Biography of Berta, Emma and Jenny Kruszynski
Körnerstr. 26
Berta, Emma und Jenny Kruszynski
Die sechsköpfige jüdische Familie Kruszynski traf am 3. Januar 1888 aus Bromberg (Bydgoszcz) kommend in Leipzig ein.
Vater: Samuel Kruszynski, betrieb in der Leipziger Roßstr. 17 einen Zigarrenhandel, wohnhaft in Leipzig, Nürnberger Str, 39. Er verstarb 1894.
Mutter: Therese Kruszynski geb. Levit, wahrscheinlich aus der Bromberger Buchhändler- Familie stammend. Nach dem Tod ihres Mannes führte sie das Zigarrengeschäft weiter und ermöglichte so ihrer Tochter Bertha das Musikstudium, verstorben 1911.
Sohn Moritz, Kaufmann, betrieb in der Zeitzer Str. 56 (heute Karl-Liebknecht-Str.) einen Geldschrankhandel. Ab 1915 wohnte er mit seinen drei Schwestern in Leipzig, Körnerstr. 26. Er verstarb wahrscheinlich 1919.
Tochter Bertha, geb. am 26. Dezember 1878 in Bromberg, war die Älteste von den drei Schwestern Kruszynski. Sie studierte erfolgreich am "Königlichen Conservatorium der Musik zu Leipzig" vom 18. April 1895 bis 15. Juli 1899 neben Gesang auch Musiktheorie und Klavier. Klavier und Musiktheorie belegte sie bei Samuel Jadassohn (1831-1902), einem herausragenden Vertreter jüdischer Musikkultur. Gesang belegte sie bei Friedrich Rebling. Auf ihrem Zeugnis werden ihr "schöne Anlagen zum Koloraturgesang", an anderer Stelle "Sie ... konnte schwierige Koloraturarien bewältigen", bescheinigt. Nach ihrem Studium weilte sie ein Jahr in London (Fortsetzung des Studiums an der Londoner Academy of Music?). Sie arbeitete als Konzertsängerin, Musik- und Klavierlehrerin. Sie hatte Gesangs-Soloauftritte und war Sopranistin im ersten "Leipziger Vokalquartett" von 1903 bis zu dessen Auflösung 1905.
Schwester Emma, geb. am 11. November 1880 in Bromberg, war Buchhalterin im Leipziger Israelitischen Krankenhaus (Eitingon).
Schwester Jenny, geb. am 17. November 1883 in Bromberg, war Stenotypistin und gründete 1912 ein Büro für Schreibmaschinenarbeiten und Vervielfältigungen in Leipzig, Zeitzer Str. 58 (heute Abschnitt der Karl-Liebknecht-Straße).
Seit dem 1. Oktober 1915 wohnten die drei Schwestern zusammen mit ihrem Bruder in der Körnerstr. 26, zweite Etage. Sie blieben unverheiratet, über Kinder ist nichts bekannt.
Am 6. Februar 1939 mussten die drei Schwestern ihre Wohnung verlassen. Es erfolgte die Zwangseinweisung in eins der sogenannten "Judenhäuser" in der Funkenburgstr. 15.
Anfang Mai 1942 mussten sich die drei Schwestern am Sammelpunkt, der 32. Volksschule in der Leipziger Yorkstraße, einfinden. Dort wurde der zweite Transport jüdischer Bürger von insgesamt neun Leipziger Deportationen zusammengestellt. Ihnen wurde noch Hoffnung auf den Beginn eines neuen Lebens im Osten vorgegaukelt. So durften sie eigenes Gepäck mitbringen. Sie sollten sich mit Winter- und Sommerkleidung ausrüsten und auch Verpflegung einpacken. Der Zug der Deutschen Reichsbahn, wahrscheinlich kamen letztmalig für Deportationen noch Personenwagen zum Einsatz, setzte sich am 10. Mai 1942 vom Güterbahnhof Engelsdorf in Richtung des polnischen Be?zyce (Vorort von Lublin) in Bewegung. Die noch folgenden sieben Leipziger Deportationen erfolgten mit Güterwagen. In den Polizeiakten der Schwestern wurde das Datum der Deportation und mit gefühlloser und unsagbar gleichgültiger Gründlichkeit "abgeschoben" vermerkt. Die polizeilichen Meldeblätter im Polizeipräsidium Leipzig wurden geschlossen, die Schwestern hörten auf zu existieren.
Zwei Tage später kam der Leipziger Transport mit insgesamt 287 Männern, Frauen und Kindern im Ghetto Be?zyce an. Dort waren zusammengepfercht und unter unsäglichen Bedingungen schon 3.600 Menschen interniert. Um im Ghetto für die Leipziger "Platz zu schaffen", wurden am Vortag ihrer Ankunft alle arbeitsfähigen Männer in das Konzentrationslager Majdanek (in Lublin, Polen) "überstellt".
Ab Mitte Oktober gleichen Jahres begann die "Räumung" des Ghettos. Die Menschentransporte führten vom Ghetto direkt in das nahe gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek. Im Mai 1943 war die "Räumung" des Ghettos abgeschlossen. Seit der Ankunft im Ghetto gelten die Schwestern Kruszynski als verschollen. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind sie in den Gaskammern des Vernichtungslagers Majdanek ums Leben gekommen.
Recherchen: Günter Sonne (Vgl.: Günter Sonne, Musikstadt Leipzig - Zur Geschichte Leipziger Vokalquartette, Leipziger Hefte 20, Sax-Verlag 2017)
Patenschaft: Günter Sonne, Ensemble Amarcord
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