsburg, Lochgäßchen 5, weitere 10 Jahre in der Vohenburgerstraße.
Im Herbst 1925 stellt Christine Kempter bei der Fuggerstiftung den Antrag auf eine Wohnung. Das Familienseniorat bewilligt den Antrag, sodass Ende März 1926 das Ehepaar mit ihrer Tochter in die untere Wohnung Nr. 29 in der Fuggerei einziehen kann. Die Familie Kempter erfüllt sämtliche Kriterien der Bedürftigkeit.
Nach dem Tod ihrer 76-jährigen Mutter Christine im Januar 1933 wird der Familie als neue Wohnung die Nr. 49 unten rechts in der Ochsengasse zugewiesen. Alban Kempter ist schwer alkoholabhängig und nahezu handlungsunfähig. Aloisia ist von Geburt an geistig beeinträchtigt. Die Nachbarn der Kempters in der Fuggerei, vielleicht auch die Cousine von Christine Kempter leisten fast 1 Jahr solidarische Hilfe, aber das kann keine Dauerlösung sein.
Deshalb wird Aloisia im Juli 1934 kurzfristig in einer „städtischen Anstalt“ untergebracht. Nach zwei Monaten wird sie am 20. September 1934 ins „Schutzengelheim Deybach“ in Lautrach eingewiesen. Sie ist jetzt 44 Jahre alt. Ihr Vater Alban zieht ins Städtische Altenheim am Rabenbad 6. Er verstirbt 1938 in Göggingen.
Aloisia lebt in Lautrach insgesamt 6 Jahre. Es finden sich keinerlei Unterlagen, ob und wie sie dort therapiert worden ist.
Am 16. November 1940 wird Aloisia Kempter im Alter von 50 Jahren in die Kreis-Heil- und Pflegeanstalt nach Kaufbeuren-Irsee überwiesen.
Seit Oktober 1939 werden von der Zentralen Dienststelle, besser charakterisiert als Tötungsbehörde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin sämtliche „unheilbar Kranke“ auf Listen erfasst. Die Heil- und Pflegeanstalten, ob staatlich oder privat müssen die Patienten nach Berlin melden, die an Schizophrenie, Epilepsie, Encephalitis, Schwachsinn, Paralyse, Chorea Huntington leiden, Menschen mit seniler Demenz oder wenn sie nicht oder nur noch mit mechanischen Arbeiten beschäftigt werden können. Menschen, die schon länger als fünf Jahre in der Anstalt sind; Kriminelle „Geisteskranke“ sowie Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder nicht artverwandten Blutes sind.
Die 3 Gutachter der Aktion T-4 prüfen diese Patientenlisten am grünen Tisch und senden dann die Namen der Patienten an die Heil- und Pflegeanstalten zurück, die einer „Reichsanstalt“ zugeführt werden sollen. Die Liste vom August 1941 enthält den Namen von Aloisia Kempter und bedeutet ihr Todesurteil. Der Grund der „Verlegung“ in die sogenannte Reichsanstalt ist die Ermordung der Patienten.
Im Aufnahmeprotokoll von Aloisia Kempter in Kaufbeuren heißt es: „Kann sich nicht selbst versorgen und braucht ständige Pflege durch fachkundige Personen“.
Die letzten Einträge im Patientenbogen sind sehr knapp gehalten und liefern die Pseudorechtfertigung dafür, was mit scheinbar unheilbar kranken Menschen im Nationalsozialismus geschehen soll, nämlich ihre Ermordung, weil sie als Last für die „Volksgemeinschaft“ betrachtet werden.
3.5.41 Pat. muss versorgt werden, hält sich aber sauber. Sie macht auch weiter keine Schwierigkeiten.
25.6.41 Patientin arbeitet nichts, muss immer noch versorgt werden. Sie sitzt meist nur herum. Gez. W.
8.8.41 Pat. wurde heute verlegt. War immer stumpf, diskussionsunfähig. Zu keiner Arbeit anzuhalten. W.
In der ersten Phase der Krankenmorde bis zum „Euthanasie-Stopp“ im August 1941 werden insgesamt 687 Patienten von Kaufbeuren aus in die Tötungsanstalten Grafeneck und Hartheim transportiert und dort ermordet.
Am 8. August 1941 wird Aloisia Kempter gemeinsam mit weiteren 132 Frauen, darunter 21 Augsburgerinnen von Kaufbeuren aus in die Tötungsanstalt nach Schloß Hartheim bei Linz deportiert und dort vergast.
Es ist der letzte Transport nach Hartheim. Danach wird wegen der Proteste der katholischen und protestantischen Bischöfe die Verlegung von Patienten in die Tötungsanstalten eingestellt.
Die Ermordung der Menschen aber geht weiter.
Dr. Faltlhauser stellt im bayerischen Innenministerium am 17.November 1942 den anderen Anstaltsleitern eine neue Tötungsmethode vor.
Um Kosten einzusparen, soll den nicht arbeitsfähigen Patienten weniger zu essen gegeben werden als den arbeitsfähigen. Die sogenannte Entzugskost (E-Kost), die wenige Tage später gemäß ministeriellem Erlass für alle bayerischen Anstalten verbindlich gemacht wird, ist eine Ernährung ohne Kohlehydrate und Fett, bestehend aus wenig Brot und Gemüse. Zusätzlich erhalten die „lebensunwerten“ Patienten Luminal in die Nahrung, in manchen Fällen wird ihnen Morphium-Skopolamin gespritzt.
Literatur:
Götz Aly, Die Belasteten. Euthanasie 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte; Frankfurt 2014
Michael von Cranach/Petra Schweizer-Martinschek, Die NS-„Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, in: Stefan Dieter (Hrsg.): Kaufbeuren unterm Hakenkreuz, Kaufbeurer Schriftenreihe Band 14, Thalhofen 2015, S. 270-287.
Quellen:
Stadtarchiv Augsburg, MK 2 und MB Kempter Alban 1863
Bundesarchiv Berlin, R 179-21753 Patientenbogen Aloisia Kempter
Historisches Archiv BKH Kaufbeuren: Standbücher der Zu- und Abgänge aus den Jahren 1940 und 1941 Männer, Frauen
Liste des Bundesarchivs mit den Namen der Opfer der Krankenmorde, die unter dem Bestand BArch R 179 eingesehen werden können: https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Aus-unserer-Arbeit/liste-patientenakten-euthanasie.pdf?__blob=publicationFile

zusammengestellt durch die Stolpersteininitiative Augsburg

Biografie erstellt von Dr. Bernhard Lehmann, StD, 86368 Gersthofen,

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