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Oskar Heuberger

Biography of Oskar Heuberger

Oskar Heuberger wurde am 23. Juni 1902 als Sohn des Schuhmachers Johann Jakob Heuberger und dessen Ehefrau Marie geb. Bauer geboren. Seine Eltern stammten aus dem Badischen, der Vater starb bereits 1912, als er gerade 10 Jahre alt war. Er hatte noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Die Familie lebte zunächst in der Schulstraße und ab 1930 im Brechgässle, heute Flachsweg 2.

Durch eine Kinderlähmung hatte Oskar eine Behinderung am Bein (Klumpfuß). Nach dem Besuch der Volksschule arbeite er in der Schuhfabrik Rieker, wurde nach dem Ersten Weltkrieg Mitglied des Zentralverbandes Deutscher Schuhmacher und trat dem Spartakusbund bei. Nach einem Praktikum in der Landwirtschaft besucht er die Ackerbauschule Ellwangen, die er allerdings nicht abschloss.

Er arbeitete bis ca. 1930 als Landwirt, betätigte sich dann journalistisch im Bund schaffender Landwirte, einer überparteilichen Kleinbauerbewegung der Weimarer Republik. Dann war er nur noch als Journalist tätig, zunächst für die „Süddeutsche Arbeiter-Zeitung“, dem Landesorgan der KPD. 1932 war er verantwortlich für die „Rote Einheitsfront“, dem Mitteilungsblatt der Tuttlinger Antifaschisten. Da er ein versierter Redner war und sich tief in die Ideologie des Nationalsozialismus und dessen Vorläufer eingelesen hatte, machte er unermüdlich auf die Gefahren des Nationalsozialismus aufmerksam. Zwar war er KPD-Mitglied, verfasste aber für das Komitee, das die letzte Gegendemonstration initiiert, die auch von SPD und den Gewerkschaften getragen wurde, den Aufruf. Nach dem Brand des Reichstags am 27./28. Februar 1933 verfasste er einen flammenden Artikel, in dem er auch Reichspräsident Hindenburg angriff.
Kolportiert wird, dass er sich der Gefahr bewusst war, die er durch seine publizistischen Äußerungen einging, und fliehen wollte. Dazu hatte er einen Treffpunkt im Wald mit Emil Rieger vereinbart. Die beiden verfehlten sich aber und so konnten sich beide nicht absetzen.

Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er am 3. März 1933 verhaftet, im Tuttlinger Gefängnis in Einzelhaft verwahrt und von seinen befreundeten Mithäftlingen isoliert. Von dort wurde er in Konzentrationslager Heuberg gebracht und dann bis Ende November 1933 ins Militärgefängnis nach Ulm. Dann überstellte man ihn zurück ins KZ Heuberg und von dort ins KZ Oberer Kuhberg, wo er gemeinsam mit Dr. Kurt Schuhmacher und anderen Häftlingen isoliert in einer Zelle unter dem Dach gefangen gehalten wurde.

Wegen seiner Aussagen zu Reichspräsident Hindenburg wurde er am 14. März 1934 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, die er vom 28. Mai 1934 bis Mitte August 1934 im Gefängnis in Rottenburg verbrachte. Dann wurde er zurück ins KZ Oberer Kuhberg überstellt. Zu seiner eigenen Überraschung wurde er dort im September 1934 entlassen.

Eine Episode aus dem KZ Heuberg überlieferte seine Nichte Rieger. Im KZ mussten die Häftlinge zu einem Apell vortreten. Bei einer Gelegenheit wurde ein Mithäftling herausgegriffen und schikaniert. Oskar Heuberger konnte nicht zusehen, trat hervor und wollte dem Ganzen ein Ende machen. Er ging mit geballten Fäusten auf einen SA-Mann los, der ihn daraufhin verprügeln ließ und dabei seine Zähne ausgeschlagen wurden.

Zurück in Tuttlingen gab ihm der Fahnder Schatz den Rat, sich mit Kreisleiter Huber auszusprechen, was für ihn aber nicht in Frage kam. Nach seiner Entlassung wurde er von der Gestapo überwacht und musste sich regelmäßig bei der Polizei melden. Er versuchte in dieser Zeit erfolglos, in Tuttlinger Schuhfabriken Arbeit zu finden. Zwischenzeitlich meldete er sich nach Fridingen ab, wo er bei einem Parteigenossen wohnte und mit anderen bedeutenden Männern aus dem Widerstand Kontakt hatte. Landjäger beobachteten ihn und erstatteten nach Tuttlingen Bericht, von wo aus die Vorgänge an die Gestapo-Außenstelle nach Oberndorf weiter geleitet wurden. Da er keine Anstellung finden konnte, probierte er daraufhin, eine kleine Geflügelzucht aufzubauen. Bereits im August 1935 fand eine Hausdurchsuchung in der Wohnung seiner Mutter statt. Er wurde erneut verhaftet, Freunde und seine Verlobte wurden befragt. Er orientierte sich danach in Richtung Schweiz, pachtete in Niedergebisbach, Kreis Säckingen ein Bauernanwesen, das er mit seinen Tieren bezog, das jedoch wenig Ertrag abwarf. 1936 heiratete er in Alterschwand seine erste Frau Herma Agena, deren Vater Meint Uden Agena, die Familie finanziell unterstützte. Als er 1939 für seine Tiere kein Futter mehr erhielt, wandte er sich erneut in Richtung Tuttlingen. Er versuchte wiederum eine Stellung in einer Tuttlinger Schuhfabrik zu erhalten, was ihm nach einigen Versuchen auch gelang. Er arbeitete bei der Firma IG Martin Söhne, in der noch weitere Hitlergegner beschäftigt waren. Der Umgang mit Aceton führte zu einer leichten TBC. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und traf im Gefängnis auf zahlreiche alte Freunde. Nach einigen Wochen wurde er wieder entlassen.

Nach Kriegsende war er Stadtrat, Beigeordneter und stellvertretender Leiter des Arbeitsamtes. Er arbeitete im Entnazifizierungsausschuss mit und begann wieder Artikel für verschiedene Zeitungen zu schreiben. So war er Mitherausgeber der KPD-Zeitung „Unser Tag“ und schrieb auch für das Blatt „Unsere Stimme“. Er musste wegen seiner angeschlagenen Gesundheit das Sanatorium in Bad Salzhausen aufsuchen.

Für die erlittene Freiheitsentziehung in KZs erhielt er eine Haftentschädigung, eine Beeinträchtigung in seinem beruflichen Fortkommen wurde aber zunächst nicht anerkannt, obwohl Fritz Fleck bestätigte, dass Oskar Heuberger nach seiner Entlassung aus dem KZ keine Chance auf eine Einstellung in einem Tuttlinger Betrieb hatte, da nicht nur die Unternehmer Kontrolle ausübten, sondern diese auch von der Arbeitsfront unter Druck gesetzt wurden. 1961 wurde ihm eine monatliche Rente zugesprochen. Ab 1960 hatte er einen zweiten Wohnsitz in Berlin-Friedrichsfelde, Archenholdstr. 71. Mit seiner zweiten Frau und einem gemeinsamen Sohn lebte er in Berlin-Ost, wo er am 3. Mai 1968 starb.

Quellen/Literatur:
Archiv VVN-BdA Baden-Württemberg Stuttgart, D 671
StA Sigmaringen, ET 5064; StA Sigmaringen Wü 33 T1 3895 (Wiedergutmachungsakte Oskar Heuberger)-eingesehen
Kreisarchiv I-1478
Stadtarchiv,
Allgaier-Schutzbach, Marliese: Tuttlinger Arbeiterbewegung 1932-1945, in: Nationalsozialismus in Tuttlingen, hg. von der Stadt Tuttlingen, Tuttlingen 1986, S. 83-94.
Akten im Kreisarchiv –Widerstand I-1458
Staatsarchiv Sigmaringen Wü 13 T 2 Nr. 2513/056 – identisch mit Stadtarchiv

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