Biography of Gustav Adolf Hilzinger
Gustav Hilzinger wurde am 1. November 1886 in Tuttlingen als ältester Sohn des Felsenwirt Jakob Friedrich Hilzinger und dessen Ehefrau Emma Luise geb. Storz geboren. Die Familie lebte im Gasthaus Felsen, Stuttgarter Straße 8. Das Gasthaus, das sich in Familienbesitz befand, war nach dem kleinen Stadtbrand 1798 außerhalb der Stadtmauern errichtet worden und war deshalb vom Stadtbrand 1803 nicht betroffen. Allerdings brannte es 1902 samt einigen Nachbargebäuden ab. Dann wurde das Haus neu errichtet und besaß auch Fremdenzimmer.
Wir wissen wenig über die Erkrankung von Gustav Adolf. Seine Mutter gab anlässlich seiner Einweisung an, dass er seit seiner Jugend an „hochgradigem Schwachsinn“ leide, deshalb keinen Beruf erlernen konnte und nur „müssig“ im Haus sei. Da sein Vater 1896 eine Mark Strafe wegen Schulversäumnis seines Sohnes Gustav bezahlte, kann davon ausgegangen werden, dass er die Schule besuchte. In den folgenden Jahren fiel keine Strafe mehr an. Entweder war seine Behinderung nicht so stark ausgeprägt oder er erkrankte erst im jugendlichen Alter. Die Eltern brachten ihn auf eigene Kosten von 1909 bis 1914 in einer Behinderteneinrichtung in Fluorn unter. Bereits 1911 starb der Vater von Gustav Adolf Hilzinger, die Witwe versuchte den Gaststätten und Pensionsbetrieb weiter zu führen, was ihr mehr schlecht als recht gelang. Durch die Inflation verloren sie ihr Geld und wurde mittellos. Sie verkaufte das Haus an die Fa. Huber und Link und betrieb einen Kolonialwarenladen, der allerdings zu wenig Geld abwarf. Die Suche nach einem geeigneten Laden in besserer Lage verlief ergebnislos. Ende 1924 beschloss sie zu ihrer Tochter Emma Hofer und deren Familie ins ferne Maulbronn zu ziehen. Dorthin konnte sie ihren geistesschwachen Sohn nicht mitnehmen. Die Witwe sah sich nicht in der Lage für den Sohn zu sorgen. Am 8. Januar 1925 reichte sie beim Fürsorgeamt einen Antrag ein, den Sohn in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen. Sie selber gab an, dass sie ihr Geld verloren hätte und dass auch der Sohn ohne Vermögen sei. Am 13. Januar 1925 zog sie zusammen mit Gustav Adolf nach Maulbronn, bevor der Antrag verhandelt worden war. Jetzt entwickelte sich ein Konflikt zwischen den Fürsorgebehörden in Maulbronn und Tuttlingen, wer denn jetzt für den Zögling zuständig sei. Tuttlingen schaltete die Oberamtsverwaltung von Maulbronn ein, und dieses gab den Fall zur Entscheidung an die Ministerialabteilung der Bezirks- und Körperschaftsverwaltung weiter. Inzwischen hatte die Zweiganstalt Göttelfingen der Gustav-Werner-Stiftung (Bruderhaus) der Aufnahme von Gustav Adolf zugestimmt und er war am 12. Februar dort aufgenommen worden. Die Ministerialabteilung entschied dann, dass die Fürsorgepflicht bei Tuttlingen läge, da die Hilfsbedürftigkeit schon in Tuttlingen eingetreten sei. Die städtische Armenfürsorge schloss einen Vertrag mit der Reutlinger Gustav-Werner-Stiftung, die die Göttelfinger Einrichtung betrieb, ab und meldete Gustav Hilzinger dann als Kleinrentner an. Man berief sich auf Reichsgrundsätze, die am 8. Juni 1924 verkündet worden waren und zum Ziel hatte, allen Hilfsbedürftigen den notwendigen Lebensbedarf zu gewähren. Damit wurde die Fürsorgepflicht der Gemeinde an die Bezirksfürsorge abgegeben. Angefügt ist dem Antrag der Satz: “Bei Bestehenbleibens der Friedensverhältnisse wäre derselbe zweifellos nie der öffentlichen Fürsorge anheim gefallen.“ Vermutlich bezieht sich dieser Satz auf die Vermögensverhältnisse der Familie, die wohl in der Hyperinflation, die nach dem Ersten Weltkrieg folgte, ihr Vermögen verlor.
Die Mutter entschied sich aber bereits im August 1925 wieder um und zog zurück zu ihrem jüngsten noch unverheirateten Sohn nach Tuttlingen. Später machte sie sich als Händlerin selbstständig.
Gustav Adolf blieb in Göttelfingen, abgesehen von einem kleinen Zwischenaufenthalt in Stetten. Am 26. März 1941 wurde er in die Heilanstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg fungierte zu diesem Zeitpunkt als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar in Hessen. Nachdem die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen worden war, ging das Morden in Hadamar weiter. Am 22. April 1941 wurde er mit 63 weiteren Patienten nach Hadamar gebracht und noch am gleichen Tag in den Gaskammern getötet. Die Mitteilung nannte den 28. April als Todesdatum und versuchte damit das Massenmorden zu verschleiern.
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